| Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Schiller, Friedrich Briefe Christian Gottfried Körner Inhalt Vorwort 1784 1785 1786 1787 1788 1789 1790 1791 1792 1793 1794 1795 1796 1797 1798 1799 1800 1801 ... 22.5.1801, an Schiller 27.5.1801, an Schiller 17.6.1801, an Körner 22.6.1801, an Schiller 9.7.1801, an Körner 17.7.1801, an Schiller 20.7.1801, an Körner 27.7.1801, an Schiller 31.7.1801, an Körner 22.9.1801, an Schiller 23.9.1801, an Körner 25.9.1801, an Schiller 5.10.1801, an Körner 4.10.1801, an Schiller 7.10.1801, an Schiller 19.10.1801, an Körner 25.10.1801, an Schiller 2.11.1801, an Körner 9.11.1801, an Schiller ... 1802 1803 1804 1805 |
Leipzig, 22. September 1801. Ich kann mich noch nicht recht wieder daran gewöhnen, daß ich Dich entbehren muß; aber ein schöner Nachhall ist von unserm jetzigen Beisammensein zurückgeblieben. Dein Bild steht lebendiger vor mir, und ich weide mich an der Gesundheit und Kraftfülle Deines Geistes. Deine herrschende Stimmung ist unbefangen und heiter, und immer vorwärts strebst Du auf Deiner Bahn. Nur Dein Körper könnte Deine Thätigkeit beschränken; aber auch für diesen habe ich jetzt weniger Besorgnisse. Deine äußeren Verhältnisse sind in vielem Betracht günstiger, und müssen noch günstiger werden. So erscheint mir Deine Existenz, und indem ich sie mir aneigne, fühle ich die meinige bereichert und verschönert. Jetzt werde auch ich meine Kräfte aufbieten, um in meiner Sphäre thätig zu sein, und so wird die Zeit bis zu unsrer Wiederzusammenkunft unmerklich verschwinden, und es wird scheinen, als ob wir nun wenige Tage getrennt gewesen wären. Gestern früh suchte mich Ochsenheimer1) auf. Er beklagte sehr, Dich nicht gesehen zu haben, und tröstet sich mit Deiner Zurückkunft in künftigem Frühjahre. Sein Betragen ist sehr einfach und anständig. Er hat durchaus nichts von Affectation oder Anmaßung, spricht bescheiden und verständig; kurz, er hat mir so wohl gefallen, daß ich in Dresden ihn öfter sehen werde. Geßler findet auch viel Behagen an ihm, und nächsten Winter werden wir vielleicht manchmal uns den Genuß geben, Scenen mit ihm zusammen zu lesen. Maria Stuart verliert mehr in der Vorstellung, als die Jungfrau von Orleans. Diese ist überhaupt allgemein faßlicher; jene fordert eine höhere Bildung bei den Schauspielern und bei dem Publicum. Die Hartwig hat indessen sehr gut gesprochen und gespielt, und war hier vielleicht mehr an ihrem Platze, als in der Johanna. Ochsenheimer hat das Seinige als Burleigh gethan. Aber die andern Rollen verloren größtentheils zu viel. Christ als Melvil würde Dir jedoch nicht mißfallen haben. Figur, Spiel und Sprache waren passend. Nur wird man in der Schnee selbst durch die Weglassungen gestört, wenn man das Stück ganz kennt. Wenn Dichter und Schauspieler nicht alles aussprechen dürfen, was diese Situation fordert, so wollte ich lieber die ganze Scene auf dem Theater entbehren, als immer an die Schranken der Darstellung erinnert werden, die aus ärmlichen Begriffen von der Kunst entstehen. Optiz ist gut angezogen, und gefällt durch Figur und Bewegung. Tiefe und Geist darf man bei ihm nicht suchen. Die Schirmer als Kennedy spielt und spricht mit Verstand und Gefühl; nur hat sie zuviel Monotonie. Haffner als Talbot hat zu viel Weichheit und zu wenig Würde. Schirmer als Mortimer ist platt, und in der letzten Scene mit Maria zuweilen Karikatur. – Ich werde durch ein Heer Besuche unterbrochen. – Morgen ist Wallensteins Lager. – Alles grüßt herzlich. Dein Körner. 1) Ferd. Ochsenheimer, 1756 in Mainz geboren, seit 1800 Schauspieler in Dresden, starb 1822 in Wien. Er schrieb Schauspiele und ist als Entomolog bekannt. |
|
© 1999 - 2005 Copyright by Jürgen Kühnle |
|