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Vorwort des Herausgebers.Der ersten Auflage des gegenwärtigen Briefwechsels war die folgende Bemerkung hinzugefügt. „Nach dem Tode Schillers ließ sich Körner seine Briefe von der Schillerschen Familie zurückgeben, um in dem Denkmal seines einundzwanzigjährigen Verkehrs mit dem Freunde einen Trost über den Verlust desselben zu finden. Bei der von ihm besorgten Herausgabe von Schillers Werken hat Körner diesen merkwürdigen Briefwechsel auch literarisch benutzt. Obgleich nun die wenigen in den Nachrichten von Schillers Leben aus demselben mitgetheilten Auszüge die Literaturfreunde schon längst auf das Ganze begierig gemacht hatten, so mochte sich Körner doch nicht entschließen können, zu veröffentlichen, was als der beste Theil seines geistigen Lebens ihm an’s Herz gewachsen war, und seine überlebende Frau ehrte das Gefühl des Hingeschiedenen. So fand sich das Manuscript des Briefwechsels, vollständig geordnet, im Nachlasse Körners vor, und ging in den Besitz seines Adoptivsohnes, des Herrn Gutsbesitzers Ulrich in Steinbeck bei Freienwalde a. d. O. über, der in richtiger Würdigung dessen, was der Eigenthümer eines solchen Schatzes der Nation schuldig sei, den Abdruck dieses Briefwechsels gestattete.“ „Der Herausgabe haben wir uns mit derjenigen Pietät unterzogen, die jedem Deutschen eine Reliquie Schillers einflößt. In der That boten auch diese Briefe durchweg einen solchen Reichthum des Inhalts, daß nur für einen verhältnißmäßig kleinen Theil die Verpflichtung zu einem wörtlichen Abdruck derselben zurücktrat. So manches Bedeutungs- und Inhaltslose, Grüße, Aufträge, Besorgungen und was noch Alles zum Geschäftlichen im freundschaftlichen Verkehr gerechnet werden mag, konnte entfernt werden, ohne daß die Auswahl eben nur auf das Bedeutende beschränkt, und dadurch der Charakter des Ursprünglichen und Unmittelbaren, des Bequemen und Gelegentlichen wäre verwischt worden, der ein so wesentliches Merkmal eines aus innerem Herzensdrang geführten Briefwechsels ist. Der bittere Nachgeschmack, den ähnliche Bücher durch rücksichtslose Mittheilung von Urtheilen über Mitlebende hervorgerufen haben, die zum theil noch in die Gegenwart hineinragen, mahnte zur Vorsicht; auch wünschten wir den reinen Genuß an diesen Denkblättern einer seltenen Freundschaft in keiner Weise zu trüben. Und wenn man bedenkt, daß jeder Briefwechsel das Fragment eines Fragments ist, daß ein einziger verloren gegangener Brief, ein dazwischen gesprochenes Wort den harten von der augenblicklichen Erregung dictirten Ausspruch in einem ganz andern Lichte würde erscheinen lassen, so ist manche Schonung gerechtfertigt. Ganz besonders gegen unbedeutende, sonst wenig bekannte Persönlichkeiten, die mit dem Genius in flüchtige Berührung und dadurch, oft ohne ihr Verschulden, in die Gefahr gekommen sind, in einer nicht eben günstigen Situation unsterblich zu werden. Von Solchen, ihren Vettern und Nachkommen, ist denn auch ohne Zweifel das lauteste Geschrei über den Mißbrauch des Briefgeheimnisses ausgegangen und sie werden billig in ihrem eigenen, wie im Interesse des Publicums in Ruhe gelassen. Weniger Rücksicht glaubten wir den öffentlichen Charakteren schuldig zu sein, Männern und Frauen, die durch ihre Schicksale und Leistungen vor dem Urtheil der Welt sich selbst vertreten. Überdies kann Niemand, auch nicht der Größte, über einen bekannten Zeitgenossen urtheilen, ohne sich selber preiszugeben; um so mehr gehören solche Urtheile der Geschichte an. Glücklicherweise hat nur an wenigen Stellen eine durch die Umstände gebotene Rücksicht Weglassungen dieser Art gefordert.“ „Es bedarf wohl kaum der Versicherung, daß wir mit ängstlicher Sorgfalt darüber gewacht haben, auch nicht den geringsten Zug verloren gehen zu lassen, der Schillers theures Bild verlebendigen konnte; aber nicht dieselbe Rücksicht waren wir Körner schuldig. Die persönlichen Beziehungen desselben zu Freunden, Verwandten und Vorgesetzten, seine Pläne aus Aussichten konnten an vielen Stellen getilgt werden, ohne daß das Eigenthümliche in der Wechselwirkung der beiden Freunde, das doch immer die Wurzel der vor uns liegenden Bekenntnisse geblieben ist, von seiner Wahrheit etwas eingebüßt hätte; ja wir hielten uns, namentlich im dritten Theile, berechtigt, die unfruchtbaren speculativen Erörterungen Körners dem Leser um so mehr vorzuenthalten, als Schiller auf dieselben einzugehen wenig Anstalt gemacht, sie vielmehr selbst so gut als bei Seite hatte liegen lassen.“ „Wenn wir nur an wenigen Stellen das Nothwendigste angemerkt und die von mehreren Seiten gestellte Forderung von uns abgewiesen haben, den Text mit einem Beiwerk von Einleitungen und Anmerkungen auszustatten, so glauben wir eher Dank als Tadel zu verdienen. Der Briefwechsel giebt neuen und anregenden Aufschluß über so viele dunkle Gebiete der deutschen Geisteswelt, daß es der verschiedenartigsten Organe bedürfen wird, um seinen Goldgehalt auszubeuten, und ihn für Geschichte und Philosophie, für Literatur, Poesie und Theater nutzbar zu machen. Uns kam es darauf an, das Buch dem Leser zum Genuß und zur Bearbeitung darzubieten, nicht aber, den Genuß zu stören und der Arbeit vorzugreifen.“ „Zum Schluß wollen wir diesen Briefwechsel ganz besonders der deutschen Jugend an’s Herz legen. Ihr vor allen geziemt es, sich an dem edeln Freundschaftsbund zu erheben, in dem die höchste Ausbildung der geistigen und sittlichen Kraft beider Freunde das Ziel, die nackte schonungslose Wahrheit das Mittel gewesen ist. Fern von dem gespreizten Ton, der in andern Kreisen üblich war, spricht jene Grundstimmung in der Seele der Freunde, von dem Augenblick an, wo der schwärmerisch hochgespannte Ton der ersten Anknüpfung durch die persönliche Bekanntschaft überwunden war, in der schlichtesten, natürlichsten Rede und Gegenrede, und leistet eben hierdurch für seine Aufrichtigkeit die beste Bürgschaft. Tiefer als selbstquälerische Bekenntnisse und beschönigende Wahrheit und Dichtung lassen diese Briefe in die Werkstätte des Dichters schauen und geben namentlich über den merkwürdigen Abschnitt seines Lebens erwünschten Aufschluß, in welchem er, durch sanre Geistesarbeit auf dem Gebiete der Geschichte und Philosophie Herr seiner Kräfte geworden, zum Liebling der Nation sich erzogen hat.“ „Durch die unbestechliche Selbsterkenntniß, mit der Schiller sein Wollen und Können, die Stärken und die Schranken seines Genies durchschaut, wird dieser Briefwechsel zu einer geradezu einzigen, in keiner anderen Literatur wieder vorkommenden Erscheinung. Eben deshalb trägt er, wie Alles, was mit Schiller zusammenhängt, eine geistige sowohl wie eine sittliche Bedeutung in sich, und fordert auch im Leser die ganze sittliche Kraft heraus, um sie auf die höchsten Ziele des Menschen und der Menschheit unablässig hinzuweisen.“ Seit der ersten Ausgabe sind die Rücksichten meistens weggefallen, welche Einzelnes zu unterdrücken wünschenswerth und räthlich machten. In der gegenwärtigen Ausgabe ist der Briefwechsel wesentlich so mitgetheilt, wie er geführt wurde; einzelne unterdrückt gewesene Stellen sind ohne Weiteres eingeschalten, ganz neu hinzugekommene Briefe von Schiller sowohl als Körner mit einem Sternchen vor dem Datum bezeichnet und auch einige Briefe Schillers, die den Freundschaftsbund betreffen und bisher nicht veröffentlicht waren, hinzugefügt. Um die Auffindung der in den Literaturgeschichten vorkommenden Verweisungen auf diesen Briefwechsel auch in der jetzigen Ausgabe zu erleichtern, sind die Band- und Seitenzahlen der früheren am Rande beigefügt. Die Verweisungen in den Noten gelten immer nur für die Randzahlen. Die Anmerkungen sind ohne weitern Anspruch gegeben; sie sollen nur die Mühe des Nachschlagens erleichtern oder hin und wider einen Punkt, der in den Briefen dunkel geblieben war, erläutern. Dem zweiten Theile, der den dritten und vierten Band der ersten Ausgabe umfaßt, soll ein Register der im Briefwechsel genannten bedeutenderen Personen beigegeben werden. Göttingen, 13. Nov. 1873. K. Goedeke. |
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