Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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            Christian Gottfried Körner
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Weimar, 26. August 1787.

Sechs Tage war ich in Jena und komme in voriger Nacht erst zurück. Ich bin etwas spät aufgestanden, und in einer halben Stunde geht die Leipziger Post ab. Also nur ein Paar Zeilen, bis ein größerer Brief abgehen kann, welches kommenden Donnerstag1) sein wird.

Deine zwei letzten Briefe habe ich erhalten. Zum Glück war ich eben bei einem Conzerte, wo Mlle. Schröder aus der Iphigenie declamirte, als ich die Schreckenspost von Thänens Tode2) erhielt. Ich wußte in der Geschwindigkeit nicht, was mir unerwarteter und Dir erwünschter hätte begegnen können, als dieser possirliche Todesfall. Was mein Scharfsinn, den du dabei aufrufst, herausbrachte, war, daß es jetzt ziemlich in Deiner Gewalt sein muß, diese leere Stelle in Ayrers Testament und Herzen zu besetzen. Aber ich rathe Dir dennoch erstlich auf Deiner Hut zu sein. – denn die liebenswürdige Familie wird nichts unversucht lassen, Dir den Rang abzugewinnen, und sie ist um so viel schlauer und feiner, als Du stolzer und ehrliebender bist. Was Du jetzt vernachlässigst, kannst Du schwerlich hereinbringen, darum wärs gut gethan, Deine Aufmerksamkeit für den alten Mann bis beinahe zur Zudringlichkeit zu verdoppeln. Anlässe finden sich immer, wenn man sie nutzen will. Auf alle Fälle aber scheint mir die Veränderung günstig zu sein. Die Idee mit Fleischer ist gut ausgedacht, vorausgesetzt, daß Du auf seine thätige Mitwirkung und Dankbarkeit rechnen kannst.

Was ich Dir über Jena und meinen dortigen Aufenthalt sagen kann, ist für den jetzigen Brief zu weitläufig. So viel vorläufig, daß ich es nicht bereue, diese kleine Reise gemacht zu haben. In dieser Woche gehe ich nach Meiningen. Deinen nächsten Brief kannst Du also dahin unter der Adresse Rath Reinwalds an mich schicken. Von hier aus schreibe ich Dir noch einmal.

Grüße alle herzlich von mir. Charlotte empfiehlt sich Euch. Adieu.

S.

N. B. Eben kommt Dein Brief vom 24. August an. Du hast mich in meinem letzten Brief falsch verstanden. Wie wenig mir der Aufenthalt zu Weimar frommen kann, müssen Dir meine vorhergehenden bewiesen haben. Den Herzog brauche ich nicht zu erwarten, weil ich nichts an ihn zu suchen habe. Voigt ist schon 10 Tage verreist, Frau von Stein gleichfalls, und diese ist mir gar nichts. Herr von Kalb reist über Meiningen, Charlotte wird auch in der Gegend mit ihm wohnen. Meine Gegenwart in Meiningen ist mir zuträglich, und von einer Seite ist sie auch nothwendig. In Weimar selbst weiß niemand anders, als daß ich zurückkommen werde. Mein hiesiger Aufenthalt kostet mir zu viel Zeit, Geld und Zwang, und der Vortheil, den ich davon ziehe, ist gar unbeträchtlich. Unruhig bin ich nie weniger gewesen, als diese 14 Tage, und wenn ich nur müßig gehen und genießen wollte, so könnte mir Weimar gefallen. Aber mein nächster Brief wird Dich ganz überzeugen.

Ü    Þ


1) 30. August. ­
2) I, 138.
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