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Hérakles

(Myth.), bei den Römern Hércules, als Enkel des Alkäos auch Alkídes, abgek. Alcíd (Ged. Das Ideal und das Leben – Ph. II, 2), genannt, war der Sohn des Zeus und der Alkmene, der Gemahlin des Amphitryon, dessen Gestalt Zeus annahm, um das jugendliche Weib zu überlisten. Als die Zeit der Geburt kam, schwur Zeus den Göttern, daß der Knabe, der heut aus dem Geschlechte des Perseus (aus welchem Amphitryon stammte) werde geboren werden, dieses ganze Geschlecht beherrschen solle. Juno aber, des Zeus Gemahlin, suchte diesen zu überlisten, indem sie die Entbindung der Alkmene verzögerte (vergl. Here, Lucina). Zugleich eilte sie nach Argos, wo sie die Entbindung der Nikippe um zwei Monat verfrühte, so daß der schwächliche Eurystheus (gleichfalls aus dem Geschlechte des Perseus) nun früher als Hercules geboren wurde. – Indessen mußte der Schwur des Zeus doch erfüllt werden, und der starke Hercules wurde (Ged. Das Ideal und das Leben)

„Tief erniedrigt zu des Feigen Knechte“,

d. h. wurde der Knecht des schwachen Eurystheus, der ihm unter andern Arbeiten auch die Tödtung des nemeischen Löwen und der lernäischen Hydra (s. d.) auftrug. Der Befreiung der Alceste, der Gemahlin Admets (s. d.), unterzog er sich freiwillig, indem er den Kahn des Charon bestieg und sie aus der Unterwelt herauf holte; daher heißt es (Ged. Die Götter Griechenlands, Str. 11):

„Vor dem Wiederforderer der Todten
Neigte sich der Götter stille Schaar.“

Außerdem that Hercules noch viele andere gewaltige Thaten und dehnte, nach der Sage, seien Züge bis an das damalige Ende der Erde, die Meerenge von Gibraltar aus, wo er auf den Bergen Calpe und Abyla zwei Säulen als Grenzsteine seiner Wanderungen errichtet haben soll. Diese Meerenge wurde daher im Alterthum oft die Säulen des Hercules genannt, wie denn auch (Ph. IV, 2) Theseus zu Hippolyt sagt:

„Und gingst du weiter als bis Herculs Säulen.“

Hercules bewarb sich um die schöne Deïaníra, die Tochter des Oeneus, die ihm auch zu Theil ward. Als er aber einst auf einem seiner Züge über den Fluß Evenus mußte, ließ er zunächst seine Gattin durch den Centauren Nessus übersetzen. Mitten auf dem Flusse wollte derselbe ihr schimpfliche Gewalt anthun. Da griff Hercules nach seinem Geschoß und tödtete das Ungeheuer mit einem vergifteten Pfeile. Der sterbende Centaur rieth der Deïaníra, sie möge etwas von seinem Blute auffangen, das werde ein Mittel sein, ihr die Liebe ihres Gatten zu bewahren. Als nun Hercules bald darauf bei einem Siegeszuge ein Festkleid brauchte, sandte er zu seiner Gattin, die ihm ein Gewand schickte, welches sie mit dem Blute des Centauren bestrichen hatte. Kaum hatte Hercules es angelegt, so fing das Gift an zu wirken und verursachte ihm so heftige Schmerzen, daß er rasend wurde. Alle Mittel, sich von dem unheilvollen Gewande zu befreien, waren vergebens; er riß mit demselben sein eigenes Fleisch in Stücken herunter. Da ließ er sich auf dem Gipfel des Oeta einen Scheiterhaufen errichten, auf dem er sich selbst verbrannte. Von hier nahm ihn eine Wolke auf und führte ihn unter mächtigem Donner gen Himmel, wo die zürnende Here sich mit ihm versöhnte und zugleich seine Vermählung mit der jugendlichen Hebe vollzogen ward. Vergl. die beiden letzten Strophen des Gedichtes: Das Ideal und das Leben. – Der Name Hercules umfaßte mehrere nicht bloß griechische, sondern auch phönicische Göttergestalten; mit den Phöniciern wanderte er überall hin, wo dieselben Colonien anlegten, und so wurde auch eine Stadt im südlichen Italien nach ihm benannt; daher (Ged. Pompeji und Herculanum): „Hercules Stadt“. Daß ein solches Muster eines Helden schon im Alterthum zum Sprüchwort werden mußte, liegt nahe; daher heißt es denn auch (Ph. I, 1) in Beziehung auf Theseus:

„Wenn du den kühnen Helden mir beschriebst,
Wie er der Welt den Hercules ersetzte.“

und (Ph. I, 1):

– – – – – „Kann man
Sich auf der Bahn des Hercules verirren?“

Dasselbe gilt natürlich auch noch für die Gegenwart. So nennt Schweizer (R. III, 2) den jungen Kosinsky einen Hercules, und (Sp. d. Sch.) bezeichnet Sch. die Gestalt eines Fürsten als „das volle Bild blühender Gesundheit und herculischer Stärke“. Bildlich wird endlich der englische Dramatiker Shakespeare (Ged. Shakespeare’s Schatten) mit dem Namen des großen Helden bezeichnet:

„Endlich erblickt’ ich auch die hohe Kraft des Herakles.“

Daß die bildende Kunst Scenen aus dem Leben des Hercules häufig darstellt, ist bekannt. Daher sagt (F. II, 17) der Maler Romano: „Zu Florenz steht mein sterbender Hercules.“ Als Attribut pflegen die Künstler ihm die Keule beizugeben. Auch diese wird Sch. zum Symbol, indem er von schwachen Geistern, welche die Handlungen großer Helden bekritteln (R. I, 2), sagt: „Da krabbeln sie nun, wie die Ratten auf der Keule des Hercules.“

 
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