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               22.10.1803 an Schiller
               2.4.1805 an Humboldt

LV.

Weimar, 12 September 1803.              

   Ihr schmerzlicher Verlust, mein theurer Freund, dessen ganze Größe wir recht wohl empfinden, da wir das liebe Kind vor zwei Jahren so hoffnungsvoll sich entwickeln gesehen, hat uns beide auf’s innigste betrübt, und ich gestehe gern, daß ich keinen Trost dagegen weiß, als den die Zeit, die alle Wunden endlich heilt, herbeiführen wird. Jetzt kann ich nur darüber mit Ihnen klagen, und Ihren ganzen Kummer mit Ihnen theilen. Sie waren berechtigt zu den schönsten Hoffnungen; wirklich vereinigte sich Alles, diesem Kinde ein glückliches Loos zu versprechen, und nun muß jede Hoffnung so gewaltsam zerstört werden. Auch mich hat, wie Sie, bis jetzt noch kein harter Schlag betroffen, und ich kann mich nicht erwehren, bei dieser Gelegenheit auch in meinen eigenen Busen zu greifen, und mir den möglichen Verlust dessen, was mir theuer ist, zu denken. Bei meiner schwachen Gesundheit hatte sich die feste Ueberzeugung in mir gebildet, daß ich nicht in diesen Fall kommen würde, aber Ihr Verlust, mein theurer Freund, überführt mich, daß alle Berechnungen trügen.

   Wenn das italienische Klima doch vielleicht zu angreifend für Ihre Kinder und die gute Caroline wäre oder werden könnte, so wäre es doch vielleicht besser, alle jene Verhältnisse aufzugeben, da Sie doch einmal Herr Ihres Schicksals sind. Es haben so viele Deutsche schon ein frühes Grab dort gefunden. Ich habe mich über Fernows Aussehen, der seit acht Tagen hier angekommen ist, wirklich erschrocken, so veraltert erschien er mir, und hat vor seinem vierzigsten Jahre schon graue Haare. Freilich brachte er ein Fieber mit, aber man sah doch, wie sehr das Klima ihm muß zugesetzt haben. Er geht unter keinen guten Auspicien nach Jena, da die Universität in diesem Augenblick von allen Seiten Verluste erleidet, Loder, Paulus, Hufeland und Schütz mit der ganzen Literaturzeitung auswandern, und Grießbach hoffnungslos krank ist.

   Mögen diese Zeilen Sie und die liebe Caroline in einer ruhigen Fassung finden! Aber wir wünschen sehr bald ein Wort von Carolinens Hand, um uns zu überzeugen, daß sie sich über diesen schweren Schlag erhoben habe. Eine starke Seele bei aller feinen, zarten Fühlbarkeit ist doch das glücklichste Geschenk des Himmels, es ist ihr verliehen, und so wird sie das Unabänderliche zu ertragen wissen.

   Geben Sie uns, wo möglich, bald wieder Nachricht; warum müssen wir jetzt so weit von einander seyn, unser herzlicher Antheil würde Ihnen Ihren Kummer erleichtern! Erhalten Sie Ihre Gesundheit. Ewig der Ihrige

Sch.                

Ü   Þ

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