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Marschall

altd. wörtl. ein Pferdeknecht, später der Oberaufseher über den Kriegs- und Hofstaat eines Fürsten; daher (J. v. O. IV, 6) Stabträger, Aufseher und Anführer bei öffentlichen Festlichkeiten; endlich Krongroßmarschall (Dem. I.) einer der Kronbeamten (s. d.), wie auch Lordmarschall (M. St. IV, 2). – Der Marschall von Sachsen (R. III, 2) ist Moritz, ein illegitimer Sohn August’s II. (Kurfürsten von Sachsen und König von Polen) und der Gräfin Aurora v. Königsmark. Nach zahlreichen politischen Abenteuern trat er in die Dienste Ludwig’s XV. von Frankreich und erfocht den Franzosen ihren einzigen großen Sieg über die Engländer bei Fontenoy 1745; daher bezeichnet man ihn in Frankreich noch gegenwärtig einfach als „le Maréchal de Saxe“. Er war also der Held der Zeit, ein Typus der geistreichen aber auch sittenlosen Edelleute jener Tage, gewissermaßen der Alcibiades des 18. Jahrhunderts. K. v. Weber hat sein Leben beschrieben, französisch und vielfach erweitert ist die Biographie von Taillandier. Das Scribe’sche Stück „Adrienne Lecouvreur“ giebt eine Vorstellung von ihm, wie von dem Treiben jener Zeit überhaupt.

 
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