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Dresden, 9. Nov. 1801. Die Retzischen Memoires sind angekommen, und Minna dankt Dir besonders für die Lektüre. Daß Du das Gozzische Mährchen jetzt vorgenommen hast, war mir überraschend. Ich glaubte Dich ganz mit dem Warbeck beschäftigt. Indessen hab eich nichts dawider, daß Du die ernsten tragischen Arbeiten auf eine solche Art unterbrichst, besonders wenn Du Dich nicht ganz wohl fühlst. In der Johanna habe ich eine neue Scene zwischen Dunois und Lahire zu Anfang des dritten Aufzugs gefunden, die mir sehr an ihrem Platz scheint. Was Dunois nachher bei Johannas Standeserhöhung sagt, erhält dadurch mehr Gewicht. Auch bemerkt eich einige neue Stellen in einigen Scenen der letzten Acte, wo Johanna vorkommt. Manches ist darin noch deutliche rausgesprochen, was nur geahnet wurde. Dora ist glücklich wieder von Löbichau zurück. Die Herzogin von Curland denkt eine Reise nach Weimar zu machen, und wünscht sehr Deine Bekanntschaft. Es ist eine angenehme Frau von vieler Lebhaftigkeit und Wärme, aber frivol. Geist und Tiefe darfst Du nicht von ihr erwarten1). Wird denn Turandot in Jamben erscheinen? Ich fürchte fast, daß Du den Jamben untreu wirst; und das solltest Du gerade am wenigsten. Auf die Ungeschicklichkeit der jetzigen Schauspieler darf die Kunst nicht Rücksicht nehmen. Dein Körner. 1) Vgl. Charlotte und ihre Freunde 3, 35. Der Freund der Herzogin, mit dem sie zehn Jahre gelebt, hatte sie verlassen und sich in Paris verheiratet. |
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