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Graf Eberhard, der Greiner (Gedicht)

Zum Gedicht Graf Eberhard, der Greiner.

(Ged. aus d. J. 1781.) Eberhard IV. von Würtemberg, welcher von 1344-1392 zur Zeit Kaiser Karl’s IV. und seiner ohnmächtigen Nachfolger Wenzel und Ruprecht regierte, war einer der tapfersten Kriegshelden jener Zeit. Aus gegenseitiger Eifersucht der Fürsten, des Adels und der Städte waren allerlei Reibungen und Kämpfe hervorgegangen. Auf der einen Seite hatten sich die Ritter, auf der andern die Städte zu verschiedenen Bündnissen vereinigt, die sich unterstützten oder befehdeten, je nachdem es der Vortheil oder die eigene Sicherheit erheischten. So hatte sich auch der damalige Erzbischof von Salzburg (vergl. Becker’s Weltgesch. Bd. 6) aus Furcht vor seinen Feinden in den schwäbischen Städtebund begeben, wurde jedoch 1387 von dem Herzog Friedrich von Baiern verrätherischer Weise gefangen genommen. Als sich nun die Städte vereinigten, um ihn zu befreien, schloß sich der Adel an die Fürsten an, mit deren Hülfe er den Stolz der Bürger zu brechen gedachte. Auf diese Weise entbrannte ein wilder Krieg, in welchem Graf Eberhard der Greiner (d. i. der Zänkische) den Hauptschlag ausführte. In der Schlacht bei Döffingen (23. August 1388) errangen die Fürsten und der Adel einen glänzenden Sieg, welcher eine engere Verbindung der schwäbischen Städte, etwa nach Art der schweizerischen Eidgenossenschaft, verhinderte. Eine außerordentlich klare und ausführliche Darstellung dieser Vorgänge findet sich in Schlosser’s Weltgeschichte, Bd. 8, S. 513-536. – Das durchweg kernig gehaltene, lebhaft an Gleim erinnernde Kriegslied hat Sch. den Mannen Eberhard’s in den Mund gelegt. Str. 1, V. 1: „Ihr dort außen in der Welt“ ist die Ausdrucksweise des kleinen schwäbischen, in sich abgeschlossen lebenden Volksstammes. V. 2: „Die Nasen eingespannt“, d. h. tragt die Nasen nicht zu hoch. – Str. 2: Wer mit den Namen Karl, Ludwig, Eduard gemeint sein mag, ist schwer zu sagen; Kaiser Karl war bereits 1378 gestorben; die Döffinger Schlacht fand unter Wenzel statt; nur Friedrich ist mit Sicherheit als der bereits erwähnte Herzog von Baiern zu deuten; die übrigen sind vermuthlcih willkürlich gewählte Namen für Helden aus anderen deutschen Volksstämmen. – Str. 3: Bub’ steht für Sohn, da Ulrich damals schon ein Mann in reifen Jahren war. – Str. 4: Ulrich hatte schon 1377 Reutlingen belagert, während der alte Eberhard vor Ulm lag. – Str. 5: gepanscht, ein süddeutscher Provincialismus, s. v. w. geschlagen. V. 3: ein falsch (d. h. ein zorniges Gesicht). V. 4: „Der junge Kriegsmann floh das Licht“, d. h. Ulrich ließ sich vor seinem Vater nicht sehen. – Str. 6: „Bei des Vaters Bart“ erinnert an Eberhard’s Beinamen: der Rauschebart. – Str. 7: „Und heller gings dem Junker auf“, d. h. ihm (Ulrich) wurde wieder wohl zu Muth, die Nacht seines Kummers lichtete sich. Str. 10: „Der Helden Trieb“, eine elliptische Ausdrucksweise für: Rasch trieb es die andern Helden zu seiner Hülfe herbei. – Graf Eberhard der Rauschebart und sein Sohn Ulrich sind im Chor der Stiftskirche zu Stuttgart beigesetzt. Vergl. die vier trefflichen Gedichte Uhland’s, welche diesen Helden gewidmet sind.

 
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