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Orpheus

(Myth.), der Sohn des Apollo und der Muse Kallíope, war ein berühmter Sänger, den die Sage nach Thracien versetzt und der deshalb (Ged. D. Triumph d. Liebe) „der Thracier“ oder (Ged. D. Götter Griechenlands, Str. 9) „der Thraker“ genannt wird. Der Sage nach war die Macht seiner Töne so groß, daß er Felsen und Wälder in Bewegung zu setzen und die wildesten und reißendsten Thiere zu zähmen vermochte. In Beziehung hierauf sagt Iphigenie (Iph. V, 3) zu Agamemnon:

„Mein Vater, hätt’ ich Orpheus Mund, könnt’ ich
Durch meiner Stimme Zauber Felsen mir
Zu folgen zwingen etc. – – – – – – – – –
Jetzt würd’ ich diese Kunst zu Hülfe rufen.“

Eben so sagt Semele (Ged. Semele 1) von Jupiters Stimme, sie sei

„Entzückender, als Orpheus Saiten schallen.“

Vergleichungsweise erinnert Sch. an ihn, wenn er (Ged. D. Entzückung an Laura) sagt: Ich sehe

„Hinter die die trunknen Fichten springen
wie von Orpheus Saitenruf belebt.“

oder (R. I, 2), wo Razmann zu Schufterle sagt: „Du hast, wie ein anderer Orpheus, die heulende Bestie (s. Cerberus), mein Gewissen, in den Schlaf gesungen.“

Orpheus war mit Eurýdice, einer schönen Nymphe, vermählt, die er über Alles liebte, doch sollte dies Glück nicht lange dauern. Als seine Gattin einst von Aristäus, einem Sohne des Apollo, verfolgt wurde, ward sie von einer Schlange gestochen und starb, worauf Mercur sie in die Unterwelt hinabführte. Voll Verzweiflung stieg Orpheus zum Orcus hinab und versuchte durch die Macht seiner Töne den hartherzigen Pluto zu bewegen, daß er ihm seine Gattin zurückgäbe; daher (Ged. D. Götter Griechenlands, Str. 9):

„Und des Thrakers seelenvolle Klage
Rührte die Erinnyen.“

Der Beherrscher der Unterwelt willigte ein, daher (Ged. Nenie):

„Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher.“

jedoch nur unter der Bedingung, daß, wenn sie ihm folgte, er sich nicht nach ihr umsehen dürfe. Schon waren sie der Oberwelt nahe, als Orpheus dennoch das Haupt umwandte; aber sogleich verschwand die geliebte Gattin für immer. Vergl. Ged. D. Triumph d. Liebe.

 
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