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Opfer

nannte man im Alterthum eine religiöse Handlung, bei welcher einer Gottheit Gaben dargebracht wurden, um derselben Dank, Freude oder Unterwürfigkeit zu bezeugen. Der Heerd oder Altar, auf welchem das Opfer verbrannt wurde, war den Griechen ein heiliger Gegenstand, daher ruft der (2. B. d. Aen. 13 u. 29) genannte Sinon (ebendas. 26) den Opferheerd zum Zeugen an, daß er die Wahrheit spricht. Am häufigsten wurden Rinder oder Farren als Opfer dargebracht, die man auch wohl festlich zu schmücken pflegte; daher (2. B. d. Aen. 34):

„Es stand, den Opferfarren zu zerstücken,
Laokoon am festlichen Altare.“

Selbst Menschenopfer, wie das der Iphigenia (s. d.) hielt man bisweilen für nöthig, um die Gottheit zu versöhnen; indessen zeigte die glückliche Wendung, die solche Opfer nicht zur Ausführung kommen ließ, daß man auch schon im Alterthum ein wirkliches Verlangen nach Menschenblut den Göttern nicht gern zuschreiben mochte (vergl. Ged. D. Eleusische Fest; Str. 9), sondern der Ansicht huldigte, daß die fromme Gesinnung ihnen genüge. – Bildlich bezeichnet Don Carlos (D. C. V, 1) sich selbst als Opfer, indem er dem Marquis sagt, der ihn (IV, 16) hat gefangen nehmen lassen:

„O ja, mir däucht! ich weiß recht gut, wie sehr
Geblutet hat dein sanftes Herz, als du
Dein Opfer schmücktest zum Altar.“

und (ebendas. S. 386) sagt er von der Königin:

– – – – „Mußte sie
Das zweite Opfer sein?“

 
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