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Resignation

Zum Gedicht Resignation.

(Ged.) ein Gedicht aus d. J. 1786, das, wie „der Kampf“, zu manchen Bedenken Veranlassung geben kann. Indessen ist hierbei zu erwägen, daß der Dichter nicht nothwendig als Sittenprediger erscheinen muß, sondern daß er nur die Aufgabe hat, die Erscheinungen des Lebens in schöner Form zur Darstellung zu bringen. So spricht Sch. hier unumwunden seine damalige Lebensanschauung aus, wie sie bei seiner bedrängten Lage in einem jugendlich strebsamen und stürmisch ringenden Geiste fast mit Nothwendigkeit sich entwickeln mußte. Hatte er früher geglaubt, auf irdisches Glück vollständig verzichten, oder es wenigstens sich erringen zu können, so spricht er nun seinen Schmerz über die Unvollkommenheit der menschlichen Natur selber aus, die nicht im Stande sei, das ideale Streben mit dem Verlangen nach realem Genusse so zu verbinden, daß dadurch eine wahrhaft glückliche Seelenstimmung hervorgebracht werde. Daß der Mensch bei diesem Ringen und Kämpfen sich entweder auf die eine oder auf die andere Seite neigen müsse, war seine innerste Ueberzeugung; er resignirt also, weil er zu der Erkenntniß gekommen ist, daß er das vorgesteckte Ziel doch niemals erreichen wird. Derselbe Schmerz spricht sich auch, aber in milderer und mehr verklärter Weise in dem Gedichte „der Pilgrim“ (s. d.) aus, das zwei Jahre vor seinem Tode geschrieben wurde. – Str. 1. V. 1. Auch ich war von der Natur mit Anlagen zu irdischem Glück versehen. – Str. 2 enthält eine Ahnung eines frühzeitigen Todes (vergl. Lauralieder 4.). „Der stille Gott“ ist der Genius des Todes, nach der Vorstellung der Alten ein geflügelter Jüngling in sinnender Stellung, dessen rechter Arm mit dem Haupte auf eine umgekehrte Fackel gestützt ist. V. 5. Die Erscheinung, d. h. meine leibliche (sichtbare) Hülle. – Str. 4 V. 3. „Auf jenem Stern“. Der Dichter, im Geiste vor der Ewigkeit stehend, bezeichnet so die Erde. – Str. 5. V. 3. „Der Herzens Krümmen werdest du entblößen“, d. h. seine geheimsten Falten bloßlegen. – Str. 6. V. 5. „meines Lebens raschen Zügel“, d. h. den Zügel meines rasch dahineilenden Lebens. – Str. 7. „Ich zahle dir“ etc. Mit diesen Worten redet das Götterkind, die Wahrheit, den jugendlichen Dichter an; eben so sind Str. 8. V. 1-3 als Worte dieses Götterkindes zu betrachten; „wuchern“ d. h. reichliche Zinsen tragen. – Str. 9. Eine Schuldverschreibung, die an die Todten ausgestellt ist, kann von diesen natürlich nicht angenommen werden. Die „Despoten“ sind dem Dichter diejenigen, welche die Menge mit falschen Versprechungen (frohe Aussicht auf ein Jenseits) zu beruhigen und ihre sinnlichen Neigungen zu bändigen suchen. – Str. 10. V. 2. d. h. nur das Alter ertheilt diesem Wahne die Weihe und flößt uns Achtung vor demselben ein. V. 4 u. 5. Der Menschen Witz hat für die Menge solche Lehren ersonnen, um die menschliche Gesellschaft zu erhalten, ihr Rettung vor sittlicher Zerstörung zu bringen, während doch die menschliche Natur in der Doppelheit ihres Wesens eigentlich durch und durch krank ist. – Str. 11. V. 4. Wie Hohlspiegel vergrößern, so malt sich der von Gewissensbissen gefolterte Menschengeist die Schrecken der Ewigkeit zu Riesengestalten aus. – Str. 12. Die Ewigkeit, wie sie oft in grobsinnlicher Weise dargestellt wird, ist eigentlich nur ein Scheinbild („Lügenbild“), einer einbalsamirten Mumie vergleichbar, die wie etwas Lebendes aussieht, aber des Lebens selber entbehrt. Unsere Hoffnung ist der „Balsamgeist“, d. h. das Erhaltungsmittel des Wahnes, der uns durch das Leben begleitet. – Str. 13. vergl. Gsts. Vierter Brief 10, 222-225. – Str. 14. ist an die Ewigkeit gerichtet. – Str. 16. Das Anführungszeichen vor „hört es Menschenkinder“ – ist besser vor „zwei Blumen“ etc. zu setzen, so daß die Parenthese: – hört es Menschenkinder – als Ausruf des Dichters, nicht aber als Ausruf des Genius zu denken ist, dem man nach solchen Enthüllungen schwerlich noch Glauben schenken würde. – Str. 17. „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht“, d. h. sie belehrt uns darüber, daß zu allen Zeiten die Hoffnung auf die Zukunft dem Menschen mehr wahre Freuden gewährt hat, als der unmittelbare Genuß der Gegenwart. – Str. 18. spricht die Ergebung (Resignation) in das Unabänderliche aus. – So stellt das ganze Gedicht einen inneren Seelenkampf dar, wie er von Tausenden strebsamer Geister gekämpft wird, ehe die einander widerstrebenden Mächte des eigenen Inneren sich miteinander versöhnen. Der Dichter erscheint uns hier eben als ein werdender, nicht aber als ein reifer Mensch, seine Aussprüche sind daher nicht als Richtschnur für unser Leben zu betrachten, sondern nur als ein Spiegelbild unseres eigenen Innern.

 
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