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Apollon

(Myth.), lat. Apollo, mit dem Beinamen Phöbus, der Sohn des Zeus und der Latona, wurde mit seiner Zwillingsschwerster Artemis auf der Insel Delos geboren. Von Themis mit Ambrosia und Nektar genährt, ward des Knaben Körper bald mit wunderbarer Kraft erfüllt, die sich zuerst gegen den Drachen Pytho wendete, der einst auf Junos Geheiß seine Mutter überall verfolgt hatte. Am Berge Parnassus traf er ihn, und da derselbe ihn hindern wollte, das Orakel zu Delphi in Besitz zu nehmen, vermittelst dessen Apollo den Menschen den Willen des Zeus zu verkünden beabsichtigte, so erlegte er das Unthier, weshalb er (Ged. D. Glück) „der pythische Sieger“ und (Ged. Kassandra) „pythischer Gott“ genannt wird. – Da Apollo für die Liebe sehr empfänglich war, so weiß die Mythe von manchen Nymphen und Töchtern der Erdgeborenen zu erzählen, auf welche sich die Stelle (Ged. D. Götter Griechenlands) bezieht:

„Pyrrha’s schöne Töchter zu besiegen,
Nahm der Leto Sohn den Hirtenstab.“

Apollon gehört zu den zwölf großen Göttern der Griechen und Römer und vereinigt in sich eine große Anzahl religiöser Vorstellungen. Als Sonnengott (Phön.) fährt er mit dem von vier brausenden weißen Rossen gezogenen Sonnenwagen (Ged. D. Triumph d. Liebe) von Meer zu Meer und giebt der Welt den Tag; daher (Iph. I, 1):

„Schon färbt die lichte Morgenröthe
Den Himmel weiß, und flammenwerfend steigen
Der Sonne Räder schon herauf.“

weshalb auch (Ged. An Goethe) von dem „bewegten Rad der Zeit“ die Rede ist; desgl. (Br. v. M. 418):

„Lichtweiß, gleichwie des Sonnengottes Pferde“

und (Ged. Hero u. Leander):

„Sah hinab die Sonnenrosse
Fliehen an des Himmels Rand.“

In dieser Eigenschaft wird sein Name oft gleichbedeutend mit Helios (s. d.) gebraucht, so wie ihm deshalb auch der Beiname Phöbus (Ged. D. Abend. – Phön.), d. h. wohl der Glänzende, gegeben wird. – Als strafender und verderbender Gott ist er mit Bogen und Pfeilen bewaffnet; daher (J. v. O. I, 4) Sorel’s Worte:

„Den zarten Leib dem glüh’nden Pfeil der Sonne
Preis gegeben.“

Deshalb bezeichnet ihn die Mythen auch als Urheber der durch die Hitze entstandenen Pest und läßt ihn die Menschen scharenweise mit seinen Geschossen erlegen (Homer, Il. I, 43). – Ferner ist er der Gott des Gesanges und des Saitenspiels, der bei den Göttermahlen die von ihm erfundene Cither spielt; daher (Ged. D. Eleusische Fest):

„Aber aus den gold’nen Saiten
Lockt Apoll die Harmonie
Und das holde Maß der Zeiten
Und die Macht der Melodie.“

Auch Einzelne unter den Sterblichen erwählt er zu seinen Lieblingen und beglückt sie mit seiner Kunst, wie Ibykus, von dem es (Ged. D. Kraniche d. Ib.) heißt:

„Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
Der Lieder süßen Mund Apoll.“

Überhaupt ist es eine seiner angenehmsten Aufgaben, die Menschen durch Musik zum Guten und Rechten zu führen; weshalb Zeus (Ged. Semele 2) von ihm sagt:

„Apollo selbst gestand, es sei Entzücken,
Mensch unter Menschen sein.“

Endlich ist er als Gott des Lichtes auch der Gott der Weissagung und Dichtung, wie (Ged. 4. B. d. Aen. 11):

„Phöbus, der das Künftige enthüllt“,

weshalb Semele (Ged. Semele 1) unmittelbar nach Juno’s Prophezeihung mit Beziehung auf die Priesterin, welche zu Delphi die Orakelsprüche ertheilte, in den Ausruf ausbricht: „Pythia! Apollo!“ In dieser Eigenschaft verleiht er auch den Menschen die Gabe, in die Zukunft zu schauen (vergl. Kassandra), überhaupt das Wahre und Schöne zu erkennen. Zugleich ist er (Iph. IV, Zw.-H.) der Chorführer der Musen (s. d.) und als solcher (Ged. Dithyrambe) das Sinnbild dichterischer Begeisterung, weshalb auch der Pegasus (Ged. Peg im Joche) „Phöbus stolzes Roß“ genannt wird. Ebenso ist er der Inhaber verschiedener Orakel; daher (Ged. 4. B. d. Aen. 64):

„Jetzt heißt Apoll’s Orakel nach dem Strand
Des herrlichen Italiens mich eilen“

und (Ged. 2. Bd. d. Aen. 42):

„Apoll’s Orakel spricht
Weissagend aus Kassandren’s Munde“,

Er beschützt die Trojaner, weshalb auch das trojanische Gebiet (Iph. III, Zw.-H.) „Phöbos heilige Erde“ genannt wird. Da ihm hier zu Thymbra ein Tempel errichtet war, so heißt er (Ged. Kassandra) auch der Thymbrier. – Die Künstler stellen den Apollo als eine schöne, jugendlich blühende Männergestalt dar, weshalb sein Name bisweilen auch bildlich gebraucht wird, wie (F. I, 1): „ein blühender Apoll“.

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