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Dresden, den 17. März 1800. Ich glaubte Dich so sehr mit Deinem neuen Werke beschäftigt, daß mich Dein langes Stillschweigen weniger wunderte, und von Deiner Krankheit1) hörte ich nicht eher, als bis Deine liebe Frau die Freundschaft hatte, mir von Deiner Genesung zu schrieben. Nach ihren Nachrichten darf ich jetzt das Beste für die Zukunft hoffen, und der Anfall scheint eine wohlthätige Krise gewesen zu sein. Hüte Dich nur jetzt vor anstrengenden Arbeiten, bis Du Dich ganz wiederhergestellt fühlst. Sollte Dir nicht eine Reise im nächsten Sommer besonders wohl thun? Alsdann könnte ich hoffen, Dich vielleicht hier zu sehen. Denn bei mir wird es dies Jahr wohl schwerlich zu einer Reise kommen. Länger als 8 bis 14 Tage kann ich in meiner jetzigen Stelle nicht füglich abwesend sein, und für einen so kurzen Aufenthalt bei Dir fürchte ich die Beschwerden der Reise für Minna und Dora, die gar kein Reisetalent haben. Denke der Sache nach und laß Dich keine Hindernisse nicht abschrecken. Du bist unabhängig, kannst Dir zur Reise Zeit nehmen, die bequemste Straße, die besten Nachtquartiere aussuchen. Es wäre gar zu schön, wenn wir wieder einmal einige Wochen zusammen verleben könnten. Vielleicht entschlösse sich auch Goethe, Dich zu begleiten. Meine Verhältnisse sind übrigens die nämlichen, außer daß mir meine Stelle nach und nach immer mehr Zeit zu freier Disposition übrig läßt. Noch bin ich aber in Stunden der Muße bloß mit mir selbst beschäftigt. Ich muß vor Allem mit der Philosophie aufs Reine kommen, wozu ich am meisten Geschick zu haben glaube. Die Reden über Religion habe ich gelesen und einige geistvolle und fruchtbare Ideen darin gefunden. Aber das Ganze ist noch nicht gehörig verarbeitet. Für die Andeutung ist zu viel, und für die klare Darstellung zu wenig gesagt. Zuweilen trifft man auch auf Paradoxenkram im Schlegelschen Geschmack. Der Styl ist ungleich und ohne die Ruhe des vollendenten Nachdenkens. Mir scheint das ganze eine jugendliche Arbeit eines guten Kopfs, dessen Geschmack noch nicht ausgebildet ist. Fichtens Bestimmung des Menschen ist ein merkwürdiges Product, das ich aber noch nicht genug studirt habe. Auch hier bemerkt man den harten, zerstörenden, herzlosen Charakter seiner Philosophie. Aber von dieser Seite darf sie nicht angegriffen werden. Jacobi hat dem Publicum weiß gemacht, daß sie auf andere Art unwiderleglich sei; aber das bezweifle ich noch sehr. Der Krieg muß nur offensiv gegen ihn geführt werden; und dazu hätte ich große Lust, wenn ich Zeit hätte. Dein Körner. 1) Vgl. Charlotte von Schiller und ihre Freunde 3, 168 ff. 1, 378, 454 f. 493. Schillers Kalender S. 91; vom 16. Febr. Bis 22. April fehlt die Correspondenz im Kalender völlig. |
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