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            Christian Gottfried Körner
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               1804
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Dresden, den 19. Dec. 1801.

Ich kann mir denken, was die Masernepidemie Dir für Unruhe und Sorgen gemacht haben muß. Indessen hast Du auch dies nun überstanden. Meine Kinder sind der Gefahr noch ausgesetzt, ohngeachtet im vorigen Jahre hier fast alle Kinder, selbst in unserer Nähe, diese Krankheit bekamen. Hüte die Kinder nur nachher besonders vor Erkältung in der jetzigen Jahreszeit.

Ich bin sehr begierig auf das, was Du mir zum componiren schicken willst.

Nach Turandot fragt mich Rackenitz sehr ängstlich. Er hat – vermuthlich durch Böttiger – davon gehört, daß das Stück bald in Weimar gegeben werden sollte, und läßt Dich sehr bitten, es ja recht bald an’s hiesige Theater zu schicken.

Deinem Schwager und Schwägerin empfiehl uns und versichere unsern Antheil bei seiner Beförderung. Seine Gesundheit scheint mir nur nicht die festeste und die Reisen nach Rußland dürften ihm auf die Länge nicht gut bekommen.

Ich war neugierig auf Schlegels und Tiecks Almanach, und habe ihn eben vor mir. Spuren von Talent sind nicht darin zu verkennen, aber wehe der Poesie, wenn dieser Geschmack je herrschend werden sollte! – In Tiecks Romanze: die Zeichen im Walde, ist Phantasie, aber die poetische Form ist häßlich. Er hat sie absichtlich gewählt, um das Schauderhafte zu verstärken, aber eben das Gräßliche des Inhalts forderte alle Schönheiten des Rhythmus und des Reims, um den Geschmack zu versöhnen. Und wer ein so braunes Colorit wählen will, muß kräftig zeichnen. Aber dieß ist ihm wenig gelungen. Bis auf einige gute Züge, bei Erscheinung des Teufels und seinem Gang mit dem Sohn, herrscht im Ganzen ein weinerlicher Ton.

In den Lebenselementen ist die Form anmuthiger, aber im Stoffe eine seltsame Mystik von der Art, wie man sie in den meisten Gedichten des Almanachs von beiden Schlegels und von Novalis oder Hardenberg findet. Ich ehre gewiß jedes ächte Gefühl und kann mit jedem sympathisiren, der sich über ein Grashälmchen freut, do erden irgend eine religiöse Vorstellung begeistert. Aber das Universum kann man nicht lieben und nicht darstellen. Darauf geht es doch aber eigentlich bei dieser Secte hinaus; und dieß ist’s, worauf diese Herren so vornehm thun. Das Herz fordert ein Bild von der Phantasie, wenn es sich erwärmen soll, aber diese Poesie giebt keine Bilder, sondern schwebt in einer gestaltlosen Unendlichkeit.

Unter Tiecks Producte in dieser Sammlung hat mir das 2tte Gedicht an Novalis S. 188. am besten gefallen.

In den Tänzern von Sz. sind auch hübsche Stellen.

Schlegels Romanze, die Warnung, ist eben so matt, als seine früheren Gedichte dieser Art. – Die zweite: Fortunat, ist besser, und der Eintritt des Reims an der wichtigsten Stelle macht eine gute musikalische Wirkung. Nächstens vielleicht noch ein paar Worte über diesen Almanach.

               Dein

Körner.

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