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Der Graf von Habsburg (Gedicht)

Zum Gedicht: Der Graf von Habsburg.

Diese letzte unter Sch.’s Balladen entstand im Jahre 1803, als er mit den Vorstudien zum Tell beschäftigt war. Als seine Quelle führt er selbst in einer Anmerkung Tschudi an, welcher die Begebenheit in seinem Chronicon helveticum unter dem Jahre 1266 mittheilt, wo Rudolf von Habsburg mit dem Abt Berchtold von St. Gallen um einiger Lehngüter willen in Streit lag. Als nämlich der Graf sich auf der Jagd befand, traf er einen Priester, der zu einem Kranken gehen wollte, um ihm das Sacrament zu reichen. Da der Bach aber angeschwollen und der Steg fortgerissen worden war, so überließ Rudolf ihm sein Pferd, welches der Priester am nächsten Morgen zurückbrachte, wo er es von dem Grafen zum Geschenk erhielt. Mit frommen Segenswünschen verließ ihn der Priester, die auch am nächsten Tage von einer Klosterfrau wiederholt wurden, welcher der Graf zufällig begegnete. Der Priester wurde später Kaplan bei dem Erzbischof von Mainz, dem er den Vorfall mittheilte. eben so erfuhren ihn mehrere andere vornehme Herren, so daß die Sache bald allgemein bekannt wurde. Auch weiß man, daß der Erzbischof von Mainz bei der Kaiserwahl seinen ganzen Einfluß geltend machte, um die Aufmerksamkeit der Fürsten auf Rudolf von Habsburg zu lenken. – Dieser Quelle ist der Dichter im Ganzen treu geblieben; nur sind die Scenen bei dem Kaisermahl zu Aachen, so wie die Uebereinstimmung des daselbst auftretenden Sängers mit jenem Priester als seine Erfindung zu betrachten. Durch diese Einkleidung gelang es ihm, die ursprüngliche Prophezeihung und die nachmalige Erfüllung derselben in ein wohl abgerundetes Bild zusammenzudrängen. Die dem Gedichte zu Grunde liegende Idee ist die christliche Demuth, welche sich in der Ehrfurcht vor dem Heiligen offenbart und durch das Walten der göttlichen Vorsehung mit irdischem Glücke belohnt wird, eine Vorstellung, welche der christlichen Denkweise des deutschen Volkes durchaus entspricht und unserer Ballade einen weiten Kreis von Verehrern erworben hat.

Str. 1. Das Krönungsmahl fand im Jahre 1273 am Allerheiligenabend zu Aachen statt, welches bis zu Maximilian II. (1564-76) Krönungsstadt blieb. Die sieben Kurfürsten, von denen Jeder ein Hofamt bei der Krönung bekleidete, waren: 1) der Erzbischof von Mainz als Erzkanzler; 2) der Erzbischof von Trier als Kanzler von Burgund; 3) der Erzbischof von Köln als Kanzler von Italien; 4) der Pfalzgraf am Rhein als Truchseiß; 5) der Herzog von Sachsen-Wittenberg als Marschall; 6) der Markgraf von Brandenburg als Kämmerer; 7) der König von Böhmen als Mundschenk. – In Beziehung auf den letzteren weist Sch. in der dem Gedichte beigefügten Anmerkung darauf hin, daß derselbe bei der Krönung nicht zugegen war. Ottokar von Böhmen hatte die Wahl Rudolf’s nicht gebilligt und blieb ihm auch ferner feindlich gesinnt, bis er 1278 in der Schlacht auf dem Marchfelde fiel. – Was die sieben Planeten betrifft, so kannte man zu Sch.’s Zeiten nur: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn und Uranus. Die Asteroïden und Neptun sind erst im Laufe unseres Jahrhunderts entdeckt worden. – Str. 2. „Die kaiserlose, die schreckliche Zeit“ ist das Interregnum, welches mit dem Tode Konrad’s IV. 1254 begann. Die Ausländer: Wilhelm von Holland, Alphons von Castilien und Richard von England, welche während dieser Zeit auf den deutschen Kaiserthron berufen wurden, haben sich wenig oder gar nicht um Deutschland bekümmert. – Str. 11. Die sechs Töchter Rudolf’s wurden nachmals alle an Fürsten vermählt: 1) Mechtild mit Ludwig, Pfalzgrafen des Rheins und Herzog von Baiern; 2) Agnes mit Albrecht, Herzog von Sachsen; 3) Hedwig mit Otto, Markgrafen von Brandenburg; 4) Katharina mit Otto, Herzog von Baiern, später König von Ungarn; 5) Gutta mit Wenzel, König von Böhmen, dem Sohne Ottokar’s; 6) Clementia mit Karl Martell, Erbprinzen von Sicilien, später König von Ungarn.

 
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