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Dresden, den 22. März 96. Noch hat sich nichts ereignet, was unsere Reise hindern könnte. Auch habe ich schon meinen Urlaub für den Monat Mai genommen, und die Woche vorher gehört zu unsern Meßferien. Bei uns ist jetzt alles gesund. Bleibt es so, so geht es auf den Sonntag1) über 4 Wochen fort. Schone Dich nur recht unterdessen, daß wir Dich womöglich ungestört genießen können. Daß Du nicht ängstlich für die Horen zu sorgen brauchst, freut mich sehr. Funk wird nun wohl auch fleißig sein. Wenigstens sehe ich aus seinem letzten Briefe, daß er mit Ernst an die italienische Geschichte geht.2) Schlegel ist auch für manche Fächer zu brauchen, besonders für’s historische, wie er beim Ugolino gezeigt hat. Wenn wir alle in Jena beisammen sein werden, wird uns vielleicht manches Gutes für die Horen einfallen. Voßen kennen zu lernen, ist mir interessant. Einige Härten mag er übrigens im Charakter haben. Seine Art mit Heyne zu polemisiren gefällt mir nicht, obwohl Heyne größtentheils unrecht haben mag. Das neue Stück der Horen enthält doch manches Gute. Engels Erzählung ist hübsch behandelt, wenn sie auch ein wenig lang ausgesponnen ist. Er scheint zu den Schriftstellern zu gehören, die sich gern lesen; wie mancher im Gespräch sich gern reden hört. Der Frau von Stael hast Du wohl durch die Übersetzung zu viel Ehre erweisen lassen. Einzelne gute Bemerkungen findet man wohl; aber im Ganzen herrscht eine gewisse Schwäche mit großer Prätension verbunden. Wahrscheinlich ist das Fleisch bloß wegen der Sauce vorhanden, auf die ich sehr neugierig bin. Sollte vielleicht Goethe die Anmerkungen machen wollen? Schlegels Aufsatz ist etwas trockener im Vortrage, als die ersten Briefe, und befriedigt noch nicht in Ansehung des Stoffs, ob es wohl nicht an fruchtbaren Ideen fehlt. Der Tourville schient das Product eines guten Kopfs, dem es nur noch an Übung im Style mangelt. Dieser ist manchmal vernachläßigt, manchmal zu sehr geschmückt. Indessen liest man diesen Aufsatz mit Vergnügen; und der Verfasser sollte mehr von dieser Art für die Horen liefern. Hufeland, dem Juristen, sage doch, daß ich seinen Brief erhalten habe, und seinen Auftrag besorgen würde. Er will Nachricht von einer Statue in des Inspector Wackers Nachlaß. Schon habe ich mich bei seinem Nachfolger Professor Becker, und andern Kunstliebhabern vergebens darnach erkundigt. Jetzt will ich unmittelbar bei den Erben nachfragen. Daß wir Humboldts Wohnung haben können, ist recht schön. Was macht er denn? Ich habe seit langer Zeit keine Nachricht von ihm, und er soll jetzt etwas kränklich sein. Für die Horen hat er lange nichts geliefert. Vielleicht kann ich jetzt ein Paar Tage ungestört arbeiten. Wenigstens pressiren mich die Acten nicht. Dein Körner. 1)
27. März.
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