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Orestes

(Myth.), abgek. Orést (Iph. Pers.-Verz.), der Sohn des Agamemnon (s. d.), war, als seine Schwester Iphigenia (s. d.) geopfert werden sollte, noch ein Knabe; daher (Iph. II, 4):

„Orest, der Knabe, steht dabei und jammert
Unschuldig mit, unwissend, was er weinet.“

Als seine Mutter Klytämnestra (s. d.) in Gemeinschaft mit Aegisthos ihren Gemahl Agamemnon ermordet hatte, floh er zu dessen Schwester Anaxíbia, mit deren Sohn Pýlades er die sprüchwörtlich gewordene Freundschaft schloß. Herangewachsen, beschloß er, von den Furien gereizt, den Tod seines Vaters zu rächen; daher (Br. v. M. 5, 467):

„Selber die schrecklichen Furien schwangen
Gegen Orestes die höllischen Schlangen
Reizten den Sohn zu dem Muttermord an.“

Von seinem Freunde begleitet, begab er sich nach Mykene, wo seine Mutter und Aegisthos von seinem Dolche fielen. Als Muttermörder war er indeß den Erinnyen verfallen, die ihn fortan unablässig verfolgten und in Wahnsinn stürzten. In diesem Zustande begab er sich nach Delphi, wo ihm ein Orakel verkündete, seine Qual werde ein Ende nehmen, wenn er die Bildsäule der Diana von Tauris nach Argos zurückführe. Nunmehr innerlich beruhigt; daher (Ged. D. Götter Griechenlands):

„Seinen Freund erkennt Orestes wieder.“

begab er sich mit seinem Freunde nach Tauris, wo er nicht nur das Bild, sondern auch seine Schwester Iphigenia fand, mit welcher er nach seiner Heimath zurückkehrte. Das Schicksal des Orestes ist in mehreren Tragödien des Alterthums behandelt (vergl. Ged. Shakespeare’s Schatten), von denen uns die „Eumeniden“ des Aeschylus, die „Elektra“ des Sophokles, so wie „Orestes“ und „Iphigenia in Tauris“ Von Euripides erhalten sind. In Beziehung hierauf heißt es (Ged. 4. B. d. Aen. 86):

„So ruft der Bühnen Kunst Orestens Bild hervor,
Wenn mit der Fackel ihn und fürchterlichen Schlangen
Der Mutter Schatten jagt, der Racheschwestern Chor,
Gespieen aus dem Schlund der Hölle,
Ihn angraust an des Tempels Schwelle.“

und (Ged. Pompeji u. Herculanum):

„Dem Orest folge der grausende Chor.“

 
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