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D. 19. Febr. 93. Ich kann noch einige Zeilen zu dem gestrigen Brief beilegen und will Dir die fabula docet der erzählten Geschichte nicht länger schuldig bleiben. Die Schönheit der fünften Handlung muß in demjenigen Zuge liegen, den sie mit keiner der vorhergehenden gemein hat. Nun haben: 1) alle 5 helfen wollen. 2) Die meisten haben ein zweckmäßiges Mittel dazu erwählt. 3) Mehrere wollten es sich etwas kosten lassen. 4) Einige haben eine große Selbstüberwindung dabei bewiesen. Einer darunter hat aus dem reinsten moralischen Antrieb gehandelt. Aber nur der fünfte hat unaufgefodert, und ohne mit sich zu Rathe zu gehen geholfen, obgleich es auf s(eine) Kosten ging. Nur der fünfte hat sich selbst ganz dabei vergessen, und „seine Pflicht mit einer Leichtigkeit erfüllt, als wenn bloß der Instinct aus ihm gehandelt hätte.“ – Also wäre eine moralische Handlung alsdann erst eine schöne Handlung, wenn sie aussieht wie eine, sich von selbst ergebende, Wirkung der Natur. Mit einem Worte: eine freie Handlung ist eine schöne Handlung, wenn die Autonomie des Gemüths und Autonomie in der Erscheinung coincidiren. Aus diesem Grunde ist das Maximum der Charaktervollkommenheit eines Menschen moralische Schönheit, denn sie tritt nur alsdann ein, wenn ihm die Pflicht zur Natur geworden ist. Offenbar hat die Gewalt, welche die praktische Vernunft bei moralischen Willensbestimmungen gegen unsere Triebe ausübt, etwas Beleidigendes etwas Peinliches in der Erscheinung. Wir wollen nun einmal nirgends Zwang sehen, auch nicht, wenn die Vernunft selbst ihn ausübt; auch die Freiheit der Natur wollen wir respectirt wissen, weil wir „jedes Wesen in der ästhetischen Beurtheilung als einen Selbstzweck“ betrachten, und es uns, denen Freiheit das Höchste ist, ekelt (empört), daß etwas dem anderen aufgeopfert werde, und zum Mittel dienen soll. Daher kann eine moralische Handlung niemals schön sein, wenn wir der Operation zusehen, wodurch sie der Sinnlichkeit abgeängstigt wird. Unsere sinnliche Natur muß also im Moralischen frei erscheinen, obgleich sie es nicht wirklich ist, und es muß das Ansehen haben, als wenn die Natur bloß den Auftrag unserer Triebe vollführte, indem sie sich, den Trieben gerade entgegen, unter die Herrschaft des reinen Willens beugt. Du siehst aus dieser kleinen vorangeschickten Probe, daß meine Schönheitstheorie von der Erfahrung schwerlich zu fürchten haben wird. Ich fordere dich auf, mir unter allen Schönheitserklärungen, die Kantsche miteingerechnet, eine einzige zu nennen, die das uneigentliche Schöne so befriedigend auflöste, als, wie ich hoffe, hier geschehen ist. Schreibe mir sobald Du kannst wieder. Binnen 8 Tagen werde ich wieder einen solchen Lastwagen an Dich abgehen lassen. Dein S. |
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