www.wissen-im-Netz.infoLexikon - O |
||
|
Homepage Literatur Friedrich Schiller Lexikon O |
Orakel(lat. von orare, sprechen, und dieses von os, der Mund) nannte man bei den Griechen die angeblichen Götteraussprüche, die durch den Mund der Priester oder Priesterinnen verkündet wurden. Das älteste Orakel der Griechen hatte zu Dodóna seinen Sitz, während später neben vielen anderen das zu Delphi in Phocis in Mittelgriechenland einen besonderen Ruf hatte (vergl. Pythia u. Apollon). Man pflegte die Stimme eines Orakels bei wichtigen Unternehmungen, oder auch in Fällen großer Noth einzuholen; da die Priester aber selbstverständlich nicht in die Zukunft zu blicken vermochten, so suchten sie sich durch Dunkelheit und Zweideutigkeit in ihren Aussprüchen zu helfen, um sich ihr Ansehen zu erhalten. Mit Beziehung hierauf heißt es (Gsts. 10, 187): „Uebrigens klangen die Antworten des Geists so orakelmäßig dunkel.“ Der große Haufe legte natürlich Werth auf die Orakel, während tiefer blickende Geister (vergl. Iph. II, 4) sich wohl erlaubten, die Untrüglichkeit derselben in Zweifel zu ziehen. Vollständig sank ihr Ansehen indeß erst, nachdem Griechenland seine Freiheit und Unabhängigkeit eingebüßt hatte. Bei Sch. bedeutet Orakel: 1) den angeblichen Götterausspruch, wie (Ged. D. verschl. Bild z. Sais):
(Ged. Phantasie an Laura):
(Ged. Kassandra):
(Iph. II, 4):
(Phön.):
und (Iph. II, 4), wo Menelaus in Beziehung auf die Macht dieser Ansprüche zu Agamemnon sagt:
In übertragener Bedeutung heißt es (Mcb. I, 6) sogar von dem Ausspruch der Hexen:
2) den Offenbarungsort oder den Sitz der Göttersprüche, wie (2. B. d. Aen. 42):
3) die Person eines verehrten Rathgebers, wie (Br. v. M. 5, 436):
In diesem Sinne wird (Verbr. a. v. E.) selbst der Thorschreiber scherzhafterweise „das Orakel am Schlagbaum“ genannt; oder in übertragener und zwar abstracter Bedeutung (R. I, 1), wo Franz zu seinem Vater sagt: „Euer Leben ist das Orakel, das ich vor Allem zu Rathe ziehe über dem, was ich thun will.“ 4) bildl. einen räthselhaften, als unwiderlegbar sich ankündigenden Ausspruch, oder eine Prophezeihung, wie (Br. v. M. 5, 484):
und (ebendas. 483):
Desgl. (J. v. O. III, 4), wo Sorel sagt:
worauf Johanna ihr ablehnend erwiedert:
Eben so sagt Elisabeth (M. St. II, 5) zu Mortimer:
In gleicher Weise sagt (Wst. T. V, 5) Wallenstein zu Seni, der die protestantischen Schweden als Heiden bezeichnet: „Schallt das Orakel daher?“ und Johanna (J. v. O. III, 9) zu dem schwarzen Ritter:
5) eine sich außer oder auch in uns selbst offenbarende Stimme; wie (Wst. T. III, 4), wo Wallenstein sagt:
oder (Picc. I, 4), wo Max von Wallenstein sagt:
|
|
|
|
||
|
© 1999-2007 Copyright by
Jürgen Kühnle Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de. |
||