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Phantom

1) ein Scheinbild, wie die Gestalt des auf der Wasserfläche sich darstellenden Spiegelbildes, von welcher es (Ged. D. Künstler) heißt:

„Von ihrem Wesen abgeschieden
Ihr eignes liebliches Phantom
Warf sie sich in den Silberstrom,
Sich ihrem Räuber anzubieten.“

2) Benennung für die Schatten der Unterwelt, wie (Ged. D. Ideal u. d. Leben):

„Wie des Lebens schweigende Phantome
Glänzend wandeln an dem styg’schen Strome.“

3) die Gedanken, welche die Seele so lebhaft beschäftigen, daß sie als Trugbilder vor ihr erscheinen. So wird das göttliche Ideal edler Menschlichkeit (Menschenf. 8) ein „liebliches Phantom“ genannt; eben so sagt die Prinzessin Eboli (D. C. II, 8) von ihrer Liebe zu dem Prinzen:

„Ach ein Phantom vielleicht! Doch mir so werth!
Ich liebe und bin – nicht geliebt.“

desgl. nennt Alba (D. C. II, 10) die edleren Regungen und Gedanken, welche die Seele des Prinzen beschäftigen, „Phantome“ und Leonore (F. III, 3) ihre Erinnerung an eine glückliche Zeit „ein lebhaftes Phantom“. – Solche Trugbilder können unter Umständen auch zu Schreckbildern werden, wie (F. II, 19), wo Fiesco sagt: „Gleich verdächtigen Brüdern … stehlen sich die üppigen Phantome an meiner Seele vorbei“; und (Mcb. II, 4), wo Lady Macbeth zu ihrem vom Schreckbildern geängstigten Manne sagt:

„Mein theurer Than, was für Phantome
Sind das, die deines Herzens edlen Muth
So ganz entnerven!“

In demselben Sinne nennt Talbot (J. v. O. II, 3) die Jungfrau „ein Phantom des Schreckens.“

 
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