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Nemesis

gr. eig. der Unwille, die Entrüstung über etwas Unrechtes; in der Myth. die rächende oder strafende Göttin des Schicksals, eine Tochter des Erebus und der Nacht, auch die gerechte Vergelterin des Guten wie des Bösen. Sch. schildert sie (Ged. D. Kraniche d. Ibykus, Str. 19) als

– – – – „Die furchtbare Macht,
Die richtend im Verborgnen wacht,
Die unerforschlich, unergründet
Des Schicksals dunklen Knäuel flicht,
Dem tiefen Herzen sich verkündet,
Doch fliehet vor dem Sonnenlicht.“

Sie wird als Rachegöttin angerufen, wie (Phön.), wo Antigone über den verwegenen Kapaneus (s. d.) die Rache der Götter mit den Worten heraufbeschwört:

„O Nemesis und ihr, hohlbrausenden
Gewitter Jovis, und du loher Strahl
Des nachtumgebenen Blitzes! Zähmet ihr
Den Trotz, der über Menschheit sich versteiget!“

Bildlich heißt es von ihr (R. IV, 5), wo Moor an Spiegelberg’s Leiche steht: „O unbegreiflicher Finger der rachekundigen Nemesis“; und (V. a. v. E.) heißt es von einem fliehenden Verbrecher: „Die unerbittliche Nemesis hält ihren Schuldner an.“ – Eine wie große Bedeutung für Sch. die Hand der Nemesis hatte, läßt sich in seiner Erzählung: „Spiel des Schicksals“ verfolgen, deren innere Entwickelung ein tiefes psychologisches Interesse gewährt. – Die bildende Kunst der Alten stellte die Nemesis häufig mit einem Rade und einem Zügel dar, um sie als Verfolgerin des Frevlers und Bezähmerin des Uebermuths zu bezeichnen. Mit Beziehung hierauf heißt es (Ged. D. Tanz) von der Musik:

– – – – – „Es ist des Wohllauts mächtige Gottheit,
Die zum geselligen Tanz ordnet den tobenden Sprung,
Die der Nemesis gleich, an des Rhythmus goldenem Zügel
Lenkt die brausende Lust und die verwilderte zähmt.“

 
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