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Parlament

von dem franz. parler, sprechen, hieß in Frankreich vor der Revolution das höchste Gericht einer Provinz, welches auch Antheil an der höchsten Gewalt hatte. Als daher König Karl (J. v. O. I, 5) fragt:

„Erhob sich nicht in meinem Parlamente
Die reine Stimme der Gerechtigkeit?“

antwortet ihm La Hire:

„Sie ist verstummt vor der Parteien Wuth.
Ein Schluß des Parlaments erklärte dich
Des Throns verlustig, dich und dein Geschlecht.“

In England ist das Parlament (K. u. L. II, 3 – M. St. I, 7) die Reichsversammlung. Der König (oder die Königin) ist dort das geheiligte Oberhaupt des Volkes und für seine Handlungen nicht verantwortlich, wohl aber die Minister; daher sagt Paulet (M. Stuart I, 2) zu Maria:

„Englands Beherrscher brauchen nichts zu scheuen,
Als ihr Gewissen und ihr Parlament.“

Denn in Betreff der Regierung und Gesetzgebung darf der König nicht eigenmächtig verfahren, sondern es gehört dazu die Einwilligung des Parlaments oder der Stellvertreter des Volks. Diese Stellvertretung besteht aus dem Oberhaus (M. St. I, 7) und dem Unterhaus, oder (M. St. I, 6) dem „Haus der Lords und der Gemeinen“. In dem Oberhause (Chamber of Peers) sitzen die Mitglieder des hohen Adels, die Erzbischöfe und Bischöfe des Landes, und der Lord-Großkanzler führt den Vorsitz. Das Unterhaus (Chamber of Commons) besteht aus Deputirten der Grafschaften und der Städte, die gesetzlich von dem Könige ganz unabhängig sind. Somit liegt die Hauptmacht des englischen Staates wesentlich in dem Parlamente; daher sagt König Karl (J. v. O. I, 4):

„Denn mir ist sichre Kunde zugekommen,
Daß zwischen diesen stolzen Lords von England
Und meinem Vetter von Burgund nicht alles mehr
So steht wie sonst.“

Ebendeshalb bricht auch Elisabeth (M. St. IV, 10) in die Klage aus:

„O Sklaverei des Volksdiensts! Schmähliche
Knechtschaft – Wie bin ich’s müde, diesem Götzen
Zu schmeicheln, den mein Innerstes verachtet!
Wann soll ich frei auf diesem Throne stehn!“

Desgl. sagt auch Lord Leicester (M. St. II, 4):

„Englands Gesetz, nicht der Monarchin Wille
Verurtheilt die Maria.“

 
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