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Ritter Toggenburg (Gedicht)

Zur Ballade Ritter Toggenburg.

Unter den verschiedenen Sagen, welche als Quellen für diese Ballade aus dem Jahre 1797 angeführt werden, ist eine am Rhein herrschende als die zu betrachten, welche dem Dichter wahrscheinlich vorgeschwebt hat. Ein Ritter Namens Roland, ein Verwandter Karls des Großen, zog einst von Ingelheim den Rhein hinab. Auf seiner Fahrt lernte er in einer Burg die einzige Tochter eines Ritters, Namens Hildegunde, kennen. Beide faßten eine innige Neigung zu einander, und der Vater des Mädchens hatte nichts dagegen einzuwenden. Da aber Roland sich verpflichtet hatte, einen Zug gegen die Saracenen mitzumachen, so wurde die Vermählung verschoben, bis er zurückgekehrt sein würde. Nach einem Jahre jedoch brachte ein anderer Ritter die Trauerkunde, daß Roland im Kampfe gefallen sei. Von tiefem Schmerz ergriffen, faßte die Jungfrau den Entschluß, den Freuden der Welt zu entsagen und sich in ein Kloster zurückzuziehen. Kaum aber hatte sie ihr Gelübde abgelegt, so kehrte Roland zurück, den man für todt auf dem Kampfplatze zurückgelassen hatte, der indessen nach einer Ohnmacht wieder zum Leben erwacht war. Als er vernahm, welchen Schritt die Geliebte seines Herzens gethan, entsagte auch er seinem Stande und führte fortan ein Einsiedlerleben in einer Klause, die er dem Kloster gegenüber anlegte, in welchem die Jungfrau weilte. Dort saß er Tag für Tag und blickte voll Sehnsucht und Schwermuth zu dem Kloster hinüber. Nachdem zwei Jahre so vergangen, bemerkte er an einem trüben Herbstmorgen, daß auf dem Klosterkirchhofe ein Grab gegraben wurde. Eine bange Ahnung ergriff ihn, die leider zur Gewißheit wurde, indem ein abgesandter Bote ihm die Nachricht brachte, daß Hildegunde verschieden sei. Da ergriff ihn ein bitterer Schmerz, der bald die Kräfte seines Lebens verzehrte. Eines Morgens fand man ihn als Leiche vor seiner Klause sitzend, die Augen noch starr auf das Kloster gerichtet. – Ueber das Gedicht, welches weiter keine Schwierigkeiten darbietet, ist nur noch zu bemerken, daß die schwermüthig klagenden Trochäen, so wie der gleichförmige Wechsel des Reimes das eintönige Klausnerleben in treffender Weise darstellen. Eben so tritt uns in der anmuthigen Assonanz (Str. 8), in der steten Wiederkehr der Vocale i und ei die ganze Lieblichkeit und Freundlichkeit der stillen Wehmuth entgegen, wie sie aus einem zart besaiteten Herzen nicht schöner hervorbrechen kann. Und endlich hat der stille Ausgang des Ganzen einen ruhig idyllischen Charakter, der mit den wahrhaft musikalischen Sprachklängen, die das ganze Gedicht durchziehen, harmonisch zusammenstimmt.

 
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