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      Schiller, Friedrich
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            Christian Gottfried Körner
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                  ...
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                  6.8.1800, an Schiller
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                  23.11.1800, an Schiller
                  29.12.1800, an Schiller
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               1802
               1803
               1804
               1805

Dresden, den 29. Dec. 1800.

Der Schluß des Jahrhunderts hat wieder eine Pause in unserm Briefwechsel gemacht. Nach Deinem letzten Briefe1) könntest Du wohl mit den Anstalten zu den Feierlichkeiten beschäftigt sein, wovon Du mir schreibst. Aber hier sagt man, der Herzog von Weimar wolle diese fröhlichen Feste wegen des jetzigen Kriegs nicht erlauben. Laß mich nur das von Deinen und Goethens Ideen genießen, was sich durch Worte mittheilen läßt, und schicke mir die Gedichte, die etwa schon fertig waren.

Hier hört man noch nichts von den Feierlichkeiten zu diesem Behuf. Vielleicht werden ein Paar Kanonen gelöst. Dresden ist überhaupt kein Himmelsstrich für poetische Blumen.

Meine ökonomischen Umstände verbessern sich zu Anfang des neuen Jahrhunderts. Biedermann, dessen Du Dich vielleicht noch erinnerst, erhält das Directorium eines Departements des Geh. Finanz-Collegii, ein Geheimer Referendar wird Cabinets-Secretair an seiner Stelle, und ich komme dadurch zum Genuß der Sporteln, die mit der letzten Referendar-Stelle nicht verbunden sind, und die jährlich beinahe 500 Thlr. betragen.

Die Meinigen sind alle gesund, und das häusliche Fest am Weihnachts-Vorabend, das ich sehr liebe, ist ungestört gefeiert worden.

Ich habe vor kurzem erst Tiecks Genoveva gelesen, und viel ächtes poetisches Talent darin gefunden. An Phantasie und Innigkeit des Gefühls fehlt es Tiecken gewiß nicht. Auch hat er schon ziemliche Gewandtheit in Sprache und Versification. Seinen Geschmack halte ich noch nicht für ausgebildet; aber unter den jetzt angehenden Dichtern weiß ich keinen, der sich mit ihm messen könnte. Er wird auf Ostern hierherkommen, und eine Zeitlang hier leben. Ich wünschte seine Bekanntschaft zu machen, und wenn er Zutrauen zu mir faßte, könnte ich ihm vielleicht auch sonst nützlich sein.

Was sagst du zu Wielands Aristipp? Die gewohnte Weitschweifigkeit abgerechnet, sind manche Sachen darin, die man mit Vergnügen liest. Der Ton ist auch besser in dem Costüm gehalten als beim Agathon, und hat zuweilen eine Lebhaftigkeit, die man in Wielands späteren Jahren nicht erwartet hätte.2)

Fichte hat ein abenteuerliches Product herausgegeben – den geschlossenen Handelsstaat. Mir hat besonders Spaß gemacht, daß ihm beim Verbot aller Einfuhre der Wein doch noch zu rechter Zeit eingefallen ist, den er sich nicht aus der Mark Brandenburg verschreiben mag.3) Um sich zu helfen, weiß er keinen Ausweg, als den Staat zum Weinlieferanten zu machen. Übrigens wäre es Zeit, daß man diesen philosophischen Attila einmal in seinem Lande bekriegte, damit er uns nicht alle unsere Felder und Gärten nacheinander verheert. Aber in seinem Lande sind nichts als öde Wüsten, wo kein Halm wächst. Indessen wird diese politische Ketzerei wenig schaden. Solche Einschränkungen als er vorschlägt, könnten nur allenfalls unter Robespierres Schreckensystem gewagt werden.

Herzliche Grüße von uns allen an Dich und Dein Weibchen. Tritt fröhlich und heiter in das neue Jahrhundert.

               Dein

Körner.

Ü    Þ


1) Nicht dem vom 16. Nov. Der Kalender führt am 18. Dec. Einen Brief an Körner auf, der verloren ist. ­
2) Aristipp und einige seiner Zeitgenossen. Leipz. 1800-1802. 4 Bde. Werke Leipz. 1825 Bd. 36-39.
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3) „Nur für den Einen Fall ließe sich die Beibehaltung eines ausländischen Handels denken; für folgenden: der Anbau eines Produktes, – sei es der Wein, – ist in Einem Klima, z. B. in den sehr nördlich gelegenen Ländern, obgleich nicht durchaus unmöglich, doch sehr unvortheilhaft, dagegen einem andern, etwa im südlichen Frankreich, sehr vortheilhaft.“ (Fichte, der geschlossene Handelsstaat. Tübingen 1800 S. 272.)
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