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            Christian Gottfried Körner
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                  28.1.1796, an Schiller
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Dresden, den 20. Jan. 96.

Dein Aufsatz über sentimentalische Dichter1) hat mir viel Freude gemacht. Ich habe viel neue und fruchtbare Ideen darin gefunden, und der Ton des Ganzen ist schön gehalten. Deine Freimüthigkeit wird Dir vielleicht Feinde machen; aber die Art, wie Du Dein Urtheil äußerst, ist so anständig und schonend, daß Du das unbefangene Publicum gewiß größtentheils auf Deiner Seite hast. Gegen manches Urtheil würde ich vielleicht etwas einwenden. Ardinghello2) z. B. möchte ich gegen Dich in Schutz nehmen. Was ich bei einer andern Gelegenheit mehr von Dir erörtert wünschte, ist der Unterscheid zwischen den plastischen und musikalischen Dichtern.

Unter den Gedichten ist mir: die alten und neuen Dichter das liebste. Archenholzs Aufsatz3) ist in einem guten Tone geschrieben, aber freilich, wie alle seine Arbeiten flach.

Herder möchte ich eben gern in einer solchen Sammlung vor Woltmann und anderen mehr hervorragen sehen. Seinen Geist erkenne ich wohl, aber an Kunstfertigkeit scheint’s ihm manchmal zu fehlen. Weniger habe ich dies in der Terpsichore gefunden, wo er oft recht glücklich versificirt hat. Im Musenalmanach war mir auch manchmal der Gedanke bei ihm nicht poetisch genug.

Mit meinem Aufsatz geht mir’s sehr übel. Ich hatte schon einige Fortschritte gemacht, als eine ziemliche weitläuftige Actenarbeit, die ich zu machen habe, pressirt wurde. Du darfst also zum IIIten Stück noch nicht auf mich rechnen.

Daß Du die ästhetischen Briefe schließen willst, ist doch Schade. Über die energische Schönheit hätte ich so gern noch manches von Dir lesen mögen. Schreib’ mir ja gleich, wenn Du Dich für eine dichterische Arbeit bestimmt hast. Das Schauspiel möchte ich Dir nicht gern erlassen. Der Musenalmanach kann Dich doch nicht zu viel Zeit kosten. Um Beiträge zu schreiben brauchst Du gewiß nicht.

Funken wirst Du gesprochen haben. Hoffentlich wirst Du von ihm nun bald etwas für die Horen erhalten.

Thielemann wird vielleicht noch bleiben können, wenn überhaupt nicht marschirt wird. Alsdann, glaube ich, könnte man ihn bei der Literatur-Zeitung für das militairische Fach brauchen. Wenn dies noch nicht besetzt ist, so engagire doch die Sache. Ich wünschte ihm eine solche Beschäftigung.

Ich werde unterbrochen.

               Dein

Körner.

Ü    Þ


1) Im 12. Heft der Horen 1795. ­
2) Von Heinse.
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3) Sobiesky, ein histor. Fragment; Horen Heft 12, S. 62.
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