| Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Schiller, Friedrich Briefe Christian Gottfried Körner Inhalt Vorwort 1784 1785 1786 1787 1788 1789 1790 1791 1792 1793 1794 1795 1796 1797 1798 1799 1800 ... 16.1.1800, an Schiller 17.3.1800, an Schiller 24.3.1800, an Körner 10.4.1800, an Schiller 16.6.1800, an Körner 26.6.1800, an Schiller 29.6.1800, an Schiller 3.7.1800, an Körner 9.7.1800, an Schiller 13.7.1800, an Körner 17.7.1800, an Körner 22.7.1800, an Schiller 25.7.1800, an Schiller 28.7.1800, an Körner 6.8.1800, an Schiller 3.9.1800, an Körner 10.9.1800, an Schiller 21.10.1800, an Körner 27.10.1800, an Schiller ... 1801 1802 1803 1804 1805 |
Weimar, 13. Jul. 1800.1) Es ist mir ein großer Trost von Dir zu hören, daß der Mangel an demjenigen Interesse, welches der Held oder die Heldin einflößen, der Maria Stuart bei Dir nicht geschadet hat. Du sagst ganz recht, daß die Hauptpersonen das Herz nicht anziehen – und ich kann nicht leugnen, daß dies der Punkt war, wo ich beim Wallenstein mit Dir dissentirte. Denn in Deinem Urtheil über den letzteren glaubte ich noch etwas zu sehr Stoffartiges zu bemerken, weil Du mir auf den Max Piccolomini ein zu großes Gewicht legtest, ja voraussetztest, daß er in den Piccolomini die Hauptperson vorstellen sollte, und den Wallenstein verdunkeln. Nach meiner Überzeugung hat das moralische Gefühl niemals den Helden zu bestimmen, sondern die Handlung allein, insofern sie sich auf ihn allein bezieht, oder allen von ihm ausgeht. Der Held einer Tragödie braucht nur so viel moralischen Gehalt, als nöthig ist um Furcht und Mitleid zu erregen. Freilich macht man schon längst andere Forderungen an den tragischen Dichter, und uns allen ist es schwer, unsere Neigung und Abneigung bei Beurtheilung eines Kunstwerks aus dem Spiel zu lassen. Daß wir es aber sollten, und daß es zum Vortheil der Kunst gereichen würde, wenn wir unser Subject mehr verleugnen könnten, wirst Du mir eingestehen. Da ich übrigens selbst, von alten Zeiten her, an solchen Stoffen hänge, die das Herz interessiren, so werde ich wenigsten suchen, das eine nicht ohne das andere zu leisten; obgleich es der wahren Tragödie vielleicht gemäßer wäre, wenn man die Gelegenheit vermiede, eine stoffartige Wirkung zu thun. Mein neues Stück wird auch durch den Stoff großes Interesse erregen, hier ist eine Hauptperson und gegen die, was das Interesse betrifft, alle übrige Personen, deren keine geringe Zahl ist, in keine Betrachtung kommen. Aber der Stoff ist der reinen Tragödie würdig, und wenn ich ihm durch die Behandlung soviel geben kann, als ich der Maria Stuart habe geben können, so werde ich viel Glück damit machen. Sei doch so gut, mir, wenn Du kannst, einige Hexenprocesse und Schriften über diesen Gegenstand zu verschaffen. Ich streife bei meinem neuen Stück an diese Materie an und muß einige Hauptmotive daraus nehmen. Wegen der Lauchstädter Partie erwarte ich nur von dorther Nachricht, wann eine neue Vorstellung der Maria angesetzt ist. Es würde mich herzlich erfreuen, Euch wieder zu sehen. Meine Frau, die heute erst von Rudolstadt wiederkam, grüßt Euch alle herzlich. Dein S. 1) Antwort auf Körners Brief, der erst am 14. in Weimar ankam, also wohl vom 15. zu datieren. |
|
© 1999 - 2005 Copyright by Jürgen Kühnle |
|