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Astrolog

Der Astrolog ist ein Sterndeuter. Die Astrologie, „Sternkunst“ genannt, ist die trügerische Kunst, aus der Stellung der Sterne die Zukunft, besonders das Schicksal der Menschen vorherzusagen. Sie wurde besonders im Mittelalter, und zwar selbst von denkenden Fürsten und namhaften Gelehrten gepflegt. Dass man sich im Altertum mit dem einfachen Auffassen der Erscheinungen begnügte, wie der gestirnte Himmel sie darbietet, liegt nahe. Ebenso, dass die Phantasie, die in jenen Zeiten die vorherrschende Kraft der Seele war, in dem Wechsel der Erscheinungen das Walten freundlicher oder feindlicher Dämonen zu erkennen vermeinte. Wenn auch einzelne hervorragende Geister die hinter dem äußeren Schein verborgene Wahrheit ahnten und anzudeuten wagten, so war dies doch eben nur eine Ahnung, deren Richtigkeit weder von den Zeitgenossen, noch von den Nachkommen verstanden wurde. Erst mit Galileo Galilei (geb. 1564, +1642) rangen sich die Naturwissenschaften aus den Fesseln phantastischer Träumereien los, ohne jedoch dem astrologischen Irrwahn sogleich den Todesstoß zu versetzen. Man darf sich daher nicht wundern, wenn Ausdrücke, wie „Glücksstern“ („Die Braut von Messina“, >) oder „unglückliches Gestirn“ („Die Jungfrau von Orleans“, >), desgl. „böser Stern“ (Tur. I, 1) allgemeine Anerkennung und weit verbreitete Annahme fanden. Daher sagt auch Johanna (J. v. O. III, 4) vergleichsweise zu Burgund:

„Jetzt schimmerst du in segenvollem Licht,
Da du vorhin in blutroth düstrem Schein,
Ein Schreckensmond an diesem Himmel hingst.“

desgleichen sagt auch Isabeau (J. v. O. II, 2) zu den entzweiten Feldherren:

„Was für ein hirnverrückender Planet
Verwirrt euch also die gesunden Sinne?“

Andererseits fehlte es auch nicht an Gegnern der Astrologie, weshalb Sch. den Illo (Picc. II, 6) zu Wallenstein sagen läßt:

„Oh! du wirst auf die Sternenstunde warten,
Bis dir die irdische entflieht.“

Um die Art und Weise zu verstehen, wie die Astrologen bei ihren Prophezeihungen zu operiren pflegten, hat man Folgendes zu beachten. Der ganze Fixsternhimmel dreht sich scheinbar in 24 Stunden um die Axe der Erde, während die Planeten ihre Stellung zu einander beständig ändern. Die letzteren wandeln nämlich in sehr verwickelten Pfaden in einer Zone des Himmels, die den Aequator schief durchschneidet, so daß die eine Hälfte nach Norden, die andere nach Süden gerichtet ist. Diese Zone bildet den sogenannten Thierkreis mit den zwölf himmlischen Zeichen, deren jedes in 30 Grade getheilt ist, um den jedesmaligen Stand der Planeten genau bestimmen zu können. Nach der Auffassung der Astrologen wurden Sonne und Mond mit zu den Wandelsternen gerechnet, von denen damals nur Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn bekannt waren. Alle übrigen Planeten konnten für die Astrologie keine Bedeutung haben, da sie mit unbewaffnetem Auge nicht beobachtet werden können, überhaupt aber erst seit dem Jahre 1781, wo Herschel den Uranus entdeckte, nach und nach bekannt geworden sind. Man unterschied also im Mittelalter sieben Planeten: Sonne, Mond, Mercur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die man ähnlich den Fixsterngruppen auch bildlich darzustellen pflegte; dher werden (Wst. T. I, 1): „die sieben Planetenbilder“, (Wst. T. I, 7) „die sieben Herrscher des Geschicks“ genannt. – Um eine prophetische Deutung der Zukunft zu geben, oder (Picc. III, 1) „die Planeten zu fragen“, handelte es sich bei den Astrologen um die Stellung, welche die Wandelsterne in einem gewissen Zeitpunkt zu einander und zu den himmlischen Zeichen einnahmen. Besonders beschäftigten sie sich damit, Jemandem (Picc. II, 6 u. III, 4) das Horoskop zu stellen. Um sich hiervon eine Vorstellung zu machen, denke man sich den Mittagskreis, welcher von dem Zenith durch den Südpunkt des Horizonts, unter diesem fort und durch den Nordpol des Himmels zum Zenith zurückgeht. Dieser Kreis theilt den ganzen Himmel, also auch den Thierkreis, an irgend einer Stelle in zwei gleiche Theile. Blickt man nun nach Süden, so zerfällt der ganze Himmel in eine linke und eine rechte Hälfte. Jede Hälfte des Thierkreises zerfällt wiederum in sechs Theile, von denen in dem Moment, wo seine Solstitialpunkte mit dem Meridian zusammenfallen, auf jeder Seite drei über und drei unter dem Horizonte liegen. Diese zwölf Abschnitte heißen in der Astrologie die himmlischen Häuser (Picc. II, 6 „des Himmels Häuser“). Sie werden gezählt, indem man mit dem an der linken oder Ostseite zunächst unter dem Horizonte liegenden, als dem ersten beginnt, dann unter dem Horizonte nach rechts weiter zählt, so daß über dem Horizonte neben dem ersten das zwölfte Haus liegt. Jedes dieser Häuser hatte seine besondere Bedeutung. Da sich das Himmelsgewölbe bei seiner Drehung um die Himmels- und Erdaxe von Osten nach Westen bewegt, so war Nr. 1 das aufsteigende Haus, oder das Horoskop, d. h. der Punkt des Thierkreises, welcher in dem Augenblick der Geburt eines Menschen aufgeht (wörtlich: Stundenschau); mit ihm stieg das erste Haus an. Nr. 2 war das Haus des Reichthums, Nr. 3 das der Brüder, Nr. 4 das der Verwandtschaft, Nr. 5 das der Kinder, Nr. 6 das der Gesundheit, Nr. 7 das der Ehe, das mit dem untergehenden Punkte des Thierkreises aufhört; Nr. 8 das des Todes, Nr. 9 das des Mitleids, Nr. 10 das der Würden, welches mit dem zur Zeit der Geburt eines Menschen culminirenden Theile des Thierkreises anfängt, Nr. 11 das Haus der Freundschaft, und Nr. 12 das der Feindschaft.

Sobald nun der Astrolog seine Häuser für einen bestimmten Zeitpunkt festgestellt hatte, construirte er sich eine ziemlich einfache mathematische Figur. Man zeichne sich ein Quadrat (s. S. 42), theile jede Seite desselben in zwei gleiche Theile und verbinde die benachbarten Halbirungspunkte durch gerade Linien. Auf diese Weise erhält man ein zweites auf der Spitze stehendes Quadrat, mit dem man ebenso wie mit dem ersten verfährt, wodurch man ein drittes Quadrat erhält, dessen Seiten mit dem des ersten parallel gehen. Endlich werden die Ecken des dritten Quadrats mit den zunächst liegenden des ersten verbunden. Das ganze stellt nun zwei Quadrate, ein kleineres und ein größeres dar, zwischen deren Seiten 12 Dreiecke liegen, welche mit den Ziffern I-XII bezeichnet werden, und zwar so, daß man an dem Mittelpunkte der linken Seite beginnt, und nach unten weiter fortschreitend, um das innere Quadrat herumgeht. Die so bezeichneten Dreiecke entsprechen nun den zwölf himmlischen Häusern, deren jedes die oben genannten Beziehungen auf die Schicksale des Menschen hat, das sich natürlich verschieden gestaltet, jenachdem dieses oder jenes Zeichen in das Haus eintritt (Picc. III, 4).

Von besonderer Bedeutung für den Astrologen waren die sogenannten Aspecte („Anblicke“) (Wst. T. I, 1), od. (ebendas.) „Planetenaspecte“, d. h. die verschiedenen Stellungen der Sonne, des Mondes und der Planeten im Thierkreise gegeneinander; daher (Wst. T. I, 7):

„Die Zeichen stehen sieghaft über dir,
Glück winken die Planeten dir herunter
Und rufen: Es ist an der Zeit“

oder (Wst. T. V, 5): „Die Zeichen stehen grausenhaft“ …. „lies selbst in dem Planetenstand“. Man unterscheidet fünf solcher Aspecte: 1) die Conjunction oder Zusammenkunft; 2) die Opposition oder der Gegenschein (Wst. T. I, 1 „Doppelschein“), in dem die Sterne 180° von einander entfernt sind, also der eine aufgeht, indem der andere untergeht; 3) der Gedritt- oder Triagonalschein; 4) der (Wst. T. I, 1) Geviert- oder Quadratschein, auch die Quadratur genannt, wo die Sterne um 90° auseinander stehen; 5) der Gesechst- oder Sechstelschein. Den drei letzten Aspecten, die für die Astronomie völlig werthlos sind, schrieben die Astrologen einen bedeutenden Einfluß (wegen der „schrägen Strahlung“) auf das menschliche Schicksal zu. – Unter den zwölf Häusern waren die wichtigsten und einflußreichsten die vier sogenannten Angeln des Himmels, d. h. die vier Ecken des auf der Spitze stehenden Quadrats, die unwichtigsten und bedeutungslosesten die vier ihnen unmittelbar vorhergehenden, die man daher auch die „faulen oder die fallenden Häuser“ nannte. Stand ein Planet (z. B. der Saturn, Wst. T. I, 1) in einem dieser Häuser „in cadente domo“, so war er „unschädlich, machtlos“, weil er jetzt seinen Einfluß verlor. – Vergl. den zu diesem Artikel benutzten Aufsatz „Wallenstein und die Astrologie“ in „Studien. Populäre Vorträge von Schleiden. Leipzig, bei Engelmann, 1855“.

Erwähnungen

  • Historische Schriften „Geschichte des dreißigjährigen Kriegs“,
    1. Buch, 1>, 2>
    2. Buch, >
    3. Buch, >
    4. Buch, 1>, 2>
  • Historische Schriften „Geschichten der Unruhen in Frankreich“, >
  • Schauspiel „Die Piccolomini“,
    Personenverzeichnis, >
    2. Aufzug, >
    3. Aufzug, 1. Auftritt, >
    3. Aufzug, 4. Auftritt, 1>, 2>
  • Schauspiel „Wallensteins Tod“
    1. Aufzug, >
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