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Dresden, den 6. Nov. 99. Daß wir alle herzlichen Antheil an Deiner traurigen Lage nehmen, wirst Du uns zutrauen. Schreib’ uns ja mit nächster Post nur ein Paar Zeilen, wie es Deiner guten Frau geht. Da die übeln Zufälle erst kurz nach der Niederkunft entstanden sind, so hängen sie wohl mit den gewöhnlichen Übeln der Wöchnerinnen zusammen, und sind hoffentlich auch nicht von längerer Dauer. Vergiß Dich selbst nicht zu sehr. Deine Gesundheit schien seit einiger Zeit sehr gewonnen zu haben. Denke an das, was Du Deiner Frau, nicht bloß in dem gegenwärtigen Augenblicke, und Deinen Kindern schuldig bist, und muthe Dir nicht zuviel zu. Du schreibst nichts von Deiner Tochter. Hoffentlich ist das Kind gesund, und es freut mich, daß Dein Wunsch auch eine Tochter zu haben, nun erfüllt ist. Die Weiblichkeit in den Kinderjahren macht einen gar lieblichen Eindruck, der mir an meiner Emma oft sehr wohlthut. Auch Du würdest an ihr jetzt viel Freude haben. Sie macht im Zeichnen beträchtliche Fortschritte, und zeigt überhaupt viel Fähigkeit und Ernst bei allem was sie unternimmt. Dabei ist sie glücklicher Weise ein unbefangenes heiteres Geschöpf geblieben; und wenn sie von der Gallerie nach Hause kommt, wo man über ihr Copiren ihr viel Schönes gesagt hat, spielt sie mit ihrer Puppe, als ob nichts vorgefallen wäre. Der Almanach ist reicher, als ich nach Deinen Äußerungen erwarten konnte. Das Lied von der Glocke kann sich besonders neben Deine vorzüglichsten Producte stellen. Es ist ein gewisses Gepräge von deutscher Kunst darin, wie in dem Gange nach dem Eisenhammer, das man selten ächt findet, und das manchem bei aller Prätension auf Deutschheit sehr oft mißlingt. – Die Schwestern von Lesbos sind das Product einer guten Schule, was das Ganze und die Haltung des Tons betrifft. Das Weibliche ist zart und fein darin dargestellt, weniger glücklich der männliche Charakter. Vielleicht könnten auch die Verse hier und da noch Feile vertragen. Ein Mehreres nächstens, wenn Du ruhiger bist, um etwas dieser Art zu lesen. Dein Körner. |
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