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Eros

(Myth.), bei den Römern Amor, war ursprünglich nichts anderes als die in Liebe vereinigende Kraft der Natur. Homer kennt ihn noch nicht; Hesiod dagegen nennt ihn den ältesten der Götter. Er sagt: „Zuerst war das Chaos, dann die Erde, der Tartarus und Eros, der schönste der Götter, der Gliederlösende, der bei Göttern und Menschen den Sinn und den klugen Rath bewältigte.“ So ist Eros nach Hesiod also ein Sohn des Chaos, anderen Dichtern zufolge ein Sohn des Uranus und der Gäa (des Himmels und der Erde), oder des Zeus, oder des Mars und der Venus. Als solchen (Ged. Poesie des Lebens) betrachten ihn besonders die lyrischen Dichter, denen er Stoff zu mannigfaltigem Witze und zu allerlei poetischen Spielereien wird. Sie schildern ihn als einen anmuthig gestalteten, schalkhaften Knaben (vergl. K. u. L. V, 1) voller List und Laune, mit einer Fackel in der Hand und zugleich mit Bogen und Pfeilen (Iph. II, Zw.-H.) bewaffnet, mit denen er die Herzen der Götter und der Menschen verwundet, um sie zur Liebe zu entflammen. Daher heißt es (Ged. Hero u. Leander) von Neptun:

„Denn auch dich, den Gott der Wogen
Rührte Eros mächt’ger Bogen.“

und (ebendas.):

„Hero’s und Leander’s Herzen
Rührte mit dem Pfeil der Schmerzen
Amor’s heil’ge Göttermacht.“

desgl. sagt Hippolyt (Ph. II, 2):

„Sechs Monde trag’ ich schon, gequält, zerrissen
Von Scham und Schmerz, den Pfeil in meinem Herzen.“

und (Ph. III, 2) sagt Phädra:

„Getroffen haben alle deine Pfeile.“

Seine Macht erstreckte sich sogar auf die Unterwelt, denn (Ged. Triumph der Liebe):

„Amor’s süßer Zaubermacht
Ist (auch) der Orkus unterthänig.“

Er war es auch, der die Götter mit Liebe zu den Sterblichen entflammte; daher (Ged. Die Götter Griechenlands):

„Zwischen Menschen, Göttern und Heroen
Knüpfte Amor einen schönen Bund.“

Indessen gab es auch manche, die sich seiner Macht zu entziehen verstanden, wie Artemis, Pallas und Themis; desgleichen auch Einzelne unter den Sterblichen, wie Hippolyt, von dem Aricia (Ph. II, 1) sagt:

„Den edlen Stolz der großen Seele lieb’ ich,
Der unter Amor’s Macht sich nie gebeugt.“

Zu Begleitern des Eros gehören die Charitinnen (Grazien), Hymen (der Ehestiftende) und Dionysus oder Bacchus (Der Freudenbringer); daher (Ged. Dithyrambe):

„Kaum daß ich Bacchus, den Lustigen, habe,
Kommt auch schon Amor, der lächelnde Knabe.“

Vor Allem aber erscheinen in seiner Gesellschaft als eine Erfindung späterer Dichter die Amoretten, eine Schaar munterer Brüder, die als Söhne und Begleiter der Aphrodite oder der Nymphen angesehen werden; daher heißt es (Ged. Triumph der Liebe) von jener Zeit, wo die Liebe noch nicht in die Welt gekommen war:

„Noch mit sanften Rosenketten
Banden junge Amoretten
Ihre Seelen nie.“

Bisweilen führt Eros auch den Namen Cupído, d. h. der Gott des liebenden Verlangens, der mehr als eine poetische Vorstellung, denn als eine mythologische Person zu betrachten ist, dennoch aber von den Dichtern oft für Amor gesetzt wird; so (Ged. Der Abend), wo Phöbus zur Thetis herabsteigt:

„Schnell vom Wagen herab in ihre Arme
Springt der Führer, den Zaum ergreift Cupido.“

Daß eine solche Persönlichkeit oft symbolisch für „Liebe“ gebraucht wird, liegt nahe, so sagt Sch. (Ged. Der Triumph der Liebe), wo er das ganze Menschengeschlecht als eine Frucht der Liebe darstellt:

„Glückseliger Pygmalion!
Es schmilzt, es glüht dein Marmor schon!
Gott Amor, Ueberwinder,
Umarme deine Kinder!“

und (Br. v. M. 5, 420), wo es von der Liebe heißt, daß sie das Leben bewegt:

„Stehen nicht Amor’s Tempel offen?
Wallet nicht zu dem Schönen die Welt?“

Dasselbe gilt dann natürlich auch von den Begleitern des Amor; daher ruft der Dichter (Ged. Die Entzückung an Laura) in dem seligen Entzücken eines liebetrunkenen Herzens:

„Amoretten seh’ ich Flügel schwingen.“

Gleichbedeutend mit den Amoretten sind die Amorinen, ein Ausdruck, den Sch. (Ged. Die berühmte Frau) geradezu auf anmuthige Mädchengestalten überträgt:

„Von ihrem Putztisch sind die Grazien entflohn,
Und an der Stelle holder Amorinen
Sieht man Erinnyen den Lockenbau bedienen.“

 
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