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   Literatur
      Schiller, Friedrich
         Horen
            1796: 3. Stück
               Inhalt
               Elegien von Properz
               Ritter von Tourville
               Über moralischen Nutzen
               Romeo und Julie

I.

Elegien von Properz.

Zehnte Elegie

des zweyten Buchs dreyzehnte.

Susa bewafnet sich nicht mit so vielen Pfeilen zum Kriege,
   Als der grausame Gott Stachel mir drücket ins Herz.
Eine geringere Muse gebot er mir nicht zu verachten,
   Und des Askräischen Hayns Schatten zu suchen mit ihr;
Nicht die pierischen Eichen durch meinen Gesang zu entwurzeln,
   Noch von des Ismarus Höhn nach mir zu führen das Wild;
Nein, nur Cynthiens Ohr in süßes Erstaunen zu setzen:
   Linus Zaubergesang weichet dem meinigen dann!
Nicht die schöne Gestalt allein entführet das Herz mir;
   Nicht ein Mädchen das sich glänzender Ahnen berühmt:
Aber mein Lied, das sie fühlt, auf ihrem Schooße zu lesen,
   Ihres gereinigten Ohrs Beyfall ist was mich ergötzt.
Wird mir dieser zu Theil, dann lebe wohl, du verworr’nes
   Mährchen der Stadt! Mich schützt meiner Gebieterin Wort.
Wenn mir nur freundliches Lächeln von ihrer Lippe begegnet,
   Sey mir Jupiter selbst wie er auch wolle gesinnt.
Wann nun künftig die Nacht des Todes mein Auge beschließet,
   Lasse dir sagen wie dann du die Bestattung befolgt:
Nicht umher soll mein Bild im Feyerzeuge man tragen,
   Nicht von der Tuba schall’ eitele Klage dem Ohr.
Mein Bett stütze sich nicht auf helfenbeinerne Pfosten,
   Und mein Leichnam ruh’ nicht auf attalischem Pomp!
Stell’ mir die Reihe nicht hin der duftaushauchenden Schalen!
   Einer Bürgerleich’ kleines Begängniß sey mir.
Drey der Büchelchen sind mir ein prächtiges Leichengefolge;
   Als ein großes Geschenk reich’ ich Persephonen sie.
Du auch folge der Leiche mit wundentblößetem Busen,
   Und mein Nahme sey dir immererwiederter Ruf!
Drücke den letzten Kuß der kalterstarrenden Lipp’ auf;
   Dann mit Narde gefüllt, gieße den Onix mir aus!
Hat nun die untergelegte Glut mich in Asche verwandelt,
   Faß’ ein geringes Gefäß meinen noch übrigen Rest;
Und ein Lorbeer werde gesetzt auf niedrigem Hügel;
   Unter dem Schatten von ihm ruh’ mein verwesend Gebein.
Und es stehen die Verse: „der hier in schauriger Asche
   Lieget, er diente einst Einer in Liebe getreu.“
Weiter wird sich der Ruf von meinem Grabe verbreiten,
   Als von des phtisschen Manns blutbesprüzetem Grab.
Wenn dich, grau nun im Alter, das Schicksal endlich erreichet,
   Suche zu mir den Weg, auch zu demselbigen Stein.
Aber hüt’ dich indeß mein Grab mit Verachtung zu schauen;
   Auch die Erde noch hat irgend von Recht ein Gefühl.
Hätte doch früh in der Wiege von meinen Tagen der Parzen
   Eine, wie sie auch heißt! Schneidend den Faden gelöst!
Denn wozu mir der Athem bey solch verwirrendem Zweifel!
   Dreyer Säklen Lauf machte doch Nestorn zu Staub.
Hätt’ auf Ilions Wällen ein gallisches Schwerdt ihm die langen
   Lebenstage verkürzt, und ihn des Lichtes beraubt:
Hätt’ er das Grab nicht müssen von seinem Antilochus sehen,
   Klagend nicht rufen: warum kommst du so spät mir, o Tod!
Doch du wirst den geschiedenen Freund zuweilen beweinen:
   Nach dem Tode gebührt Liebe noch einem Gemahl.
Als ein grausamer Eber dem schönen Adonis, auf Idas
   Bergen jagend, des Zahns tödtende Wunde versetzt,
Lag der schneeweise Leib in blutigen Sümpfen, und Venus
   Irrte um ihn, wie man sagt, bang mit zerrissenem Haar.
Cynthia, nur umsonst wirst meine Manen du rufen!
   Und was könnte dir auch sagen mein stummes Gebein?

Eilfte Elegie

des dritten Buchs zehnte.

Heute an meinem Bette beym ersten Schimmer Aurorens
   Standen die Musen: ich staunt, horchend auf ihren Befehl.
Und sie gaben das Zeichen zu meines Mädchens Geburtstag:
   Dreymal klatschten sie laut, dreymal ertönte der Ruf.
Jede Wolk’ entweiche! die Luft sey heiter und stille!
   Sanfter küsse des Meers zürnende Woge den Strand!
Mir soll kein Trauerbild an diesem Tage erscheinen:
   Niobes Marmor selbst hemme den thränenden Schmerz.
Es verstumme das Klaglied der traurenden Alcyonen,
   Itys schmerzlichen Fall weine die Mutter nicht mehr!
Wache denn auf, o Geliebte! dem besten Schicksal gebohrne!
   Bringe den Göttern zuerst deine gebührende Pflicht.
Wasche dir dann mit reinlichem Quell den Schlummer vom Auge,
   Lege das zierliche Haar dir mit dem Finger zurecht.
Und dann nimm dir das Kleid worin du zuerst mich entzücket,
   Lasse die Blume nicht fehlen dem lockigten Haupt.
Flehe den Göttern, daß sie dir ewige Reitze gewähren;
   Ewig stehe mein Haupt unter der Herrschaft von dir!
Hast du nun auf bekränztem Altar geopfert den Weyrauch,
   Leuchten durchs ganze Haus glückliche Flammen umher,
So bereite das Mahl; die Nacht vergehe beym Becher!
   Murrhischer Onyr enthauch’ balsamberauschenden Duft!
Möge die Flöt’ ermüden bey unsern nächtlichen Tänzen!
   Deinem Muthwill entschlüpf’ leichter der üppige Scherz!
Niemand denke des Schlafs beym freudetrunkenen Schmause,
   Und der fröhliche Lerm schalle die Strassen hindurch!
Uns bezeichne der Würfel, welch’ Schicksal jedem bevorsteht,
   Wen der Flügel des Kindes peitschet mit strengerem Schlag.
Sind beym truncknen Pokal uns nun die Stunden entflohen,
   Orndet die Weihe, der Nacht Dienerinn, Venus uns selbst.
Auf dem weicheren Lager entrichten wir jährliche Feyer;
   Und so vollenden des Fests zirkelnde Freunde sich uns.

Zwölfte Elegie

des zweyten Buchs vier und zwanzigste.

Jupiter, magst du dich endlich es kranken Mädchens erbarmen?
   Einer so Schönen Tod fiele dir, wahrlich, zur Schuld!
Denn schon nahet die Zeit der allverzehrenden Hitze,
   Und die Erde glüht unter dem Sirius auf.
Doch nicht der Hundstern so hat Schuld, noch der brennende Himmel,
   Als der Frevel, der oft heilige Schwüre nicht hält.
Dieses brachte Verderben so vielen, und wird es noch bringen;
   Führen nicht Wellen und Wind jedes Gelübde davon?
Oder schmerzte Venus vielleicht mit dir die Vergleichung?
   Auch sie, Göttinn und stolz, liebet die Schönen nicht sehr.
Oder verachtetest du den Altar der pelasgischen Juno?
   Sprachst du von Pallas Aug’ nicht mit gebührendem Lob?
Werdet, ihr Schönen, denn nie der Zunge lernen gebieten?
   Wahrlich die Schönheit hat dies, dies dir die Zunge gebracht!
Doch sey getrost! Nach trüben und widerwärtigen Tagen,
   Eilt des sanften Glüks frohere Stunde herbey.
Unter den Heerden gieng mit niederhängendem Haupte
   Io; die brüllende Kuh wird nun die Göttinn des Nils.
Ino schweifte zuerst umher verscheucht und verrirret,
   Und der Schiffer in Noth ruft nun Leukotheen an.
Sieh Andromeden angeschlossen zur Beute dem Seethier,
   Bald des Perseus hernach ehregeschmücketes Weib.
Eine Bärinn durchstreift Arkadiens Wälder Kallisto,
   Nachts lenkt nun der Pilot nach ihr das steuernde Schiff.
Sollte zu eilend ein Schicksal zur früheren Ruhe dich führen,
   Wahrlich dies Schicksal wär dir auch ein seliger Loos!
Semelen könntest du dann der Schönheit Gefahren erzählen,
   Und sie glaubt es: sie hat selbst es, die Arme! geprüft.
Vor dir erheben sich dann die Mäonischen Heroinen
   Alle; keine versagt dir den vorzüglichern Platz.
Folge, so gut du nun kannst, mit wundem Herzen dem Schicksal;
   Auch der Götter Zorn legt sich, es ändert die Zeit.
Zwar verstummet der Kräusel, bey magischen Liedern gedrehet;
   Am verloschenen Heerd knistert der Lorbeer nicht auf.
Luna versagt dem Zaubergesang vom Himmel zu steigen;
   Böser Bedeutungen voll krächzet der Rabe mir zu.
Ein Brett trage der Liebenden Paar auf bläulichem Nachen,
   Hin auf stygischer Fluth segelnd, nach Pluto’s Gefild!
Nicht Ein Leben rettest du, Zeus! du rettest die beyde!
   Nur ihr Leben ist mein’s, mir ist ihr Tod auch der Tod.
Dir verlob’ ich mich dann zu diesem geweiheten Verse:
   „Heil dem Retter Zeus, welcher das Mädchen erhielt!“
In den Schleyer verhüllt sitzt sie an deines Altares
   Fusse, und sie erzählt, was sie für Leiden betraf.
Juno selber wird dir die helfende Güte verzeihen;
   Juno selber beklagt blühender Mädchen Verlust.
Huldreich zeig’ dich auch du, Persephone, unserem Flehen;
   Und laß deinen Gemahl ähnlich an Güte dir seyn!
Habt ihr nicht tausende schon im finstern Reich des Avernus?
   Einer der Schönen doch nur gönnet das himmlische Licht!
Ist Antiope nicht bey euch, und die glänzende Tyro,
   Und Europa, und du, Minos verbrechrisches Weib!
Alle Ionische Schönen, und alle Schönen Achaja’s,
   Alle die Theben erzeugt, Priams zerstöhretes Reich.
Welches römische Mädchen, von seltner Schöne, verschlang nicht,
   Grausamer Tartarus, dein allesverzehrender Schlund!
Schönheit ist sterblich! Es ist kein Glück ausdauernd auf Erden;
   Früh senkt oder auch spät jeden sein Schicksal ins Grab.
Aber o du, mein Leben, aus großen Gefahren entronnen,
   Gieb im Tempel den Tanz, den du Dianen versprachst.
Heilige Wachen der Göttinn, die einst am Nile geweidet;
   Und der Nächte mir zehn, die du gelobet mir hast!

Dreyzehnte Elegie

des zweyten Buchs sechste.

Nicht so voll war das Haus der korinthischen Lais von Freunden,
   Ob ganz Gräzien schon sich vor die Thüre gelegt;
Nicht die Menandrische Thais hat so viel Buhler gewonnen,
   Sie, das Spiel und die Lust des Erichthonischen Volks;
Phrynen selbst – und konnte das eingeäscherte Theben
   Neu sie erbauen – so viel Männer beglückten sie nicht.
Ja, Verwandte erdichtet sich Cynthia, daß ihr nicht fehle
   Einer, dem sie mit Recht reiche die Wange zum Kuß.
Aber diese gemahlten Gesichter, die Nahmen schon, haß’ ich;
   In der Wiege das Kind reitzt mich, ob kaum es noch lallt.
Mich beleid’gen der Mutter zu häufige Küsse, der Schwester,
   Und der Freundinn, die Nachts mit dir im Kämmerchen schläft.
Alles beleidiget mich. Vergieb mir! Entschuld’ge die Schwäche!
   Unter dem wallenden Rock scheint mir verstecket ein Feind.
Sey mir gesegnet die Gattinn Admets, die Genossinn Ulysses,
   Jegliche Frau die das Haus ihres Gemahles verehrt!
Wozu Tempel der Zucht den unverlobeten Töchtern?
   Ist der verehlichten doch alles zu wagen erlaubt.
Wahrlich, die Hand die zuerst die Bilder des schlüpfrigen Leichtsinns
   An die Wände gemahlt, oder zur Schau sie gestellt,
Diese befleckte das Auge des keuschen gesitteten Mädchens,
   Hat ein verderbliches Gift in ihr Gemüthe gehaucht!
Drücke die Erd’ ihn schwer, der durch solche Künste die Reize
   Heimlicher Freuden zum Quell bitterer Kämpfe gemacht!
So verzierte man nicht vor Zeiten Decken und Wände;
   Schuld und Verbrechen sprach nicht von der Mauer herab.
Billig hänget anjetzt die Spinn’ ihr Geweb’ an die Tempel,
   Und das Unkraut steigt auf am verlaß’nen Altar.
Doch wen soll’ ich zum Wächter dir Cynthia, setzen? Wohin die
   Schwelle, über die nie schreite des Frevelnden Fuß?
Die nicht selbst sich bewacht, bey der ist die Sorge vergebens;
   Überall sicher ist die, die des Verbrechens sich schämt.

Vierzehnte Elegie

des zweyten Buchs achte.

Siehe, so lange ist mir das theure Mädchen entrissen,
   Und ich weine, und du spottest der Thränen, o Freund!
Feindschaft der Liebenden ist die allerbitterste Feindschaft;
   Stoß mir das Messer ins Herz leichter ertrag ich es noch.
Sie soll ruhen im Arme des Andern, und ich soll es wissen?
   Sie, die die Meine nur war, ist nun die Meine nicht mehr!
Fielen die beyden Fürsten von Theben, im Streit um die Herrschaft,
   Ihrer Mutter in Arm, unter dem eigenen Stahl:
Und was ward mir zu theil als Knechtschaft? wirft mir nicht ewig,
   Übermüthge, dein Stolz Schmach und Verachtung nur zu?
Lebte Penelope doch in unbescholtener Treue
   Zwanzig Jahre; und ihr huldigte jeder mit Recht.
Klug ersann sie die Arbeit, mit der sie der Freyer Bewerbung
   Von sich hielte; denn Nachts löst’ sie ihr Tagesgeschäft.
Und doch konnte sie kaum den Gatten wieder zu sehen
   Hoffen; veraltete schon in dem Verlangen nach ihm.
Mit der wüthenden Hand die Lilienwange zerfleischend,
   Stürzt auf ihres Achills Leichnam Briseis sich hin;
Wäscht mit traurendem Sinn das Blut von ihrem Gebieter,
   Hin an des Simois gelbliche Furthen gebeugt;
Sie begiesset sein Haar, den ganzen großen Achilleus,
   Und in der kleinen Hand trägt sie sein mächtig Gebein:
Peleus war nicht zugegen, es fehlte die göttliche Mutter,
   Deidamia sah nicht ihr verwittbetes Bett.
Gräzien freute sich damals noch ächten Blutes; es herrschte
   Unter den Waffen selbst Scham und holdseelige Zucht.
Aber du, Sittenlose, in eingezogener Stille,
   Mochtest du nicht den Tag, einsam nicht bleiben die Nacht!
Dich ergözten beym Wein die ausgelassenen Scherze;
   Hab ich nicht selbst vielleicht dir noch zum Spotte gedient?
Ihn, der dich erstlich verließ, den suchst du selber nun wieder;
   Gäben die Götter doch auch diesen dir noch zum Gemahl!
Sind das meine für dich zum Himmel gesandten Gelübde,
   Als um dein krankes Haupt stygische Wasser gerauscht,
Und wir thränend umher ums Bette standen? wo war er
   Damals! Ihr Götter! und was, Treulose, that er für dich?
Und was würdest du thun, wenn zu fernen Waffen ich zöge?
   Wenn in des Oceans Fluth weilte mein trägeres Schiff?
Aber leicht ist es auch Betrug und Worte zu finden;
   Ist noch ein Weib das nicht hiezu die Künste gelernt?
So oft ändert sich nicht der Sand bey wechselnden Winden,
   Nicht so treibet der Nord Blätter des Herbstes umher,
Als im Eifer ein Weib Gelübd und Schwüre verändert,
   Aus dem nichtigsten Grund wie um das nichtigste Werk.
Und ich sollte mich scheuen im Arme des Mädchens zu sterben?
   Hab’ ich mit letzter Kraft ihm nur das Leben geraubt.
Solch ein Schmerz bracht’ tausend unschuld’gen Archivern den Tod einst,
   Als des Atriden Herz sich zu Briseis gewandt.
Solches Übel war Schuld so vieler verderblichen Schlachten;
   Hier erblickst du den Keim jenes Trojanischen Kriegs!
Dieser rasende Unsinn erregte den Streit der Centauren;
   Becher flogen dir schon tapfrer Pirithous, nach!
Was soll Gräzien mir zum Beyspiel dienen! Du selber,
   Wölfingesäugter, du bist aller Verwegenheit Grund!
Unbescholtne Sabinerinnen empfahlst du zu rauben;
   Welcher Frevel ist nun Amorn in Rom nicht vergönnt?
Jener große Achill, als ihm sein Mädchen entführt ward,
   Ließ er die Waffen, und hielt trotzig sich ferne vom Streit;
Sah gleichgültig die Flucht, den Untergang der Achiven,
   Sah, von des Hectors Faust, Dorische Lager im Brand;
Sah des Patroklus gestreckete Leiche vom Staube besudelt,
   Sein bluttriefendes Haar ihm um die Schulter zerstreut;
Alles bewegte ihn nicht, auch ihm ward Briseis geraubet:
   Also raset der Schmerz, wenn man die Lieb’ uns entreißt.
Doch nicht sobald ward ihm die schöne Gefangne gegeben,
   Schleppten schon Hectors Leib thrazische Rosse umher.
Mich, den keine Göttinn gebahr, noch Waffen mir schenkte,
   Ist es Wunder daß mich Amor noch mächt’ger beherrscht?

Funfzehnte Elegie

des zweyten Buchs neunte.

Große Führer der Heere, Gebieter mächtiger Reiche
   Sind gefallen; du standst, Theben! und Troja war einst.
Nichts bleibt so wie es ist; wie sollte die Liebe bestehen?
   Untergang oder Triumph drehet ihr wechselndes Rad.
Dieser ist nun, was ich war; bald wird ein andrer es werden,
   Wenn die Schmach nun auch ihn weg durch den glücklichern reibt.
Welche Geschenke bracht’ ich ihr nicht? was für Lieder ersann ich?
   Und doch entlockt’ ich ihr kaum ein gefälliges Wort.
Hab ich nicht unbesonnener Weise so manche der Jahre,
   Undankbare, dein Haus, dich und die deinen ernährt?
Aber genug, du willsts! Ich will gehorchen dem Ausspruch.
   Götter der Liebe, o schärft! schärft mir die Pfeile noch mehr!
Schießt, durchbohret dies Herz in die Wette! vernichtet mein Leben!
   Nehmt dies Blut von mir hin; nicht ein geringer Triumph!
Armer Properz! so wirst du schon in der Blühte der Jahre
   Hingehen? Aber, o stirb, gieb ihr noch dieses zur Lust!
Meinen Schatten soll sie, sie soll die geschiedene Seele
   Peinigen! Höhnen mein Grab! treten noch auf mein Gebein!
Wie? auf Antigonens Grabe hat doch der böotische Hämon
   Sich, vom eigenen Schwerdt blutend, die Seite durchbohrt?
In sein väterlich Haus nicht ohne das Mädchen zu kehren,
   Hat er mit ihrem Gebein seine Gebeine vermischt.
Aber auch du sollst sterben und nicht dem Schicksal entgehen;
   Unser beyder Blut tropfe vom nämlichen Stahl.
Und ist mir gleich unrühmlich dein Tod, so sollst du doch sterben!
   Sterben sollst du, obgleich mir den unrühmlichen Tod!
Seyd mir Zeugen, ihr Sterne! Ihr frostigen Schauer des Morgens!
   Und du meiner Qual heimlichentriegelte Thür:
Daß mir nichts so theuer im Leben gewesen, als du warst!
   Und auch noch bist du’s, obschon die Feindinn von mir.
Keine Frau soll den Saum von meinem Bette betreten;
   Kann ich der deine nicht seyn, will ich auch keiner mehr seyn.
Möchte noch frommen Tagen, vielleicht mir das Schicksal gewähren
   Daß dir im Arme selbst jener erstarrte zum Stein!

Sechzehnte Elegie

des zweyten Buchs eilfte.

Mögen andere schreiben von dir, mag keiner dich nennen,
   Mag dich loben wer gern sät auf unfruchtbaren Sand.
Glaube mir, alle die Gaben, sie träget alle der letzte
   Schwarze Trauertag fort auf der Bahre mit sich.
Und kein Wanderer steht an deinem Grabe mit Achtung,
   Saget: ein Mädchen war dies, warlich von seltenem Geist!

Ü   Þ

© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle
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