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Bildende und redende KünsteDer Mensch, als das höchste und vollkommenste Wesen der Natur, ist nicht darauf angewiesen, in Abhängigkeit von der letzteren mit ihr allein zu verkehren, sondern er kann sich ihr auch gegenüberstellen. Und zwar thut er dies durch eine von seinem Geiste ausgehende Fertigkeit, welche bestrebt ist, etwas Selbständiges hervorzubringen und für Andere darzustellen. Den Stoff zu solchen Darstellungen empfängt er von der Natur und Geschichte und bildet ihn allerdings nach Naturgesetzen um; indessen ist die Kunst ihrem Wesen nach als Darstellung des Inneren zu betrachten, das nur an einem bereits gegebenen Stoffe zur Erscheinung gebracht wird. Die einzelnen Künste sind nun theils mechanische, die einem bestimmten, außerhalb der schaffenden Thätigkeit liegenden Zwecke dienen; theils freie, die in ihrer Aeußerung selbst ihren Zweck und zugleich wahren Genuß finden. Die Werke der letzteren sind als Erzeugnisse eines begeisterten Gemüths zu betrachten und müssen durch sich selbst gefallen. Entsprungen aus dem Bedürfniß des Menschen, die Ideale seiner Phantasie in würdigen Formen darzustellen, ist ihr höchster Zweck die Schönheit, die also in nichts Anderem besteht, als in der Vereinigung des Sinnlichen mit dem Idealen. Somit ist die schöne Kunst nichts Anderes als freie Darstellung des Schönen in selbständigen, anschaubaren Werken. Die Darstellungsmittel der schönen Künste, mit denen es Sch. (H. d. K.) allein zu thun hat, gründen sich natürlich auf die Empfindungen der edleren oder der Schönheitssinne, vermittelst deren wir äußere Formen mit Vergnügen wahrnehmen. Es sind dies Gesicht und Gehör, weshalb man die schönen Künste gewöhnlich in bildende und tönende eintheilt, oder wie Sch. in „die drei bildenden“ (Architectur, Sculptur und Malerei) und „die vier redenden und musikalischen“ (Poesie, Musik, Tanz und Schauspielkunst). In Betreff der Poesie ist zu bemerken, daß man sie, weil sie sich der Sprache bedient, früher fälschlich zu den schönen Wissenschaften rechnete, die es aber nicht mit der Darstellung als solcher, sondern nur mit dem Bewußtsein über die Gesetze derselben zu thun haben; Sch. weist ihr daher hier die richtige Stelle an. In Betreff des Tanzes ist daran zu erinnern, daß die höhere Tanzkunst, wie sie von der Bühne gepflegt wird, es wesentlich mit der Mimik oder Geberdensprache zu thun hat. |
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