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Dresden, 8. Juli 1785. Sonderbares Schicksal! Von Jugend auf sehnte ich mich nach einem Freunde in dem erhabensten heiligsten Sinne dieses Wortes, aber immer wurden die Bedürfnisse meines Herzens nicht befriedigt, wenn ich eine Seele gefunden zu haben glaubte, wie ich sie mir wünschte. Schon gab ich alle Hoffnung zu einer solchen Glückseligkeit auf. Mir winkten die Freuden der Liebe. Ich strebte nach diesen, und bei diesem Bestreben nahm meine Sehnsucht mir ab. Das Weib meines Herzens war mir Geliebte und Freundin zugleich. Und nun, da ich mich dem Zeitpunkte nähere, wo ich sie ganz mein nennen kann, da meine Glückseligkeit schon einen Gipfel erreicht hat, der mich fast schwindelnd macht – nun soll auch jener frühere Wunsch in vollem Maße befriedigt werden. – Ist dies nicht zu viel für einen Menschen, wie ich? – Ich kann mich bei den unaussprechlich seligen Aussichten, die meiner warten, einer gewissen Ängstlichkeit nicht erwehren.
ruft Admet in dem Augenblicke, da ihn sein Glück überwältigt. – Du mußt jetzt Nachsicht mit mir haben, Freund. Meine Seele kann Dir jetzt nicht mit dem Grade von Begeisterung entgegenströmen, wie es vor acht bis zehn Jahren geschehen sein würde. Ich bin zu voll jetzt von dem Gedanken an meine Minna, zu zerstreut durch mancherlei Angelegenheiten, zu beschäftigt mit der Sorge, den Bau unseres gemeinschaftlichen Glückes zu gründen. Ich sinne bloß darauf, alles zu entfernen, was uns im Genusse unserer Freuden stören könnte. Wenn dann die Stätte wird bereitet sein, die uns aufnehmen soll, wenn ich alles werde erschöpft haben, um die Dauer unseres Zustandes, so viel als menschliche Vorsicht vermag, zu sichern – dann biete ich jedem von Euch Trotz, mich an Wärme zu übertreffen. Keine convulsivischen Anfälle, keine Abwechselung von Trunkenheit und Erschlaffung, sondern steter Genuß ineinanderstrahlender Seelen nur nach der jedesmaligen Stimmung verschieden: bald Mittheilung gegenwärtiger Freuden, bald eröffnete Aussichten für die Zukunft, bald Anfeuerung zur Thätigkeit. Glaube mir, daß ich den Ausdruck Deines Gefühls in seinem ganzen Umfange verstehe. Ich würde mich mit Dir messen, wenn ich jetzt nicht in einer anderen Art von Stimmung wäre. Du weidest Dich ungestört an dunklen Ahnungen der Zukunft. Mein Loos ist jetzt, diese Zukunft mir mit der größten Deutlichkeit zu denken, das Detail des Coulissenspiels zu besorgen, wodurch die Wirkung des Ganzen befördert, wenigstens jede Störugn gehindert werden soll; alles aufzubieten, um den shcönsten Traum in seinem ganzen Umfange zu realisiren, und die fureden ganz zu erschöpfen, wovon unsere Vereinigung die quelle sein wird. – Mit Redern habe ich gestern gesprochen, er wird nun gewiss an den alten Huber schreiben, und vielleicht mit mehr Eifer, als er vorher gethan haben würde. Er schämte sich seiner Saumseligkeit, und machte sich wirklich Vorwürfe darüber, als ich ihm begreiflich machte, wie viel auf seine Thätigkeit ankäme. Dies für Huber zum Trost. Nach meiner Abrede mit dem alten Huber kann ich ihm über das Ökonomische nicht eher als nach meiner Verheirathung bestimmt schreiben. Ich habe mit Fleiß diesen Termin gesetzt, um der ganzen Idee ein besseres Ansehen von Solididät oder eigentlich Alltäglichkeit zu geben. Wenn ich nach Leipzig komme, kann ich dem alten Huber mündlich seine Zweifel benehmen, die er gewiss gegen mich äußern wird. Unterdessen ist nichts versäumt. Nach seinen letzten Äußerungen gegen mich nehme ich die Sache für entschieden an, und ignorire ganz, daß er wieder wankend geworden ist (wenn dies nicht vielleicht Affectation ist), bis er mir seine Bedenklichkeiten eröffnet. Über die Geldangelegenheit müssen wir uns einmal ganz verständigen. Du hast noch eine gewisse Bedenklichkeit mir Deine Bedürfnisse zu entdecken. Warum sagtest Du mir nicht ein Wort in Kahnsdorf davon? warum schriebst Du mir nicht gleich, wieviel Du brauchst? Kommt es bloß darauf an, einige currente Ausgaben zu bestreiten, so ist vielleicht das hinreichend, was ich hier beilege, bis ich in vierzehn Tagen in Leipzig bin. (Du verlierst an jedem Thaler 9 Pf. Bei der Verwechselung.) Ich würde Dir gleich mehr schicken, wenn ich nicht hier noch allerlei Handwerksleute zu bezahlen und erst in Leipzig wieder Geld zu empfangen hätte. Aber sobald Du im mindesten in Verlegenheit bist, so schreibe mit der ersten Post und bestimme die Summe. Rath kann ich allemal schaffen. – Wenn ich noch so reich wäre, und Du ganz überzeugt sein könntest, welch ein geringes Object es für mich wäre, Dich aller Nahrungssorgen auf Dein ganzes Leben zu überheben: so würde ich es doch nicht wagen, Dir eine solche Anerbietung zu machen. Ich weiß, daß du im Stande bist, sobald Du nach Brod arbeiten willst, Dir alle Deine Bedürfnisse zu verschaffen. Aber ein Jahr wenigstens laß mir die Freude, Dich aus der Nothwendigkeit des Brodverdienens zu setzen. Was dazu gehört, kann ich entbehren, ohne im geringsten meine Umstände zu verschlimmern. Auch kannst Du mir meinethalben nach ein paar Jahren alles wieder mit Interessen zurückgeben, wenn Du im Überfluß bist. Es ist unstreitig am besten, wenn Du Deine Schriften Göschen in Commission giebst. Ich schieße alsdann aus einer anderen Kasse, die nicht in Göschen’s Handlung ist, die Druckerkosten vor, und mache mich von dem Ertrage bezahlt, den Göschen nach Abzug der Commissionsgebühren mir berechnet. Dir steht es alsdann frei den Ertrag abzuwarten, oder dir von mir darauf vorschießen zu lassen. So werde ich’s auch mit meinen eigenen schriftstellerischen Arbeiten machen und mit dem, was Huber in unseren Verlag giebt. – Die neue Auflage von Deinen Schauspielen ist eine sehr gute Speculation, wogegen ich nichts habe, sobald sie Dich nicht im Carlos unterbricht. Doch ich begreife, daß du jetzt nicht mit völliger Ruhe an diesem arbeiten kannst. Lebe wohl! Dein Freund K. |
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