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Hero und Leander (Gedicht)Zum Gedicht Hero und Leander. Den Stoff zu dieser Ballade, welche im Jahre 1801 gedichtet wurde, hat Sch. nach Viehoff’s Angabe vermuthlich zunächst Ovid zu verdanken, welcher diesen Gegenstand in zwei sogenannten Heroïden (s. Epistel) behandelt, die die beiden Liebenden aneinander schreiben. Außerdem kann ihm auch ein Gedicht des griechischen Grammatikers Musäos bekannt gewesen sein, in welchem derselbe Gegenstand sehr ausführlich behandelt ist. Diesem Gedichte zufolge war Hero eine Priesterin der Aphrodite. Bei einem Feste, welches zu Ehren dieser Göttin gefeiert wurde, waren Jünglinge und Mädchen von nah und fern herbeigeströmt. Unter den ersteren befand sich auch ein Jüngling aus Abydos mit Namen Leander, dessen Blicke vor Allem durch die erhabene und anmuthige Gestalt der Priesterin gefesselt wurden. Lange kämpften Scheu und Liebe in seiner Brust, bis er endlich bemerkte, daß auch Hero, durch seine feurigen Blicke verwirrt, in einen heftigen Kampf gerieth und ihr Antlitz zu verbergen suchte. Schnell reifte des Jünglings Liebe zu kühnem Entschluß. Als Hesper mit seinem sanften Strahle das Dunkel des Abends durchleuchtete, schlich er zum Tempel und zog das nur schwach sich sträubende Mädchen in dessen dunklere Hallen. Hier gewann er ihr Herz, nannte ihr seinen Namen und versprach ihr, die Wogen des Hellesponts zu durchschwimmen, wenn sie ihn mit ihrer Liebe belohnen wolle. Sie gewährte ihm seine Bitte und versprach, auf dem Thurme des Schlosses von Sestos eine Fackel anzuzünden, die ihm als Leuchte dienen sollte. So schwamm er von Abydos oft zu seiner Geliebten hinüber, bis in einer Nacht die herbstlichen Stürme losbrachen, so daß Hero’s Leuchte erlosch. Leander versank in die Fluthen, und als am nächsten Morgen sein zerschmetterter Leichnam an das Ufer gespült ward, da stürzte sich auch Hero zu ihm hinab, und der Tod vereinte die beiden Liebenden. – Von vorstehender Erzählung ist der Dichter insofern abgewichen, als er über Hero’s Stand als Priesterin vollständig schweigt, weil er sonst den Tod der beiden Liebenden als eine von Aphrodite verhängte Strafe für die begangene Untreue hätte darstellen müssen. In unserer Ballade ist die Grundidee in dem Gegensatze zwischen der Gewalt der Liebe und der schreckensvollen macht des blinden Elementes zu suchen, zweien Erscheinungen, bei deren Schilderung der Dichter mit besonderer Liebe verweilt. – Str. 1. Die beiden alten Dardanellenschlösser liegen an dem schmalsten Theile der Meerenge, wo diese etwa 7 Stadien (2500 Fuß) breit ist. Sie wurden nach der Eroberung Constantinopels von Muhamed II. angelegt, um die Straße zu schützen. – Str. 4 erinnert an bekannte Züge von hülfreichem Entgegenkommen, wie sie sich in der Liebe Ariadne’s zu Theseus, in der Zuneigung Medea’s zu Jason offenbaren; desgleichen an Orpheus, welchen die Liebe selbst zum Orkus hinab trieb, um seine Gattin Euridice zurückzuholen. – Str. 9. Zur Zeit der Herbst-Tag- und Nachtgleiche tritt die Sonne in das Sternbild der Wage. V. 5. Die Alten glaubten, daß die Sonnenrosse gegen Abend, wo sie nach dem Ocean hin, und zwar am Himmelsgewölbe sich senkend, zur Ruhe gingen, gleich den irdischen Rossen mit größerer Eile davon jagten. – Str. 10 ist nicht an Thetis, die Flußnymphe, sondern an Tethys (s. d.), die Meergöttin zu denken. Sie werden mitunter verwechselt. – Str. 11. Mit der Anrede: „Schöner Gott“ ist Poseidon und zugleich das Meer selbst gemeint. – Str. 17. Die elliptischen Bedingungssätze. „Wenn die Götter etc. fordern den Leser zur Hinzufügung einer Ergänzung auf, etwa: O, wie schrecklich für mich! Aehnliches in der Glocke: „Wenn der Guß mißlang etc.“ – Str. 21. Venus, die Schaumgeborene, hatte auch eine gewisse Gewalt über das Meer; Seereisende pflegten sie daher in Zeiten der Noth um Rettung anzuflehen. |
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