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Phantasie

gr. phantasia, eig. das Sichtbarmachen, Zeigen. 1) Die Einbildungskraft, welche sich Bilder oder Gestalten schafft, wie (Ged. D. vier Weltalter): „Das Alter der göttlichen Phantasie“; (Ged. Würde d. Frauen): „Die Schätze der Phantasie“; (R. IV, 5): „Die Phantasie, der muthwilligste Affe der Sinne, gaukelt unserer Leichtgläubigkeit seltsame Schatten vor“; (F. II, 5): „Die Phantasie (ihrer Ueberschwänglichkeit wegen) der Marktschreierei überwiesen“; eine Schilderung derselben von Marquis Posa (D. C. I, 9), der von Don Carlos, als dem künftigen Herrscher, sagt:

„Für seine Thorheit schickt ihm Peru Gold,
Für seine Laster zieht sein Hof ihm Teufel.
Er schläft berauscht in diesem Himmel ein,
Den seine Sclaven listig um ihn schufen.“

(D. C. II, 15): „Doch hier verirrte deine Phantasie“; (Wst. Prol.): „Des Dichters Phantasie“, von der die Poesie (H. d. K.) zur Fürstin sagt: Es soll

„Die Phantasie auf ihren mächt’gen Flügeln
Dich zaubern in das himmlische Gefild.“

und (gr. Handl. a. d. n. Gesch.): „Unsere Phantasie wird entzündet.“ – Desgl. (Br. v. M. Einl. 5, 376 – Gsts. 10, 128).

2) Die von der Einbildungskraft erzeugten Gestalten selbst, wie (Ged. D. Kindesmörderin):

„Fahret wohl, ihr goldgewebten Träume,
Paradieseskinder Phantasien!“

(Ged. D. Ideale), wo es von der goldenen Zeit heißt:

„So willst du treulos von mir scheiden
Mit deinen holden Phantasien.“

(D. C. V, 5), wo Alba zu dem König sagt, der sich von Rebellen verrathen glaubt: „Welch fürchterliche Phantasie!“ und (Mcb. V, 5), wo der Arzt von Lady Macbeth sagt:

„Krank nicht sowohl, mein König, als beängstigt
Von Phantasien, welche ihr die Ruhe rauben.“

Daher auch Erzeugnisse der dichterischen Einbildungskraft, wie (F. Vorr.): „Ich will lieber meine Phantasien als Facta verdorben haben.“ Davon: phantasiren.

 
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