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Dresden, den 12. April 96. Noch hat sich nichts ereignet, was unsre Reise hindern könnte, und sie bleibt, wenn nicht inzwischen etwas vorfällt, auf künftigen Sonntag über 8 Tage, als den 24sten, festgesetzt. Wir bringen auch Graf Geßlern mit. Er war schon vor etlichen Wochen nach Italien abgereist; aber auf den ersten Stationen fühlte er, daß seine Gesundheit die Reise noch nicht vertragen konnte, kehrte um, und ließ seinen Gesellschafter voraus nach Regensburg reisen, wo er ihn nunmehr abholen wird, wenn er mit uns in Jena gewesen ist. Schlegel ist hier, und gefällt mir recht wohl. Er hat mehr Politur als der jüngere Bruder, ohne Flachheit. Für das Vortreffliche in der Kunst hat er ächten Enthusiasmus, und im Umgange viel Leichtigkeit und guten Humor. Seine Übersetzungen aus dem Shakespeare, wovon Du schon etwas hast, machen ihm gewiß Ehre. Unter den neuen Meßproducten habe ich zur Zeit nur Fichtens Grundlage des Naturrechts. Aber wenn jede Messe nur ein einziges solches Product brächte, könnte man schon zufrieden sein. Ohne Kant würden wir vielleicht keinen Fichte haben; aber Fichte verdanken wir eine Ernte von Kantens Aussaat, die wir sonst schwerlich zu erwarten gehabt hätten. Was Abstraction ist, habe ich fast nirgends in einem philosophischen Producte in solcher Vollkommenheit gefunden. Dies allein ist es auch, was seine Schriften so schwer zu lesen macht. Sonst hat sein Styl vor dem Kantschen große Vorzüge: er vermeidet unnöthige Kunstwörter; seine Perioden sind kurz, und nicht durch eingeschobene Sätze verdunkelt. Sein Ausdruck strebt auf Kosten des Wohlklangs nach der höchsten Deutlichkeit und Bestimmtheit. Für diesen Zweck hat er den Muth, dasselbe Wort, was für ihn unentbehrlich ist, unzählige Mal zu wiederholen, und wem es um die Sache zu thun ist, wird ihm dies ebenso wenig verargen, als es dem Mathematiker verargt wird, wenn man die Zeichen +, -, = u. s. w. 20 mal auf einer Seite findet. Aber in der Abstraction muß man ihm folgen können, muß die Einbildungskraft wie er beherrschen, daß sie nichts Concretes in den reinen Begriff mische. Dies kostet Anstrengung. Dagegen aber hat sich die Phantasie, däucht mich, an ihm gerächt – so wie an Kanten – wo er ihrer bedurft hätte. Wo er für die Praxis Vorschläge thut, hat er sich die möglichen Fälle oft einseitig gedacht. Besonders gilt es, wie mir scheint, von seinen Ephoren. In dem metaphysischen Theile kann ich schon jetzt fast alles unterschreiben, und ich ahne, daß mir, wenn ich ihn genauer prüfe, nichts übrig bleiben wird, als Fichtes Commentator zu machen; ohngeachtet ich mich seit mehreren Jahren mit diesem Gegenstande beschäftige. Dein Körner. |
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