Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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            Christian Gottfried Körner
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[7. August 1785]

Meine Theuersten!

An dem Morgen des Tages, der Euch grenzenlos glücklich macht , bete ich freudiger zu der Allmacht.

Wünschen kann ich Euch nichts mehr. Jetzt habt Ihr ja Alles. Euer Glück zu vergrößern, müßte der Himmel Eure Sterblichkeit aufheben.

Euer Glück ruht in Euren Herzen, es kann also nimmermehr aufhören. Aber wenn Ihr nichts mehr zu wünschen findet, wenn das Wonnegefühl, Euch zu besitzen, eure ganze Seele füllt, so schenkt wenigstens einen Seitenblick noch der Freundschaft. Vergeßt nicht, daß sie für Euch betet, für Euch Thränen der Freude weint, und sich so ungern von dem lieblichen Träume trennt, Eure Tage verschönern zu helfen. Entlaßt sie ihrer Pflichten nicht – sie sind ihre Glückseligkeit, und wie viel bleibt ihr übrig, wenn Ihr gar nicht mehr wünschen wollt?

Sehnsucht, sich nie von dem lieben Wesen zu scheiden, das einst unserem Herzen so theuer war, hat die Urnen erfunden. Sie erinnern an ewige Dauer, darum seien sie heute das Symbol Eurer Liebe und unserer Vereinigung .

Fridrich Schiller.

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Für Körner und Minna.

Am 7. August 1785.

Heute vor fünftausend Jahren hatte Zeus die unsterblichen Götter auf dem Olympus bewirthet. Als man sich niedersetzte, entstand ein Rangstreit unter drei Töchtern Jupiter’s. Die Tugend wollte der Liebe vorangehen, die Liebe der Tugend nicht weichen, und die Freundschaft behauptete ihren Rang vor Beiden. Der ganze Himmel kam in Bewegung und die streitenden Göttinnen zogen sich vor den Thron des Saturnius.

Es gilt nur ein Adel auf dem Olympus, rief Chronos Sohn, und nur ein Gesetz, wonach man die Götter richtet. Der ist der Erste, der die glücklichsten Menschen macht.

Ich habe gewonnen, rief triumphierend die Liebe. Selbst meine Schwester die Tugend kann ihren Lieblingen keine größere Belohnung bieten als mich – und ob ich Wonne verbreite, das beantworte Jupiter und alle anwesende unsterbliche Götter.

Und wie lange bestehen Deine Entzückungen? unterbrach sie ernsthaft die Tugend. Wen ich mit der unverwundbaren Ägide beschütze, verlacht selbst das furchtbare Fatum, dem auch sogar die Unsterblichen huldigen. Wenn Du mit dem Beispiel der Götter prahlst, so kann ich es auch – der Sohn des Saturnus ist sterblich, sobald er nicht tugendhaft ist.

Die Freundschaft stand von ferne, und schwieg.

Und Du, kein Wort, meine Tochter? rief Jupiter – Was wirst Du Deinen Lieblingen Großes bieten?

Nichts von dem Allen, antwortete die Göttin, und wischte verstohlen eine Thräne von der erröthenden Wange. Mich lassen sie stehen, wenn sie glücklich sind, aber sie suchen mich auf, wenn sie leiden.

Versöhnet Euch meine Kinder, sprach jetzt der Göttervater. Euer Streit ist der schönste, den Zeus je geschlichtet hat, aber keine hat ihn verloren. Meine männliche Tochter, die Tugend, wird ihre Schwester Liebe Standhaftigkeit lehren, und die Liebe keinen Günstling beglücken, den die Tugend ihr nicht zugeführt hat. Aber zwischen Euch beide trete die Freundschaft und hafte mir für die Ewigkeit dieses Bundes.

Ü    Þ

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