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Iphigenie in Aulis(Bd. 3), nach dem Griechischen des Euripides. Im Herbste des Jahres 1787 war Sch. von Bauerbach, dem Wohnorte seiner verheiratheten Schwester, nach Rudolstadt gegangen, wo ihn sein Jugendfreund Wilh. v. Wollzogen bei der Familie von Lengefeld einführte. Dort fühlte er sich so wohl und behaglich, daß er im Mai des nächstfolgenden Jahres nach Volkstädt zog, einem Dorfe, das von Rudolstadt nur eine halbe Stunde entfernt liegt. Hier konnte er ruhig arbeiten und zugleich des Umganges mit der Lengefeld’schen Familie genießen. Die Unterhaltung in diesem Kreise bestand häufig in gemeinsamer Lectüre, für welche man unter andern das Théâtre grec von Brumoy, eine französische Uebersetzung griechischer Schauspiele, benutzte. Sch. fühlte sich besonders durch die Stücke des Euripides (s. d.) angezogen und ging daher gern auf die Bitte der beiden Schwestern v. Lengefeld ein, einige dieser Stücke zu übersetzen, damit ihnen der volle Genuß dieser dramatischen Werke zu Theil werden möge. Als er im Jahre 1789 nach Weimar zurückgekehrt war, als er die Alten fleißiger, in denen ihm eine ganz neue Welt aufging, da seine Jugendbildung ihn mit denselben nicht bekannt gemacht hatte. Zudem war damals Goethe’s Iphigenie erschienen, und Sch. fühlte sich bald von der harmonischen und maßvollen Haltung des reinen antiken Geistes so wohlthuend angeweht, daß er die erbetene Arbeit mit innigem Vergnügen unternahm. In seinen Briefen äußert er sich selbst darüber, „daß ihm der Euripides ein hohes Vergnügen gewähre, daß es ihn besonders interessire, den Menschen sich ewig gleich zu finden, „dieselben Leidenschaften, dieselben Collisionen der Leidenschaften, dieselbe Sprache der Leidenschaften; und bei der unendlichen Mannigfaltigkeit doch diese Aehnlichkeit, diese Einheit derselben Menschenform.“ Da Sch.’s Kenntniß des Griechischen nicht ausreichte, um den Euripides in der Ursprache zu lesen, so benutzte er eine wörtliche lateinische Uebersetzung und zugleich die französische von Brumoy und Prévôt. Bei der Beurtheilung seiner Uebersetzung darf man nicht außer Acht lassen, daß sie zunächst für seine jungen Freundinnen geschrieben war, in deren Interesse er den antiken Inhalt der modernen Auffassungs- und Empfindungsweise möglichst zu nähern und ihm zugleich das Gepräge seines Geistes zu geben suchte. Es ist somit der Inhalt zwar durchaus der des Originals, die Wirkung jedoch eine ganz andere. Die Uebersetzung erschien zuerst in dem 6. und 7. Hefte der Zeitschrift Thalia (1789). Was den Inhalt des Stückes betrifft, so ist derselbe nichts Anderes als eine dramatische Bearbeitung einer Episode des trojanischen Krieges (s. Troja). Als nämlich eine Flotte von 1200 Schiffen im Hafen von Aulis versammelt war, konnte dieselbe eines widrigen Windes wegen lange nicht auslaufen. Da verkündete der Seher Kalchas, daß der Grund dieses Hindernisses in dem Mißfallen der Götter läge, die nicht anders zu versöhnen seien, als wenn Agamemnon, der Anführer des griechischen Heeres, seine Tochter Iphigenia, der Göttin Artemis, der Schützerin von Aulis, zum Opfer brächte. Nach längerem Widerstreben von Seiten der Angehörigen Iphigenien’s erklärte diese sich endlich selbst bereit, für ihr Vaterland zu sterben, wurde indessen der Sage nach, als das Opfer stattfinden sollte, durch Artemis in einer Wolke entrückt. |
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