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Der Ring des Polykrates (Gedicht)

Zur Ballade Der Ring des Polykrates.

Der Stoff zu dieser Ballade, die dem Jahre 1797 angehört, ist aus Herodot geschöpft. Derselbe erzählt (Buch III, c. 39-44), daß um dieselbe Zeit, wo Kambyses gegen Aegypten zog, auch die Lacedämonier einen Feldzug gegen Samos und Polykrates unternahmen. Der Letztere hatte sich zum Herrn aufgeworfen und den Staat in drei Theile getheilt, von denen er den einen für sich behielt, die beiden anderen aber seinen Brüdern Pantagnotus und Sýloson gab. Bald darauf aber ermordete er den ersteren und vertrieb den andern, so daß er fortan (540-523 v. Chr.) Alleinherrscher von Samos ward. Ums ich in seiner Herrschaft sicher zu stellen, schloß er Freundschaft mit Amásis, dem Könige von Aegypten, der gleichfalls durch Aufwiegelung, jedoch mit Zustimmung des Volkes, zum Throne gelangt war und eben so, wie Polykrates für Samos, eine blühende Zeit für Aegypten heraufführte. Beide Könige tauschten Geschenke aus, und der Ruf von ihrer Macht verbreitete sich durch ganz Griechenland. Als nun Amasis sah, daß dem Polykrates jedes Unternehmen glückte, so schrieb er einen Brief an ihn, in welchem er ihm seine Bedenken über dies ungetrübte Glück äußerte und ihn darauf aufmerksam machte, daß die Götter mißgünstig seien (vergl. Wst. T. V, 4 „die bösen Götter“ etc.) und er selbst jedenfalls traurig enden werde. Er ertheilte ihm deshalb den Rath, das Kostbarste, was er besäße, von sich zu werfen, so daß es nicht wieder in Menschenhände gelangen könnte. Polykrates nahm einen werthvollen Siegelring mit einem kostbaren Smaragd, ließ sich mit einem Funfzigruderer auf die hohe See fahren und warf sein liebstes Kleinod in das Meer. Aber schon nach 5 oder 6 Tagen erschien ein Fischer in seinem Palaste, der ihm einen Fisch von besonderer Größe zum Geschenk machte. Als der Koch den Fisch öffnete, fand er den Ring seines Gebieters in dem Magen und hatte natürlich nichts Eiligeres zu thun, als seinem Herrn das Eigenthum zurück zu bringen. Sogleich schrieb Polykrates an Amasis, um ihn von diesem Vorfall ohne Gleichen in Kenntniß zu setzen. Amasis aber erschrak heftig darüber und ließ ihm die Gastfreundschaft aufsagen, um sich den Schmerz über das zuverlässige Unglück eines Freundes zu ersparen. – Sch. ist von der geschichtlichen Darstellung insofern abgewichen, als er die ganze Begebenheit sich vor den Augen des königlichen Freundes entwickeln läßt; außerdem aber veranschaulicht er das Glück des Polykrates durch eine Reihe von Ereignissen (Str. 3-8), die wir als seine eigene Erfindung zu betrachten haben. Goethe hebt besonders lobend den Schluß hervor, und zwar deshalb, weil derselbe „die Erfüllung in Suspenso (Ungewißheit) läßt“, und allerdings würde die Mittheilung von dem unglücklichen Ende des Polykrates die Wirkung des Ganzen geschwächt und die Grundidee des Gedichtes verwischt haben, in welchem Amasis mit seinem Grauen vor dem unnatürlichen Glücke des Freundes entschieden als die Hauptperson zu betrachten ist. – Str. 3. Tyrann (s. d.); V. 6. „göttlich Haar“, vergl. Ged. D. Triumph d. Liebe, Str. 17 „ambrosisch Haar“. – Str. 10, V. 6. Glück ist hier s. v. a. Geschick (vergl. Fortuna); d. h. das Schicksal mißt jedem Menschen Leid und Freude zu; durch den Tod seines Sohnes hat er ihm also den verlangten Tribut entrichtet. Vergl. Wst. T. V, 4. – Str. 13. Daß der Ring mit dem Smaragd für Polykrates einen so hohen Werth hatte, lag darin, daß die Steinschneidekunst damals eine ganz neue Erfindung war, so daß selbst Plinius in seiner Naturgeschichte (XXXVII, 2) des hier berichteten Vorfalles erwähnt. – Str. 16. Die Ansicht des Amasis:

„Des Lebens ungemischte Freude
Ward keinem Irdischen zu Theil“

hier zugleich die Grundidee des ganzen Gedichts, wirkt so mächtig auf ihn ein, daß er lieber der Freundschaft entsagt, als sich der Gefahr aussetzt, der unheildrohenden Göttermacht zum Opfer zu fallen.

 
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