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               17.2.1803 an Humboldt
               18.8.1803 an Humboldt
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               12.9.1803 an Humboldt
               22.10.1803 an Schiller
               2.4.1805 an Humboldt

LIV.

Rom, 27 August 1803.              

   Ich schreibe Ihnen, lieber Freund, mit wehmüthigem Herzen. Ich kann sagen, daß mich, seit ich lebe, jetzt das erste Unglück betroffen hat. Aber der erste Schlag ist auch fast der härteste, der mich je hätte treffen können. Unser ältester Knabe, Wilhelm, dessen Sie sich vielleicht dunkel erinnern, ist uns plötzlich an einem bösartigen Fieber gestorben. Das arme Kind war kaum einige Tage krank. Auf einige leichte Fieberanfälle folgte plötzlich ein heftiges Nasenbluten. Wir waren auf dem Lande in Lariccia, aber zufälligerweise hatten wir, und haben noch einen deutschen Arzt bei uns, einen trefflichen Menschen, von außerordentlicher Kenntniß und Erfahrung, dem theilnehmendsten Gemüth und doch der größesten Besonnenheit und Ruhe. Dieser – er heißt Kohlrausch und ist ein Hannoveraner – that, was er konnte; aber die Gewalt des Uebels war zu heftig, und in kaum 36 Stunden lebte er nicht mehr. Sein Tod war sanft, sehr sanft, er hatte fröhliche Phantasien, litt nichts und ahnete nichts. Er liegt jetzt bei der Pyramide des Cajus Cestius, von der Ihnen Goethe erzählen kann. Ich habe mit diesem Kinde unendlich viel verloren. Unter allen, die ich habe, war er am liebsten um mich, er verließ mich fast nie, vorzüglich in den letzten Monaten beschäftigte ich mich regelmäßig mit ihm, er ging immer mit mir spazieren, er fragte nach Allem, er kannte die meisten Orte, die meisten Ruinen, er war bei Jedermann beliebt, weil er mit jedem, und jetzt schon recht gut Italienisch sprach. Das ist nun Alles dahin und dahin gegangen? Dieser Tod hat mir auf der einen Seite alle Sicherheit des Lebens genommen. Ich vertraue nicht meinem Glücke, nicht dem Schicksal, nicht der Kraft der Dinge mehr. Wenn dieß rasche, blühende, kraftvolle Leben so auf einmal untergehen konnte, was ist dann noch gewiß? Und auf der anderen habe ich wieder auf einmal so eine unendliche Sicherheit mehr gewonnen. Ich habe den Tod nie gefürchtet und nie kindisch am Leben gehangen; aber wenn man ein Wesen todt hat, das man leibte, so ist die Empfindung doch durchaus verschieden. Man glaubt sich einheimisch in zwei Welten. Mit Meyers Freund, Gmelin, der ien unendlich braver Mensch ist, war der verstorbene Wilhelm besonders vertraut. Er ging alle Woche einigemale zu ihm, und Gmelin liebte ihn sehr.

   Ich habe keine Stimmung, heute mehr zu schreiben, mein theurer lieber Freund. Leben Sie herzlich wohl und bedauern Sie Ihren armen Freund. Meine Frau grüßt Sie, und alle die Ihrigen innigst, Sie können denken, was sie leidet, aber sie hat sich mit außerordentlicher Stärke, Ruhe und Geistesgegenwart benommen. Theodor hat auch ein unangenehmes Nervenfieber. Aber er ist außer Gefahr, und in der Besserung. Noch einmal Adieu! und schreiben Sie mir recht bald.

H.              

Ü   Þ

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