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Die Führer des Lebens (Gedicht)

Zum Gedicht Die Führer des Lebens.

ein Epigramm aus dem Jahre 1795, das in den Horen die Überschrift „Schön und Erhaben“ führte. Mit der jetzigen Ueberschrift hat es, wie Viehoff bemerkt, den Charakter eines Räthsels, das indeß durch jene erste sogleich gelöst wird. Einen interessanten Vergleich gewährt eine Stelle aus Sch.’s Abhandlung „Ueber das Erhabene“, im zwölften Bande der sämmtlichen Werke. Sie steht nicht weit vom Anfange (S. 285) und beginnt mit den Worten: „Zwei Genien sind es etc.“ Dieser Stelle zufolge ist der Sinn folgender: Der Genius des Schönen, dessen Gebiet die Sinnenwelt ist, macht uns das Leben angenehm und führt uns bis zur Erkenntniß der Wahrheit und der Ausübung unserer Pflicht. Hier stehen wir an einer „Kluft“ (V. 5), mit der nicht etwa, wie man leicht vermuthen könnte, das Grab gemeint ist, sondern der Moment, wo uns statt der einzelnen Erscheinungen, die uns erfreuten, plötzlich die gesammte Größe unserer Bestimmung gegenüber tritt, die unsere ernste Geistesthätigkeit herausfordert. Das ist der Augenblick, in welchem uns der Genius des Erhabenen empfängt. Beide aber sollen unsere Führer durch das ganze Leben sein, denn ohne den Genuß des Schönen würden wir in beständigem Streit zwischen den Forderungen unserer sinnlichen Natur und denen der Vernunft leben. Wollten wir den letzteren allein genügen, so würden wir darüber unser irdisches Glück versäumen; wollten wir dagegen uns bloß dem Genusse des Schönen hingeben und das Erhabene bei Seite lassen, so würde unsere Würde verloren gehen und eine kräftige Charakterentwickelung unmöglich sein.

 
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