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Eos

bei den Römern Aurora, die Tochter des Titanen Hyperion und der Thia, die Schwester des Helios und der Selene, war mit Asträus vermählt, welchem sie die Winde Zephyrus, Boreas und Notus, sowie den Hesperus (s. d.) und die Gestirne gebar. Nach Homer, der eine Reihe der schönsten Beiwörter für sie hat – Eos auf goldenem Thron, im Safrangewande, die rosenfingrige Il. 11, 1. 19, 1. 23, 226. Od. 4, 188. 5, 121. 12, 3. 22, 197. 23, 246 – führt sie einen Wagen, bespannt mit zwei göttlichen Rossen, aus des Ocenas Tiefen herauf; daher heißt es (Ged. 4. B. d. Aen. 24):

„Indeß war Eos leuchtendes Gespann
Aus blauer Wogen Schooß gestiegen.“

ferner (Ged. Hero und Leander):

„Hell an Himmels Rande steigen
Eos Pferde in die Höh’.“

und (Ged. Triumph der Liebe) von jener Zeit, wo die göttliche Liebe noch nicht in des Menschen Brust eingezogen war:

„Ungegrüßet stieg Aurora
Aus dem Schooß des Meeres.“

Ihr schönes Amt war, dem Helios voranzueilen und den Sterblichen den kommenden Tag zu verkünden. Umflossen von einem gelben Schleier, öffnete sie mit ihren Rosenfingern die Pforten des Himmels. Da sie, als Morgenröthe gedacht, bekannten Erfahrungen zufolge, Regen verkündet, so wurde sie auch als Mutter des Regens angesehen; daher (Ged. 4. B. d. Aen. 2):

„Kaum zog Aurorens Hand die feuchte Schattenhülle
Vom Horizont hinweg“ – – –

Oft erscheint sie als Personification der Morgenröthe; so (Ged. Der Flüchtling):

Es „begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,
Die schon in lachender Wonne
Jugendlich schön in Aurora’s Umarmungen glüht“.

oder auch als Morgenröthe selbst, wie (Ged. Klage der Ceres), wo Ceres auf ihre Tochter warten muß,

„Bis des dunklen Stromes Welle
Von Aurorens Farben glüht.“

Da Eos als Göttin den von ihr bevorzugten Jünglingen Jugend und Schönheit verleiht, so heißt es (Ged. Semele 1) von Zeus:

„Er kam, ein schöner Jüngling, reizender,
als keiner Aurora’s Schooß entflossen.“

und (Ged. Eine Leichenphantasie) erscheint der blühende Jüngling

„Wie aus Aurora’s Umarmung geschlüpft.“

Endlich führt sie der Dichter bisweilen bildlich ein, wie (Ged. Phantasie an Laura):

„Eine schönere Aurora röthet,
Laura, dann auch unsrer Liebe sich.“

und (Br. v. M. 5, 396):

„Aber der Fürsten
Einsame Häupter
Glänzen erhellt,
Und Aurora berührt sie
Mit den ewigen Strahlen,
Als die ragenden Gipfel der Welt.“

 
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