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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Briefe Wilhelm v. Humboldt Vorerinnerung Liste der Briefe 3.5.1792 an Schiller 12.9.1792 an Schiller 7.12.1793 an Schiller 14.1.1793 an Schiller 18.1.1795 an Schiller 22.1.1794 an Schiller 7.7.1795 an Schiller 28.7.1795 an Schiller 4.8.1794 an Schiller 9.8.1795 an Humboldt 15.8.1795 an Schiller 18.8.1795 an Schiller 21.8.1795 an Schiller 21.8.1795 an Humboldt 25.8.1795 an Schiller 31.8.1795 an Schiller 7.9.1795 an Humboldt 11.9.1795 an Schiller 14.9.1795 an Schiller 22.9.1795 an Schiller 28.9.1795 an Schiller 2.10.1795 an Schiller 5.10.1795 an Schiller 12.10.1795 an Humboldt 12.10.1795 an Schiller 16.10.1795 an Schiller 23.10.1795 an Schiller 26.10.1795 an Humboldt 30.10.1795 an Schiller 6.11.1795 an Schiller 9.11.1795 an Humboldt 13.11.1795 an Schiller 20.11.1795 an Schiller 27.11.1795 an Schiller 29.11.1795 an Humboldt 4.12.1795 an Schiller 7.12.1795 an Humboldt 11.12.1795 an Schiller 14.12.1795 an Schiller 17.12.1795 an Humboldt 18.12.1795 an Schiller 25.12.1795 an Humboldt 29.12.1795 an Schiller 4.1.1796 an Humboldt 9.1.1796 an Humboldt 12.1.1796 an Schiller 25.1.1796 an Humboldt 1.2.1796 an Humboldt 2.2.1796 an Schiller 21.3.1796 an Humboldt 27.8.1798 an Humboldt 17.2.1803 an Humboldt 18.8.1803 an Humboldt 27.8.1803 an Schiller 12.9.1803 an Humboldt 22.10.1803 an Schiller 2.4.1805 an Humboldt |
XLV.Jena, den 9 Januar 1796. Für unsere Correspondenz, mein liebster Freund, ist seit vierzehn Tagen eine üble Zeit gewesen, und sie möchte wohl noch eine Woche dauern. In der ersten Zeit drängte mich der Schluß meiner Abhandlung, welche ohne Barmherzigkeit fertig werden mußte, und doch nicht übereilt werden durfte. Nachher kam Graf Burgstall aus Coppenhagen mit mächtigen Empfehlungen versehen, dem ich viel Aufmerksamkeit beweisen mußte, und blieb einige Tage. Alsdann erschien Goethe, der mir alle Abendstunden nimmt, und seit etlichen Tagen ist Herr von Funk hier, dem ich mich auch nicht entziehen kann, und auch nicht mag, da ich ihn gerne habe. Ich habe seit fast zehn Tagen nichts gearbeitet, wollte es auch nicht, und die wenige übrige Zeit hat mir die Versendung der Horen und des Almanachs (den ich aus dem Buchladen ausnehmen mußte) nebst einer Menge öfters lästiger, aber nothwendiger Briefe an Engel, Bürde nach Erfurt, Dänemark, Stuttgart, Tübingen, an Archenholz, Schlegel, Langbein und Andere weggenommen. Urtheilen Sei nun selbst, ob ich für unsere Correspondenz, bei der ich so gern mit ganzer Seele gegenwärtig bin, Zeit übrig behielt. Mit meiner Gesundheit geht es übrigens ganz erträglich, und ich bin mit dem Winter ungleich besser, als mit dem Sommer zufrieden. Die erste Abtheilung der Recension der Horen haben Sie nun wahrscheinlich schon gelesen. Sie enthält viel Gutes und Gedachtes, und es ist gar keine Frage, daß wir lange hätten suchen müssen, um einen bessern Beurtheiler zu finden, aber befriedigt hat sie mich doch nicht ganz, und ich vermuthe, es wird Ihnen auch so seyn. Indessen ist Schlegel übereilt worden, und ich wundre mich, daß er in der kurzen Zeit, die ihm gelassen wurde, so viel geleistet hat. Mit seinen Kritiken, den Versbau betreffend, werden Sie auch wohl nicht durchaus einig seyn. Goethe hat zwar auch vieles gegen die Recension einzuwenden, besonders in Rücksicht auf das, was an seinen Versen getadelt wird, im Ganzen aber ist er sehr wohl damit zufrieden. So eben erhalte ich Ihren Brief vom 5ten. Das Uebelbefinden der guten Caroline betrübt mich sehr und auch daß Sie noch immer nicht recht wohl sind. Unter diesen Umständen konnten Sie nichts Besseres thun, als in Berlin leben, und ich rathe Ihnen, es nicht sobald zu verlassen. Es ist mir übrigens ein Trost, daß unsere beiderseitigen Zerstreuungen in Eine Epoche zusammen fallen, weil sonst der einsam bleibende von beiden sich verlassen finden würde. Daß der Aufsatz über das Naive Eingang zu finden scheint, ist mir, des folgenden Aufsatzes wegen, gar nicht unlieb zu vernehmen. Es ist immer etwas für mich gewonnen, wenn man nur mit einem guten Vertrauen zu den sentimentalischen Dichtern kommt. Auch der dritte Aufsatz wird interessiren. Nachdem ich darin die beiden Abwege naiver und sentimentaler Poesie aus dem Begriff einer jeden abgeleitet und bestimmt, alsdann zwei herrschende Grundsätze, welche das Platte und das Ueberspannte begünstigen, geprüft haben (der eine ist, daß die Poesie zur Erholung, der andere daß sie zur Veredlung diene), so trenne ich von beiden Dichtercharakteren das Poetische, was sie verbindet, und erhalte dadurch zwei einander ganz entgegengesetzte Menschencharaktere, die ich den Realism und den Idealism nenne, welche jenen beiden Dichterarten entsprechen, und nur das prosaische Gegenstück davon sind. Ich führe diesen Antagonism durch das Theoretische und Praktische umständlich durch, zeige das Reale von beiden, so wie das Mangelhafte. Von da gehe ich zu den Carricaturen desselben, d. h. zu der groben Empirie und Phantasterei über, womit die Abhandlung schließt. es sind also drei Gradationen von einem jeden Charakter aufgestellt, und es zeigt sich, daß die Spaltung zwischen beiden immer größer wird, je tiefer sie herabsteigen. Naiver Sentimentalischer Dichtergeist,
Dichtergeist, Realism, Idealism, Empirism, Phantasterei, Ich hoffe, daß Sie diese hier roh hingeworfenen Ideen mit sorgfältiger Strenge ausgeführt finden sollen. Da ich selbst ein Idealist bin, so mußte ich mich sehr objecitv machen, um ein entscheidendes Urtheil in dieser Sache zu haben; aber ich bin überzeugt, daß mir in diesem Punkt keine Menschlichkeit begegnet ist. Goethe, als ein ganz verhärteter Realist, hat mir folgen können, und mich auch gefaßt. Ich sende Ihnen hier das tägliche Taschenbuch, worauf mich Seidler bis jetzt warten ließ. Tausend herzliche Grüße an Sie und die gute Caroline von uns, der ich von Herzen eine gute Besserung wünsche. Ihr Sch. |
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