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Geisterseher

Das 18te Jahrhundert, die Zeit der Aufklärung, der wir in unserer Vorstellung oft zugleich einen Zopf anhängen, war durch einen natürlichen Gegensatz zugleich das Zeitalter des ärgsten Aberglaubens, über den, wie die Periode des Tischrückens beweist, auch ein noch aufgeklärteres Jahrhundert nicht ganz hinweggekommen ist. Vielleicht liegt es daran, daß der Mensch aus Denken und Empfindung gemischt ist, und daß die trübenden Mächte des persönlichen Gefühles oder gar der Leidenschaft die vollständige Klarheit des ersteren in der Masse der Menschheit nie vollständig werden durchbrechen lassen. Der Mensch ist ferner ein Einzelwesen und sich selbst ein Geheimniß; aber die Fesseln der Endlichkeit, welche auch der höchste Gedanke – zu dem so wenige berufen sind – nie ganz lösen wird, sind ihm vollkommen unerträglich und er sehnt sich, das Unendliche, dessen jenseitige Wirklichkeit er voraussetzt, von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Auch wird den Fragen, die das Leben und den Tod überbrücken möchten, kaum irgend Jemand ganz ausweichen, am wenigsten vielleicht derjenige, der ihre Berechtigung am heftigsten verneint. Es gehört endlich zum Adel des menschlichen Gemüthes, daß es im Sinnlichen und im Unvollkommenen unbefriedigt bleibt. Je weniger nun Kraft des Charakters und stets geübt sittliche Herrschaft über die sinnlichen Triebe einem Menschen eigen ist, je mehr in Folge der Ziellosigkeit des geistigen Lebens und der Unreinheit, die in machtloser Reue erstickt, das Herz trübe und der Sinn umdunkelt wird („reine Herzen schauen Gott“), desto mehr wird eine von unserm Dichter so meisterhaft geschilderte Unruhe verzehrend in ihm auftreten. Der Wunsch, durch irgend ein materiell gewisses Schauen ewiger Mächte zur vergebens erjagten inneren Befreiung zu kommen, dem inneren blutsaugenden Dämon zu entrinnen, wird zuletzt so mächtig werden, daß entweder, je nach der Erregbarkeit des Leidenden, Hallucinationen, für den Augenblick wohlthätig lösend, sich einstellen werden, oder der blinde Glaube dem Betrüger in die Arme fallen wird, der da versichert, den Schlüssel zur jenseitigen Welt der Geheimnisse zu besitzen.

Der oft dürren Nüchternheit des Jahrhunderts stellte sich, mit brennendem Durste, der Wunsch nach Ausfüllung des Gemüthes gegenüber und fand natürlich auch bald, was er suchte. Eine Reihe von Abenteurern trat auf, die sich für Geisterbanner und Goldmacher ausgaben. Solche hat es seit den ältesten Zeiten gegeben; Sch. erwähnt die Geheimnisse der jüdischen Kabbala (p. 38), den Apollonius von Tyana (p. 37), den Gabalis (p. 43) (s. d.). Denn mit der Geisterwelt in Verbindung zu stehen, war „ehedem die Lieblingsschwärmerei“ auch des Helden unseres Romanes gewesen (p. 14), wenn ihm die Möglichkeit des Wunders bewiesen wird, „so will er alle seine fürstlichen Hoffnungen für eine Mönchskutte abtreten“ (p. 5). Der berühmteste jener Abenteurer des 18. Jahrhunderts ist der Sicilianer Joseph Balsamo, genannt Cagliostro, der in Paris eine Zeit lang eine bedeutende Rolle spielte (s. über ihn Goethe’s Italienische Reise), ein Mensch, der aber jedenfalls mehr war als Sch.’s Sicilianer und dem eine höchst eigenthümliche, dämonisch wirkende Persönlichkeit zu Gebote gestanden haben muß . Ein anderer war der sogenannte Graf von St.-Germain, dessen Leben E. M. Oettinger romanhaft und in toller Laune, doch mit genauer Kenntniß des Gegenstandes zusammengestellt hat. Ihm gehört besonders die freche Behauptung materieller Unsterblichkeit, ein Zug, den auch Sch. (p. 35) dem Armenier leiht und der vielleicht aus pythagoräischen Träumen des Alterthumes herüber gekommen ist. Mit mehr Tiefe traten ähnliche Tendenzen im Magnetismus und der Phrenologie auf, die, von Mesmer und Gall vertreten, ebenfalls in Paris ungeheure Aufnahme fanden und noch heute nicht verklungen sind. Auch Träume einer vollständigen religiös-politischen Umwälzung traten damit in Verbindung, wie sie sich an Weißhaupt und seinen Illuminatenorden knüpfen. Es ist bekannt, daß solche geistersehenden Bestrebungen, als Grundlage für alle möglichen Intriguen, sich auch an große deutsche Höfe gefahrbringend gedrängt hatten. Palleske hat also Recht, wenn er II, 40 sagt: „Der Stoff lag in der Luft.“

Der religiösen Nüchternheit trat dann eine doppelte praktische Tendenz gegenüber, erstens in dem von Varnhagen von Ense, in seinem Leben des Grafen Zinzendorf, so meisterhaft geschilderten protestantischen Pietismus und zweitens in dem Zurücksehnen nach der Einheit und Unwandelbarkeit der katholischen Kirche, der sich besonders die Fürsten und mit ihnen die höheren Stände zuwandten. Julian Schmidt hat, in seinem Werke über die geistige Entwicklungsgeschichte unseres Volkes von Leibnitz bis Lessing, diese Richtungen der Zeit zu einem höchst anziehenden Gemälde vereinigt. Dies Alles wollte auch Sch. in seinem Geisterseher darstellen, wenn er in demselben auch zuerst vielleicht nur darauf ausging, auf einem ihm ungewohnten Gebiete seine allseitige Meisterschaft zu zeigen, den Leser durch eine fein gesponnene Intrigue zu fesseln und dann zu zeigen, daß die geheimnißvollen Künste der Magier auf die rohesten und frechsten Gaukeleien hinausliefen. Er wollte „einen Beitrag zur Geschichte des Betruges und der Verirrungen des menschlichen Geistes liefern“.

Zu Dresden 1786 begann Sch. den Geisterseher in der Thalia herauszugeben, fühlte jedoch bald Ermüdung – es fehlte ihm, meint Palleske, die Schreibseligkeit, die zum Abfassen eines Romanes unentbehrlich ist – und ließ die Fortsetzung sich lange hinziehen. Die erste Ausgabe des unvollendeten Werkes erschien 1789. Die Neugier nach einem Abschlusse befriedigte X. Y. Z., Leipzig 1796, d. h., nach Goedeke, der als Hofgerichtsrath zu Insterburg 1809 verstorbene Schriftsteller Follenius.

Ob Sch. bestimmte Persönlichkeiten vorgeschwebt haben, ist kaum der Mühe werth zu erörtern; Einige geben den würtembergischen Fürsten Karl Alexander (1733-37) an, Jul. Schmidt nennt einen hannöverschen Prinzen, worauf vielleicht der „Bremer“ hinweist, der (p. 27) als Jäger unseres Helden erwähnt wird. Auch wird (p. 40) von einem allgemein vorhandenen „ungünstigen Vorurtheil“ gegen das Vaterland des Prinzen gesprochen, wobei man an andere deutsche Länder denken könnte. Zu bemerken ist noch, daß man sich denselben im siebenjährigen Kriege in der Schlacht bei Hastenbeck offenbar auf Seiten der Franzosen zu denken hat.

Ein jüngerer Prinz eines deutschen Fürstenhauses zieht, nachdem er Kriegsdienste gethan und sich vielfach in der Welt umgesehen hat (er sah Garrick in London), nach Venedig, wohin damals der vornehme und der niedrige Abschaum Europa’s zusammenströmte, hält sich aber theils aus Charakter, theils aus äußeren Gründen ganz von der Welt zurückgezogen, bis plötzliche merkwürdige Erlebnisse, in denen die Person eines geheimnißvollen, dem Anscheine nach mit übernatürlichen Kräften ausstatteten Armeniers die Hauptrolle spielt, ihn in einen Kreis hineinziehen, den er nicht wieder verlassen soll. In wunderbarer Weise meldet man ihm, in dem Augenblick, wo er im fernen Deutschland erfolgt, in Venedig den Tod eines fürstlichen Verwandten, welcher ihm Aussicht auf den Thron eröffnet. Den mit allen sich widersprechenden Neigungen seines Jahrhunderts ausgerüsteten Geist des Prinzen ergreift eine Aufregung, welche aus allen den Schwächen, die dem Menschen und dem Fürsten anhaften können, Nahrung zeiht und gerade durch die guten und edlen Eigenschaften eines schwärmerischen Gemüthes in verderblicher Weise erhöht wird, so daß er sich bald in ein Netz der wundersamsten Ereignisse verstrickt sieht, aus dem er keine Rettung mehr findet und finden will.

Der Leser beachte wohl, daß gleich im Anfange der Dichter selbst von der Schlinge spricht, die eine „unerhörte Teufelei“ ihm legte, und daß derselbe später auf den „Betrüger“ hinweist, der das ganze Gewebe anzettelte, als dessen Ziel die Bekehrung des Prinzen zum Katholicismus und die Ersteigung des Thrones, in dessen Besitze er natürlich nur ein Werkzeug der Hierarchie werden soll, selbst durch ein Verbrechen, dargestellt wird. Mit diabolischer Geschicklichkeit und tiefer psychologischer Berechnung ist Alles angelegt und der Leser hat also von vorn herein die Fäden einer umfassenden Intrigue zu sammeln und zu verfolgen, in der Nichts dem Zufall überlassen und jede Wirkung, auch die scheinbar ganz entgegengesetzten, berechnet ist. Der Prinz wird von Stufe zu Stufe äußerer Isolirung und innerer Verzweiflung entgegengeführt, um endlich vollständig willenlos zu werden.

Die geheimnißvolle und eintreffende Prophezeiung (wir setzen eine erste Lectüre des Buches voraus), der heraufgerufene und erschienene Geist eines Freundes, der ihn auffordert, „an sich selbst zu denken und in Rom sich darüber Rath zu erholen“, – wo der Prinz die Absicht hätte merken und sich verstimmen lassen sollen, – der betrügerische und untergeordnete Sicilianer, welcher aber den Armenier in das wunderbarste Licht setzt, sind die ersten Stufen, auf denen der Prinz in die Geistersphäre hinaufzusteigen vermeint. Psychologisch sehr fein hat es der Dichter angelegt, daß gerade die Entlarvung des Sicilianers einerseits den Prinzen mit Selbstbewußtsein auf seinen unbetrüglichen Scharfsinn erfüllt, andererseits seinem Gemüthe aber doch ein Stachel bleibt, so daß er nun versucht, sich durch Nachdenken und eine Lectüre, bei deren Auswahl eine „schlimme Hand“ (p. 70) wieder mit im Spiele ist, über die brennenden Fragen des geistigen Lebens Aufklärung zu verschaffen. Dem herrschenden Geiste der Zeit gemäß wird er zum vollendeten Zweifler.

Mit dem Hinschwinden des schwärmerischen, die Einsamkeit und Reinheit des äußeren Lebens wahrenden Gemüthslebens wachen nun aber auch manche bis dahin zurückgetretene Seiten des Charakters auf. Der Prinz tritt dem wüsten Treiben der venezianischen Gesellschaft näher; er beginnt, innerlich leer, unbeschäftigt und deshalb begierig nach rastloser Zerstreuung, durch seinen Rang und durch Aufwand, auch durch Geist glänzen zu wollen und sieht sich so bald in eine geheime „Bucentauro“ (s. d.) genannte Gesellschaft hineingezogen, wie sie in Frankreich am Ende der Regierung des bigott und tugendhaft gewordenen Ludwigs XIV. entstanden, in denen Sittenlosigkeit, Unglaube und vornehme Verachtung alles Reinen sich in die Formen der äußersten Eleganz kleideten, um ihre Theilnehmer rettungslos dem absoluten Verderben entgegenzuführen. Wer nicht wissen sollte, daß Alles schon einmal dagewesen, lese bei Livius (Buch 39) die schaudervolle Schilderung der geheimen Bacchanalien nach, deren Entdeckung, noch in den besseren Zeiten der Republik, Rom mit Entsetzen erfüllte.

Das Leben des Prinzen wird nun „ein fortdauernder Zustand von Trunkenheit, von schwebendem Taumel … Man hatte seine Blößen durchschaut und die Leidenschaft gut berechnet, die man in ihm entzündet hatte.“ Die Schmeichelei vergiftet sein Herz, die letzten selbstständigen Kräfte schwinden. Nachdem sein deutscher Diener, der sein ganzes Vertrauen hatte, plötzlich und wahrscheinlich auch durch Veranstaltung (p. 27) verschwunden ist, wird ein neuer Diener, ein gewandter italienischer Tausendkünstler, Biondello, in sein Haus eingeschmuggelt und dieser weiß sich, indem er nach und nach allerlei Talente hervortreten läßt, dem Prinzen anziehend, ja unentbehrlich zu machen, so daß auch er blad mehr Vertrauter als Diener ist. Endlich macht der Prinz auf romantische, wohl auch künstlich herbeigeführte Weise, die Bekanntschaft eines eben so hinreißend liebenswürdigen als unbändigen jungen Wüstlings, eines Marchese Civitella, dessen Onkel, scheinbar den würdigsten aller Kardinäle der Römischen Kirche, der Prinz schon aus dem Bucentauro kannte. Auf die feinste Weise, indem er sich ihm innig anschließt und in ihm einen Führer zur Besserung zu finden scheint, weiß der Marquis das Herz des Prinzen zu gewinnen. Onkel und Neffe sind die eigentlichen Leiter der ganzen Intrigue, welche nun eine etwas niedrigere Physionomie annimmt, dadurch aber nur um so wirksamer wird, indem der Prinz, der einen andern deutschen Fürsten, einen Rivalen an Rang und Geist, durch glänzenden Aufwand ausstechen wollte, auf das Tiefste in die Schuld des dankbaren Marquis geräth und so auch die äußere Selbstständigkeit verliert. Einem seiner treuen deutschen Begleiter, mit denen er innerlich und äußerlich ebenfalls schon zerfallen ist, spricht er selbst (p. 93) den Zustand seines Herzens so aus. „Ich sehnte mich nach dem Leichtsinne, der das Dasein der meisten Menschen um mich her so erträglich macht. Alles, was mich mir selbst entführte, war mir willkommen. Soll ich es Ihnen gestehen? Ich wünschte zu sinken, um diese Quelle meines Leidens auch mit der Kraft dazu zu zerstören.“ Da begegnet er eines Tages in einer Kirche in der Giudecca, einer Kirche, auf die ihn Civitella aufmerksam gemacht hatte (p. 96), einer weiblichen Erscheinung von so wunderbarer Schönheit, daß er sich für immer gefesselt fühlt. Sie liegt betend vor einem Crucifixe. Nach dem, was er von ihr erfahren kann, ist es eine Griechin. Er will nun seinen Aufenthalt in Venedig verlängern, obwohl ihm von seinem Hofe, an dem die unsichtbaren Intriganten wohl auch gegen ihn wirken, ein bestimmter Termin der Rückkehr gesetzt ist und er fürchten muß, bei Ueberschreitung desselben in die ernsteste finanzielle Verlegenheit zu gerathen. Der Prinz findet nun keine Ruhe mehr. In dieser Bedrängniß verfiel Civitella auf das Spiel, und um die lästige Menge wenigstens aus dem gesellschaftlichen Kreise des Prinzen zu entfernen, soll hoch gespielt werden. Auch in diese Schlinge fällt der Prinz; er spielt bald mit Leidenschaft, seine Schulden wachsen, und endlich findet sich, daß Civitella auch die unermüdlich gesuchte Griechin schon gesehen hat und zwar in Begleitung eines Mannes, in dessen Schilderung der Held sogleich den Armenier erkennt. Zur rechten Zeit wird denn auch die Griechin wieder gefunden. Zugleich erfährt der Prinz, daß unbekannte Anzeiger ihn bei seinem Hofe angeschwärzt oder vielmehr sein ganzes Treiben dorthin berichtet haben. Einer herrisch befehlenden und drohenden Sprache setzt er einen ähnlichen Ton entgegen. Die Leidenschaften wachsen in der Seele des Armen, und in seinem äußeren Leben „die – nun schon – erniedrigende Abhängigkeit vom Marquis.“ Die Erzählung bricht ab. Der Hof verstößt den Prinzen. Zwischen diesem und dem Marquis kommt es offenbar zu irgend einem Conflikte. Die Griechin stirbt. Es heißt zuletzt (p. 130): „Der Prinz bedarf Ihrer nicht mehr, auch nicht meiner. Seine Schulden sind bezahlt, der Cardinal versöhnt, der Marchese wieder hergestellt. Erinnern Sie sich des Armeniers, der uns voriges Jahr so zu verwirren wußte? In seinen Armen finden Sie den Prinzen, der seit fünf Tagen die erste Messe hörte.“

Das Ganze also wird von Sch. entwickelt als eine tief angelegte Intrigue, um den Prinzen in den Schooß der katholischen Kirche zurückzuziehen und, indem man ihm dann zur Thronbesteigung verhilft, derselben weitere Siege zu erfechten. Einen höheren künstlerischen Werth könnte man dem unvollendeten Werke kaum zuschreiben, doch darf man dasselbe auch nicht unterschätzen. Es bleibt immer ein anziehendes, psychologisch doch sehr fein gemaltes Culturbild und hätte wohl eine ernstere Arbeit und Fortsetzung verdient. Die Darstellung zieht durch den leichten, wenn auch mit Gallicismen ziemlich stark versetzten Styl an, der sich nicht selten zu hoher Schönheit erhebt, z. B. in der kurzen und doch unvergleichlichen Schilderung des Sonnenaufganges auf der Lagune (p. 111), des Gebetes der Griechin (p. 100), der Hochzeit des Lorenzo (p. 50). Meisterhaft ist die Charakteristik des Prinzen durchgeführt (p. 67-70), und besonders ergreifend in ihrer Wahrheit seine Selbstschilderung (p. 89-93). Wir sehen darin einen wichtigen Beitrag zur inneren Geschichte des fürstlichen Geisteslebens im 18ten Jahrhundert. Es sind mildere Farben als in Kabale und Liebe, aber doch Züge aus demselben Gemälde. Neben der scharfsinnigen Combination der überraschend sich verschlingenden und lösenden Thatsachen zeigt sich, wie so oft in Sch.’s dichterischen Arbeiten, eine eigenthümlich eindringende realistische Beobachtungsgabe, auf welche Kuno Fischer und Julian Schmidt in seinem Buche über Schiller mit Recht besonders aufmerksam gemacht haben, so z. B. in der Zusammenstellung der Gesellschaft, welche der Beschwörungsscene beiwohnt – der kalt besonnene Engländer, der windige und prahlerische Abbé, der, wie uns dünkt mit außerordentlicher Feinheit geschilderte Russe.

Da der Charakter des Prinzen den Mittelpunkt des Ganzen bildet, so könnte man fragen, wie alt derselbe gewesen sei, wenn man es bei dieser Arbeit mit solchen Dingen, die an und für sich jedoch durchaus keine Kleinigkeiten sind, genau nehmen darf. Da Papst Ganganelli als todt erwähnt wird, welcher 1774 den 22. September starb, der Prinz ferner seine Anwesenheit in der Schlacht bei Hastenbeck 1757 erwähnt und hierbei zugleich einen französischen Brigadier, einen älteren Mann, der in derselben fällt, seinen vertrautesten Freund nennt, so gelangt man, wenn man, was offenbar zu wenig ist, annimmt, daß er bei Hastenbeck 20 Jahre alt war, zu einem Alter von mindestens 38 Jahren, nach denen er in der Entwicklung des Ganzen allerdings nicht aussieht. Doch kann man darüber vielleicht wohl verschiedener Ansicht sein. Schließlich könnte man noch die anscheinend barocke Frage thun, wer denn eigentlich der Geisterseher ist? Eine englische Uebersetzung löst dieses Problem, indem sie sich betitelt: „Der Armenier oder der Geisterseher.“ –

 
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