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Jerusalem

(J. v. O. Prol. 3), die Hauptstadt von Palästina, war, bald nachdem Muhamed im J. 622 seine neue Lehre gestiftet, in die Hände der Araber gefallen, welche gleich darauf das ganze nördliche Afrika siegreich durchzogen und 711 unter Tarik über die Meerenge von Gibraltar gingen. Die spanische Halbinsel ward hierauf bald eine Beute der Araber, die nunmehr auch die Pyrenäen überschritten und das südliche Frankreich verwüsteten. Hier aber trat ihnen Karl Martell entgegen, schlug sie 732 in der Ebene zwischen Poitiers und Tours und trieb sie aus Frankreich heraus; daher sagt Johanna: „Hier scheiterte der Heiden Macht“. Man könnte damit auch eine Erinnerung an den Hunnenkönig Attila verbinden, der 451 bei Chalons-sür-Marne geschlagen wurde. – Mit den folgenden Worten: „Hier war das erste Kreuz, das Gnadenbild erhöht“ ist die von dem Bischof Eusebius berichtete Legende über die wunderbare Erscheinung gemeint, welche dem Kaiser Constantin d. Gr. im J. 312 zu Theil wurde, als er sich zu einem Zuge gegen Maxentius rüstete. Ehe er von Gallien aus über die Alpen ging, soll ihm in der Mittagsstunde unterhalb der Sonne ein flammendes Kreuz mit der Inschrift erschienen sein: „In hoc signo vinces“ (In diesem Zeichen wirst Du siegen). In der folgenden Nacht, berichtet die Legende weiter, erschien ihm Christus im Traume und befahl ihm, fortan ein Panier in der Gestalt des erschienen Kreuzes zu führen. Dies geschah, und sein Gegner wurde bald darauf besiegt. In Folge dessen soll sich Constantin dem Christenthum zugewandt haben, unter dessen Bekennern Viele von jener Zeit an Wallfahrten nach Jerusalem unternahmen, bis dasselbe i. J. 1076 von den Seldschucken erobert wurde. Zwanzig Jahre später wurde in Folge der Predigt des Peter von Amiens der erste Kreuzzug zur Befreiung des heiligen Grabes unternommen. Solche Kreuzzüge, deren die Geschichte zwischen 5 und 7 zählt, bildeten zwei Jahrhunderte (von 1096 an) hindurch die Idee, welche alle Gemüther beherrschte, so daß sie jener Zeit gewissermaßen den Stempel aufdrückten. Die letzten bedeutenden Unternehmungen zur Befreiung Jerusalems waren die eines französischen Königs, nämlich Ludwig’s IX., des Heiligen (1226-70), der in Folge eines Gelübdes, das er gethan, im Jahre 1248 auszog und Damiette in Aegypten eroberte. Er selbst that Wunder der Tapferkeit, gerieth indessen in Gefangenschaft und kehrte erst 1254 nach Frankreich zurück. Im Jahre 1270 endlich unternahm er einen abermaligen, den letzten Kreuzzug. Er ging nach Afrika, belagerte Tunis, wurde aber hier das Opfer einer ansteckenden Krankheit, die zugleich den größten Theil seines Heeres hinraffte. Sein Leichnam wurde nach Frankreich zurückgeführt, er selbst aber 1297 von Bonifaz VIII. heilig gesprochen; daher Johanna’s Worte: „Hier ruht der Staub des heil’gen Ludwig“.

 
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