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gothisch(W. T. II, 1). „Ein gothischer Saal.“ Die Baukunst als Kunstthätigkeit war den Deutschen bis zu Karl dem Großen unbekannt geblieben. Der Baustil, welchen er aus Italien mit nach Deutschland brachte, war der, auf welchen später die arabische Kunst Einfluß gewann. Hieraus entwickelte sich, gestützt und getragen durch den romantischen Geist des Mittelalters, ein Baustil, den man eine Zeitlang schimpfweise den gothischen nannte, weil man der Ansicht war, nur rohe Barbaren wie die Gothen hätten solche Bauwerke hervorbringen können. Später aber ist dieser Name wieder zu Ehren gekommen, außer ihm bedient man sich auch der Benennungen „deutscher, germanischer oder Spitzbogenstil“. Der wesentliche Charakter dieses Baustils, wie er sich besonders in den prächtigen Münstern verschiedener Städte Deutschlands und der Nachbarländer ausbildete, besteht in schlanken Säulenbüscheln, deren sich immer mehrere aneinander schmiegen, wie die Stämme eines Hains, in dessen Schatten die alten Teutonen ihre Altäre zu errichten pflegten. Auf diese Weise zeigt die gothische Baukunst weniger selbständige Schönheit als symbolische Beredsamkeit, so wie Erhabenheit und Würde. – Ausführliches über diesen Gegenstand findet sich in W. Lübke, Grundriß der Kunstgeschichte, Stuttgart, Ebner u. Seubert. 1864. S. 373-456. |
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