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BibelNächst den Quellen, aus welchen der Dichter positive Thatsachen schöpft, um sie im erzählenden Gedichte oder im Drama darzustellen, giebt es noch eine andere Art von Quellen für poetische Anschauung, denen man bisher weniger nachgegangen ist, als jenen ersten (s. Bürgschaft). Durch geheime Wahlverwandtschaft fühlt sich der Dichter zu bestimmten Sphären des Phantasielebens, wie es schon vor ihm poetisch verkörpert wurde, unwiderstehlich oder wenigstens überwiegend hingezogen; so Sch. zum Leben und zu den Anschauungen des griechischen Volksgeistes, wie er besonders in der Mythologie sich dargestellt hat. Da nun aber, nächst Griechenland, der jüdische Orient im A. und N. T. für die Poesie des Mittelalters und der Neueren Zeit die unerschöpflichste Quelle geworden ist, so fragt es sich, ob Sch. denn in gar keinem Verhältniß zu dieser letzteren gestanden hat, woran sich weiterhin naturgemäß auch die Frage nach Sch.’s Stellung zum Christenthum und zur Religion überhaupt knüpfen würde. Anderen Dichtern sind solche Untersuchungen schon zu Theil geworden. So ist Shakespeare’s reiche Bibelkenntniß nachgewiesen in dem englischen Werke: On Sh.’s knowledge and use of the Bible by Wordsworth. Londen, 1864. Eine vergleichende Charakteristik Sch.’s und Goethe’s würde auf diesen Punkt Rücksicht nehmen müssen. Daß Sch. in seinen Kinderjahren besonders gern aus der Bibel lesen hörte, sagt uns Palleske. Wir erfahren sogar aus einer Erwähnung in einem Briefe seines Vaters (von 1790), daß er im dreizehnten Jahre schon einen Versuch zu einem Trauerspiele „die Christen“ gemacht hatte. Weiterhin wirkte Klopstock’s Messias mächtig auf ihn, und der Plan zu einem Gedichte „Moses“ war in ihm entstanden. Der wertere Verlauf seiner Erziehung, der pietistische und auch der in Formeln kramende damalige religiöse Standpunkt sollte jedoch, wenn auch nicht wieder auslöschen, so doch in seiner höheren dichterischen Triebkraft ersticken, was die Hand einer gütigen und sinnigen Mutter im zarten Herzen des Kindes ausgesäet hatte. Die Eindrücke waren freilich zu stark und zu vielfältig gewesen, als daß die ersten größeren poetischen Versuche nicht Zeugniß davon abgelegt hätten, und so findet sich gerade in den „Räubern“ eine nicht unbedeutende Zahl biblischer Anspielungen, wenn auch bedingt durch die Einführung des „Pastor Moser“ in dieses Stück und durch die Heuchelei des „Franz Moor“, wo aber das Eine eben das Andere trägt. Die freiere Richtung, die schon im Bunde mit J. J. Rousseau (s. ds.) und später auf Grund eigener philosophischer und geschichtlicher Speculation gewiß auch der vorhergehenden medicinischen Studien, deren materialistischer Widerhall in den „Räubern“ nicht zu verkennen ist, Sch.’s geistiges Leben genommen hatte, entriß ihn dem Zusammenhange mit der Bibel, und es ist nicht uninteressant, zu sehen, wo und wie sie ihm wieder nahe trat. Wir möchten behaupten, daß äußere Anregung, aus Anlaß einer geschilderten Situation, hier hauptsächlich gewirkt hat. Gerade in den lyrischen Gedichten findet sich nur weniges Biblische, die „Capuzinerpredigt“ (in Wst. L.) aber möchte einen der bedeutendsten Beiträge zu den biblischen Erinnerungen liefern. Ebenso die Beichtscene in „Marie Stuart“. Wer dies zum Gegenstande weiterer Betrachtung oder Forschung machen will, lese folgende Artikel: Abbadonna, abe, Abraham’s Schooß, Absalon, Adramelech, Ahab, Apostel, Arche, Basilisk, Belial, Cana, Cherub, David, Ebräer, Eden, Elieser, Goliath, Hermon, Herodes, Hiob, Horeb, Isai, Ischariot, Jakob, Jehovah, Jesu, Jerobeam, Jerusalem, Jesabel, Johannes, Joppe, Jordan, Joseph, Josua, Judas, Libanon, lösen, Loth, Mammon, Mann Gottes, Moloch, Moses, Palästina, Petrus, Pfund, Pharao, Pharisäer, Prediger, Sadducäer, Salomo, Samuel, Satan, Saul, Schlüssel, Schooß der Kirche, Seraph, Sieben heilige Zahl, Sinai, Synedrium, Tobias, Topf, Töpfer, Vierfürst. Wir machen jedoch darauf aufmerksam, daß Sch.’s Anführungen entschieden auf eine eindringendere Kenntniß der Bibel hinweisen und daß er den Ausspruch, welcher das A. T. als ein Handbuch des Erhabenen bezeichnet hat, wohl zu würdigen wußte. Obwohl Sch. es sich nicht versagt, griechische Mythologie und biblische Erinnerungen nahe zusammen zu bringen, weiß er doch mit feinem Verständniß der Situation gemäß zu wählen. So erinnert sich V, 11 die Jungfrau, als sie ihre Fesseln brechen will, in einem herrlich ausgeführten Bilde „Simson’s“, Isabeau wird I, 5 mit der „unnatürlichen Mutter“ vor dem Richterstuhle Salomon’s verglichen; der alte Erzbischof, welcher in der Jungfrau die Retterin Frankreichs sieht, erinnert in seinen Worten an eine der schönsten Scenen des N. T. Luc. II, 22-38. D. C. II, 2: „Was fragt ein Miethling nach dem Königreich.“ Der Traum Thibaut’s (J. Prol. 2) ist wohl dem biblischen Traume Joseph’s nachgedichtet. Der Großinquisitor erscheint D. C. V, 10 wie der Schatten Samuels; die erhabene Gestalt des Moses und das Wunder, in welchem dem Felsen lebendiges Wasser entströmt, werden öfter erwähnt J. Prolog D. C. III, 2; M. St. V, 7. Natürlich findet sich auch das, was so vielfach selbst im täglichen Leben verwerthet wird, wie Anspielungen auf Judas und „den falschen Bruderkuß“ M. St. IV, 10, die „Schlange, welche die Ferse sticht“ W. T. IV, 7. W. Tell V, 1 Ende: „säen und ernten“, J. v. O. III, 4: die „Kleingläubigen“. M. St. V, 6: „das bessere Theil“, I, 7: „der Schatten des Oelbaumes“, V, 11: „steht die Sonne fest“, im Andenken an Josua; so auch ganze Sprüche, wie im Munde Illo’s W. T. IV, 7: „Wer nicht ist mit mir, der ist wider mich“; s. auch M. St. V, 6: „das Wort ist todt“, W. Tell II, 2: „Dem Kaiser bleibe“, R. I, 1: „Aergert Dich Dein Auge“. Christus selbst wird M. St. I, 6: „der erhabene Prediger des Berges“ genannt, Gott heißt D. C. II, 2: „der Dreimalheilige“. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß Sch. zu verschiedenen Malen hinreißende Schilderungen des katholischen Gottesdienstes gegeben hat, so in M. St. I, 6 im Munde des Convertiten Mortimer V, 11 in der Beichtscene Marie Stuart’s, so wie in der Braut von Messina in Don Cesar’s Munde die Schilderung der Leichenfeierlichkeit; hierher gehört auch der Eisenhammer und der Kampf mit dem Drachen. Daneben stellen sich nicht unbedenklich, wenn auch nur von Mortimer so bezeichnet: „der Puritaner dumpfe Predigtstuben“, zumal da in diesem Stücke die geschichtliche Perspektive doch zu stark vom Dichter verschoben sein dürfte. Sch.’s Stellung zu der Geschichtlichkeit der Urkunden des A. T. hat er selbst ins einer „Sendung des Moses“ hinlänglich klar gemacht. Daß er trotzdem im höheren Sinne religiös war, ist in sich selbst klar; nicht umsonst hat auch Goethe gesagt, „es sei etwas von der Christusnatur in ihm gewesen“, und so mögen denn auch die vielfachen Versuche, welche man gemacht hat, Sch. wie auch Goethe mit dem positiven Christenthum zu verknüpfen, denen vorzuziehen sein, welche einen Geist von dieser Tiefe als gleichgültig oder gar feindselig gegen die tiefste und nachhaltigste geistige Bewegung aller Zeiten darstellen möchten, s. Kleinert, Sch.’s religiöse Bedeutung; Berlin, Wiegandt und Grieben, 1866. (6 Gr.) |
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