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Horen

(Myth.), die Stunden- oder Zeitgöttinnen, waren Töchter des Zeus und der Themis. Bei Homer (Il. 5, 749; Od. 24, 344) erscheinen sie als Luftgöttinnen und Dienerinnen des Zeus, welche Wolken sammeln und zerstreuen; zugleich aber wurden sie als Göttinnen der Jahreszeiten betrachtet; Zahl und Namen werden verschieden angegeben. Die spätere Zeit vermehrte ihre Zahl, zunächst, um die vier Jahreszeiten, dann aber auch, um die verschiedenen Tagesstunden zu bezeichnen. Die bildende Kunst stellt die Horen als reizende Jungfrauen dar, welche die verschiedenen Erzeugnisse der Jahreszeiten als Attribute in den Händen tragen; oder auch, wie sie, leicht geschürzt und einander die Hände reichend, einen Cirkeltanz ausführen. Daher (Ged. Klage d. Ceres):

„Führt der gleiche Tanz der Horen
Freudig nun den Lenz zurück.“

Die Griechen gaben ihnen Kronen von Palmblättern und Kränze; daher heißt es von der Stimme der Glocke (Ged. D. Glocke), daß sie die Stunden verkünden soll:

„Und führen das bekränzte Jahr.“

Außer dem regelmäßigen Zeitenwechsel und den davon abhängenden irdischen Gaben der Natur gewähren die Horen zugleich Gesetzlichkeit und begründen durch Arbeit und Thätigkeit die Wohlfahrt der Menschen. Deshalb sind sie dem Dichter zunächst ein Vorbild desjenigen, der die Zeit zu nützen bemüht ist, wie (Ged. D. Eleusische Fest):

„Und die leichtgeschürtzen Stunden
Fliegen an’s Geschäft gewandt.“

desgleichen ein Symbol desjenigen, unter dessen Händen sich ein Werk ruhig und allmälig vollendet, wie (Ged. D. Gunst des Augenblicks):

„Langsam in dem Lauf der Horen
Füget sich der Stein zum Stein.“

Da sie dem Dichter liebe und treue Begleiterinnen sind, so beklagt er (Ged. Poesie des Lebens) natürlich den trockenen Realisten, denn diesem „ruhn der Horen Tänze“; während sie seiner eigenen Person nur das Bild der Flüchtigkeit der Zeit vorführen, weshalb er (Ged. Sängers Abschied) von seinen Liedern sagt:

„Des Augenblickes Lust hat sie geboren,
Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.“

Mit dem Namen Horen (Ged. D. Antike an den nordischen Wanderer. Anm.) bezeichnete Sch. auch eine Zeitschrift, die er seit dem Jahre 1794 herausgab, in Folge deren er in nähere Verbindung mit Goethe trat und zugleich eine neue Epoche seines Lebens und seiner Poesie vorbereitete.

 
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