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Spiel des Schicksals(Bd. 10). Mit dieser Erzählung, welche zuerst i. J. 1789 in Wielands Deutschem Mercur erschien, beginnt Sch.’s Thätigkeit auf dem Gebiete erzählender Darstellung. Der Verlauf derselben ist kurz folgender: Ein begabter junger Mann von rastlosem Fleiß und außerordentlicher Gewandtheit wird durch die Gunst seines Fürsten von Stufe zu Stufe emporgehoben, um bald die rechte Hand seines Herrn zu werden. Dies Glück macht ihn hochmüthig und hart gegen seine Feinde, während er die wichtigsten Beamtenstellen mehr nach Laune als nach Gerechtigkeit vertheilt. Voll stolzen Selbstvertrauens ahnt er nicht, daß unter seinen Neidern gerade der, welcher sich ihm am unterwürfigsten zeigt, sein gefährlichster Feind ist. Indem dieser den Leidenschaften seines Fürsten unwürdige Dienste leistet, gelingt es ihm zugleich, seinen hochgestellten Gönner zu verleumden und dessen mit der brutalsten Behandlung verbundenen Sturz herbeizuführen. In der grausamen Einkerkerung, welche diesem entsetzlichen Acte folgt, erkennt der ehemalige Günstling des Glücks, daß er selbst das Opfer eines Racheplans ist, den er für einen Andern ausgedacht, welcher kurz darauf sein Kerkermeister wird. Durch die Tiefe seines Elends wird das Herz eines ihm völlig Unbekannten, des Garnisonpredigers der Festung, ergriffen, der ihm zunächst Erleichterung seines Schicksals und bald darauf Begnadigung erwirkt, mit welcher aber zugleich die Strafe der Verbannung verbunden ist. Erst nach einer langen Reihe von Jahren darf er zu seinem Fürsten zurückkehren, der ihn endlich in seien früheren Aemter und Würden wieder einsetzt. In seinem hohen Alter wird er Befehlshaber der Festung, in welcher die Staatsgefangenen eingeschlossen sind, die er, durch die Gewalt des Schicksals innerlich erhärtet, ungerecht und launisch behandelt, was ihm schließlich einen unerwarteten Tod bereitet. – Nachmalige Untersuchungen haben in diesem „Bruchstück aus einer wahren Geschichte“ die Lebensschicksale des würtembergischen Obersten Rieger erkannt, dem Sch. 1783 eine Todtenklage widmete. Nach Viehoffs Angabe ist das Ausführlichere über Riegers Schicksal in Spittlers Geschichte des würtembergischen Geheimraths-Collegiums (Th. 3. S. 434) zu finden. Hermann Kurtz (vergl. L. Eckardt, Erläuterung der Räuber) berichtet, daß zur Zeit des Herzogs Karl von Würtemberg eigentlich drei Männer statt seiner herrschten, zunächst Witleder, ein Emporkömmling, der früher Handwerksbursche gewesen und zuletzt als Kirchenrathsdirector alle Aemter verhandelte, ferner Montmartin, ein feiner Schleicher, der sich der niedrigsten Mittel bediente, um sich in der Gunst des Herzogs zu befestigen, endlich Rieger, ein energischer Charakter, der eine unumschränkte Herrschaft über das Heer übte und Montmartins volksfeindliche Plane mit Gewalt durchzusetzen bemüht war, bis dieser selbst anfing ihn zu fürchten und seinen Sturz herbeiführte. – Hiernach hat Sch.’s Erzählung den Charakter einer Novelle, in welcher er die Momente zur Zeichnung des Günstlings den beiden ersten Personen, Witleder und Montmartin, die zur Zeichnung des Gestürzten Montmartin und Rieger entlehnt hat. Der Zusatz „Ein Bruchstück aus einer wahren Geschichte“ kann sich also nur auf das Ereigniß im Großen und Ganzen beziehen, während mehrere Einzelheiten als dichterische Zuthat zu betrachten sind. |
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