Friedrich
Schiller

www.wissen-im-Netz.info

Lexikon - B

Homepage
   Literatur
      Friedrich Schiller
         Lexikon
           
B

Bacchus oder Dionysos

war der Sohn des Zeus und der Semele, ist der schöne, jugendlich heitere Gott des Weines. Nachdem er die Hüfte seines Vaters verlassen, ward er dem Hermes übergeben, welcher ihn von Nymphen auf dem Berge Nysa in Indien (daher vielleicht der Name Dionysos, dessen erste Sylben dann „Gott“ bedeuten würden) erziehen ließ. Von Böotien aus (denn Semele, die Tochter des Cadmos, wohnte in Theben, und hier mag auch ursprünglich Nysa gelegen haben) verbreitete sich der Kultus des Gottes über ganz Griechenland und, wie die Griechen es sich in späterer Zeit vorstellten, durch einen wunderbaren Zug des Gottes selbst, bis in das ferne Indien. Aber dieser Zug wurde zu einem weltbeglückenden, denn durch die Veredelung des Weinstocks hatte er den Sterblichen das Getränk verliehen, welches das Herz erfreut. Auf diese Weise durchzog er nun die Welt, um den Weinbau zu verbreiten, begleitet von einem fröhlich jauchzenden Gefolge von Halbgöttern, Männern und Weibern, welche sich ihm anschlossen, daher in den „Göttern Griechenlands“ >:

„Das Evoe muntrer Thyrsusschwinger
Und der Panther prächtiges Gespann
Meldeten den großen Freudenbringer;
Faun und Satyr taumeln ihm voran!
Um ihn springen rasende Mänaden,
Ihre Tänze loben seinen Wein,
Und des Wirthes braune Wangen laden
Lustig zu dem Becher ein.“

Einen mit Epheu oder Weinlaub umflochtenen Stab, den Thyrsus in den Händen, ein Tiger- oder Rehfell um die Schultern gehängt, so erscheint das Gefolge von Männern und Weibern, Bacchanten und Bacchantinnen, die letzteren auch Mänaden (d. h. Rasende) genannt, in wilder Ausgelassenheit, um mit Flöten und Pauken den Freudenbringer zu begrüßen. Daher heißt es (Gedicht Pompeji und Herculanum >):

„Hoch auf springt die Bacchantin im Tanz, dort ruhet sie schlummernd“;

und von dem Palast der Semele sagt Zeus (Schauspiel „Semele“ >):

„...grauenvolles Schweigen
Herrscht ringsumher im einsamen Palast,
Der sonst so wild und so bacchantisch lärmte.“

Anfangs waren die Feste, die man dem Bacchus zu Ehren feierte, wohl nichts Anderes als heitere und fröhliche Winzerfeste. Aber von Thracien aus verbreiteten sich die so genannten Orgien (so viel wie geheime Religionsgebräuche) als mit trunkener Wildheit gefeierte Bacchusfeste nach und nach durch ganz Hellas. Daher heißt es (Gedicht „Dido“, Strophe 11): „Es quillt zweijähr’ger Rinder Blut, dir, Bromius, zu Ehren“; ferner („Iphigenie in Aulis“, 4. Akt, 4. Zwischenhandlung >):

„Grüne Kronen in dem Haar
Und mit fichtenem Geschosse,
Menschen oben, unten Rosse,
Kam auch der Centauren Schaar,
Angelockt von Bromius Pokale
Kamen Sie zum Göttermahle.“

wo Bacchus mit dem Beinamen Bromius, d. h. der Lautjauchzende, bezeichnet wird; und an die mit nächtlichen Schwelgereien verbundenen Feste erinnert die Stelle (Gedicht „Dido“, Strophe 56):

„So fährt, wenn der Orgien Ruf erschallt,
Die Mänas auf, wenn durch ihr glühendes Gehirne
Die nahe Gottheit braust, und von Cithärons Stirne
Das nächtliche Geheul der Schwestern widerhallt.“

Als Sinnbild des fröhlichen Gelages beim gefüllten Becher wird Bacchus oft genannt; so (Gedicht „Die Gunst des Augenblicks“, >):

„Denn was frommt es, daß mit Leben
Ceres den Altar geschmückt?
Daß den Purpursaft der Reben
Bacchus in die Schale drückt?“

und (Gedicht „Dithyrambe“, >):

„Kaum daß ich Bacchus, den Lustigen, habe,
Kommt auch schon Amor, der lächelnde Knabe.“

Ebenso wird von dem Schmause (Schauspiel „Die Piccolomini“, >) gesagt:

„Ihr liebt die Bacchusfeste auch nicht sehr.“

und („Don Carlos“, >) heißt es:

– – – – „ein bacchantisches Getön
Von Reigen und von Pauken donnert ihm
Aus dem erleuchteten Palast entgegen.“

desgl. (Schauspiel „Die Verschwörung des Fiesco“, >): „der bacchantische Tanz.“ – Endlich heißt es mit Beziehung auf seinen Beinamen Freudebringer („Die Piccolomini“, >) von trunkenen Kriegern:

„Blindwüthend schleudert selbst der Gott der Freude
Den Pechkranz in das brennende Gebäude.“

Erwähnungen

  • Gedicht „Dithyrambe“, >
  • Gedicht „Die Gunst des Augenblicks“, >
  • Gedicht „Das Siegesfest“, 1>, 2>
  • Gedicht „Der Spaziergang“, >
  • Schauspiel „Die Piccolomini“,
    3. Aufzug, 9. Auftritt, als Gott der Freude >
    4. Aufzug, 6. Auftritt, >
  • Übersetzung „Szenen aus den Phönizierinnen des Euripides“, >
  • Gedicht „Kassandra“, als bacchantische Lust >
  • Gedicht „Pompeji und Herculaneum“, als Bacchantin >
  • Historische Schriften „Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“, 3. Buch, Die Guisen, als Bacchanal >
    4. Buch, Albas Rüstung und Zug, als bacchantischer Aufzug >
  • Philosophische Schriften „Die Schaubühne als moralische Anstalt betrachtet“, als bacchantische Freuden >
  • Schauspiel „Don Carlos“, 1. Akt, 4. Auftritt, als bacchantisches Getön >
  • Schauspiel „Die Verschwörung des Fiesco“, 1. Aufzug, 4. Auftritt, als bacchantischer Tanz, >
  • Schauspiel „Semele“, 2. Szene, als bacchantisch >
  • Gedicht „Die Götter Griechenlands“, als Freudenbringer >
  • Gedicht „Dido“, als Bromius in Strophe 11
  • Übersetzung „Iphigenie in Aulis“, 4. Akt, 4. Zwischenhandlung, als Bromius >
© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.