Friedrich
Schiller

www.wissen-im-Netz.info

Lexikon - H

Homepage
   Literatur
      Friedrich Schiller
         Lexikon
            H

Heinrich VIII.

(M. St. I, 7), der Sohn Heinrich’s VII. aus dem Hause Tudor, regierte von 1509-1547. Seine Schwester Margarethe war an König Jakob IV. von Schottland vermählt, dessen Sohn, Jakob V., Maria Stuart’s Vater war. Daher nennt diese Heinrich VIII. ihren „Großohm“. Heinrich VIII. war eine leidenschaftliche, despotische Natur, gegen deren eisernen Willen das Parlament sich völlig unselbständig und machtlos verhielt; daher sagt M. St. zu Lord Burleigh:

„Ich sehe diesen hohen Adel Englands,
Des Reiches majestätischen Senat,
Gleich Sclaven des Serails den Sultanslaunen
Heinrich’s des Achten, meines Großohms, schmeicheln.“

Als eifriger Katholik schrieb Heinrich gegen Luther eine lateinische Streitschrift zur Vertheidigung des Ablasses und der sieben Sacramente; da der Papst ihn aber von seiner Gemahlin Katharina, der Tochter des Königs Ferdinand von Aragonien, nicht scheiden wollte, so sagte er sich von ihm los und ließ mit Zustimmung des Parlaments seine Ehe durch den Erzbischof Cranmer trennen, worauf er sich mit Anna von Boleyn (M. St. III, 4 A. v. Boulen) vermählte. In Beziehung auf die kirchlichen Angelegenheiten verfuhr er durchaus selbständig; er ließ sich von allen Geistlichen den von ihm eingeführten Supremateid leisten, wodurch er sich für das Oberhaupt der englischen Kirche erklärte; die Klöster wurden eingezogen und Katholiken wie Protestanten hingerichtet, wenn sie die von dem Bischof Gardiner mit Zustimmung des Parlaments aufgestellten sechs Glaubensartikel nicht beschwören wollten. Gleich gewaltsam und willkürlich verfuhr er in Beziehung auf seine eigenen Familienangelegenheiten. Von seinen sechs Gemahlinnen ließ er zwei, Anna Boleyn und Katharina Howard enthaupten, von den drei übrigen sich scheiden; eben so erklärte er seine Töchter Maria aus der ersten und Elisabeth aus der zweiten Ehe für unfähig zu regieren; und zu dem Allen hatte das Parlament seien Zustimmung zu geben, daher sagt Maria Stuart (ebendas.):

„Ich sehe dieses edle Oberhaus,
Gleich feil mit den erkäuflichen Gemeinen,
Gesetze prägen und verrufen, Ehen
Auflösen, binden, wie der Mächtige
Gebietet, Englands Fürstentöchter heute
Enterben, mit dem Bastardnamen schänden
Und morgen sie zu Königinnen krönen.“

Auf Heinrich VIII. folgte sein Sohn Eduard VI. (1547-1553) aus seiner dritten Ehe mit Johanna Seymour, obwohl Heinrich den Beschluß der Regierungsunfähigkeit seiner beiden Töchter zurückgenommen hatte. Nachdem unter Eduard VI. der Erzbischof Cranmer die Reformation geleitet, bestieg Heinrich’s VIII. älteste Tochter Maria (1553-1558) den Thron, welche die katholische Kirche wieder herstellte und Cranmer und viele andere Protestanten verbrennen ließ. Ihr folgte Heinrich’s zweite Tochter Elisabeth (1558-1603), die sich gleich nach ihrer Thronbesteigung den Supremateid leisten ließ und somit die Begründerin der bischöflichen oder Hochkirche in England wurde. Mit Beziehung auf diesen schnellen Wechsel der Regierungen sagt M. St. (ebendas.):

„Ich sehe diese würd’gen Peers mit schnell
Vertauschter Ueberzeugung unter vier
Regierungen den Glauben viermal ändern.“

 
Google
© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.